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Impfzentren: Rosenheimer Start-Up „Innfactory“ entwickelt Software für hunderttausende Termine

Tobias Jonas, Mitgründer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied, und sein Mitarbeiter Fabian Artmann sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Das Foto entstand vor der Coronakrise, sehr zufrieden mit der Arbeit an der Software für Impfzentren ist die „Innfactory“ heute auch.
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Tobias Jonas, Mitgründer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied, und sein Mitarbeiter Fabian Artmann sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Das Foto entstand vor der Coronakrise, sehr zufrieden mit der Arbeit an der Software für Impfzentren ist die „Innfactory“ heute auch.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Die Impfzentren sind einsatzbereit, die Termin-Software ist es auch. „Innfactory“, das junge Unternehmen, das schon die Terminvereinbarung für das Corona-Testzentrum in Rosenheim auf die Beine stellte, versorgt Stadt und Kreis Rosenheim sowie die Landkreise München und Traunstein mit der Software.

Rosenheim – In Rosenheim sollen, wenn genug Impfstoff vorliegt, 750 Personen pro Tag durch die Inntalhalle geschleust werden. Die alle einen zweiten Termin brauchen. Das ist bei telefonischer Anmeldung schlicht nicht zu koordinieren. Also entwickelte die junge Truppe von „Innfactory“ ihr Programm „Cotema“, geschrieben für die Terminvereinbarung im Testzentrum auf der Rosenheimer Loretowiese, weiter. Viel weiter, es wurde deutlich umfangreicher.

Erfahrungen mit Testzentrum gemacht

„Seit Mitte vergangener Woche hat das halbe Team durchgearbeitet“, sagt Tobias Jonas, Co-Gründer und Geschäftsführer. Denn die Weiterentwicklung von Cotema, mit den im Testzentrum Loretowiese schon 30000 Termine für 40000 Personen vereinbart wurden, war aufwendiger, als die Innfactory-Mannschaft gedacht hatte. Und weil Käufer der Terminvereinbarungssoftware für die Impfzentren „sehr gute Anregungen“ mit einbrachten, wie Tobias Jonas erzählt.

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Innfactory hat Ursprung an der TH Rosenheim

Jonas, der Innfactory 2017 mit zwei Kommilitonen der TH Rosenheim, Anton Spöck und Maximilian Grassl, gründete und jetzt elf Mitarbeiter und einen Auszubildenden hat, freut sich, dass die ganze Truppe mitgezogen hat. „Das Engagement war besonders groß, weil wir natürlich alle sehr daran interessiert sind, dass man Corona in den Griff bekommt“, so Jonas.

„Agilstes Team im Gründerzentrum“

„Ich finde es toll, dass die Jungs nicht nur gewinnorientiert arbeiten“, freut sich Daniel Artmann, Geschäftsführer des Gründerzentrums „Stellwerk18“. Denn reich würde „mein agilstes Team im Gründerzentrum“ mit der Terminsoftware nicht.

Stadt und drei Landkreise haben schon gekauft

Und das, obwohl nicht nur Stadt und Landkreis Rosenheim Cotema verwenden, sondern sich auch die Landkreise München und Traunstein eingekauft haben, ein weiterer Interessent aus Niederbayern schon anklopfte. Plus/minus Null sei derzeit okay, je mehr Landkreise sich beteiligten, umso eher verdienten sie „ein bissl was“, so Jonas. Aber die Terminsoftware sei gute Werbung. Ihr Kernbereich, in dem Innfactory Geld verdient, sei ein anderer, sagt auch Daniel Artmann, der hörbar stolz auf den Erfolg von Innfactory ist..

Software kann maßgeschneidert werden

Mit Cotema können Termine bis zu zwei Wochen vorausschauend gebucht und koordiniert werden. „Um flexibel verschiedensten Landkreisen mit unserer Lösung unter die Arme greifen zu können und um einen geordneten Ablauf zu ermöglichen, haben wir das Terminvereinbarungstool so skalierbar programmiert, dass es innerhalb von wenigen Tagen für den jeweiligen Landkreis maßgeschneidert werden kann“, erklärt Jonas. Wer jetzt bestellt hat alle Chancen, seine Variante rechtzeitig für einen möglichen Beginn der Impfungen am 27. Dezember zu bekommen.

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Corinna und Laura als Werbegesichter

Das bekannteste „Werbegesicht“ von Innfactory in der Region war wohl „Corinna“, der Chatbot, der in der Anfangsphase alle Fragen rund um Corona beantwortete. Als die Themen und Fragen immer vielfältiger wurden, ging Corinna in Rente. Sie aufrecht zu erhalten war dem Team der Innfactory bei der Komplexität des Themas technisch und zeitlich nicht mehr möglich.

Chatbot am Telefon ist durchaus denkbar

Corinnas Kollegin Laura, Expertin in Sachen Immobilien, gibt es nach wie vor. Einen weiteren Chatbot, also ein Dialogsystem, das ohne menschlichen Eingriff arbeitet und Anfragen auf Textbasis oder mithilfe der Spracherkennung entgegennimmt und beantwortet beziehungsweise bearbeitet, könnte Innfactory auch für die Terminvereinbarung in den Impfzentren entwickeln, ist Jonas überzeugt. Das wäre zwar aufwendig, aber technisch möglich. Sparte Personalstunden „und es wäre gut für all diejenigen, die kein Smartphone und keinen Computer haben, die auf das Telefon angewiesen sind.“

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