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„Leuchttürme“ für Blackout-Szenario auserkoren

Im Zeichen der Energiekrise: So lief die Bürgerversammlung in Oberaudorf

Die neue Kläranlage und die Energiekrise waren für Bürgermeister Dr. Matthias Bernhardt ein zentrale Themen bei der Oberaudorfer Bürgerversammlung.
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Die neue Kläranlage und die Energiekrise waren für Bürgermeister Dr. Matthias Bernhardt zentrale Themen bei der Oberaudorfer Bürgerversammlung.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Es war bereits die zweite Oberaudorfer Bürgerversammlung in nur einem Jahr. Bürgermeister Dr. Matthias Bernhardt sah sich dabei vor allem mit Fragen zur Energieversorgung und den gestiegenen Abwasserbeiträgen konfrontiert und klärte auf.

Obwohl die vergangen Sitzung aufgrund der Corona-Pandemie nur rund ein halbes Jahr her ist, gab es erneut einiges zu besprechen. Der Ukraine-Krieg, die gestiegenen Energiepreise, aber auch der Abschluss der neuen Kläranlage prägten das vergangene Jahr. Speziell das Thema Energie beschäftigte die rund 60 versammelten Bürger von Oberaudorf.

Vorbereitung auf den Blackout

In seinem Jahresbericht ging Bernhardt dabei neben dem erhofften Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem auf die Sorge eines Blackouts ein. „Wir haben von der Bayerischen Regierung eine Handlungsempfehlung bekommen, wie wir bei einem Stromausfall über mehrere Tage reagieren müssen“, berichtet Bernhardt. Für den Ernstfall wurden dafür die Turnhalle in Oberaudorf sowie das Rathaus als sogenannte Leuchttürme auserkoren, die rund um die Uhr Wärme- und Stromversorgung bieten. Eine Notfallstelle wird außerdem bei der Feuerwehr Oberaudorf aufgebaut. Kommuniziert werde bei einem Blackout über analoge Funkgeräte sowie einen transportablen Lautsprecher.  

Mit Blick auf die alternativen Energien ist es dem Rathauschef zudem wichtig, sich für die Zukunft nicht vom Freistaat abhängig zu machen. „Wir werden versuchen, uns so aufzustellen, dass wir uns möglichst selbst versorgen können“, meint er. Angedacht sind dafür ein Turbinenwerk mit Hochdruckleitung zwischen Tatzelwurm und Rechenau sowie ein mögliches Zellulosekraftwerk. Auf Nachfrage der Bürger bezüglich der Nutzung des vorhandenen Stausees zur Energiegewinnung und Speicherung, meinte Bernhardt, dass dafür eine Turbine direkt am See notwendig sei, die sich aber aus Platzgründen nicht so leicht installieren ließe.

Bezüglich der zu erwartenden Energiepreise gab Hubert Paul, Leiter der Gemeindewerke Oberaudorf, einen Einblick in seine Jahresbilanz: „Wie sich die Preise auf dem Strommarkt entwickelt haben war unfassbar.“ Seit der Statistik der vergangenen Versammlung im April sei der Preis von 18 Cent pro Kilowattstunde zwischenzeitlich auf rund 90 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Gleichzeitig konnte der Gemeindewerksleiter die Bürger für das kommende Jahr aber ein wenig beruhigen. „Wir kaufen unseren Strom zu rund 80 Prozent schon immer bis zu drei Jahre im Voraus ein“, meint er. An einem Rechenbeispiel zeigte Paul, dass für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3000 Kilowattstunden im Jahr der Preis rund 150 Euro teurer wird als bisher.

Die neue Kläranlage in Oberaudorf ist so gut wie fertig. Das Großprojekt bringt aber auch höhere Abwasserentgelte mit sich.

Ein weiterer Punkt, der zu Rückfragen aus der Bürgerversammlung führte, waren die gestiegenen Abwasserentgelte. Zwei höhere Tarifbescheide haben die Einwohner aufgrund der neuen Kläranlage bereits erhalten. Dafür, dass darüber nur „wenige Klagen“ seitens der Bürger kamen, bedankte sich der Bürgermeister ausdrücklich bei der gesamten Gemeinde. „Das Projekt ist mittlerweile so gut wie abgeschlossen.“ Rund elf Millionen Euro von den Gesamtkosten (12,4 Millionen) seien bereits gezahlt. Eine dritte, deutlich kleinere Steigerung der Abwasserentgelte werde noch geprüft. „Eine vierte wird es aber zu 100 Prozent nicht mehr geben“, versprach der Bürgermeister auf Nachfrage aus dem Publikum.

Sanierung der Alten Schule Niederaudorf

Ein weiteres Großbauprojekt, das im März 203 abgeschlossen werden soll, ist die Sanierung der Alten Schule Niederaudorf. Für rund 2,5 Millionen Euro sollen dort drei Kindergruppen, eine Küche sowie der Trachtenverein und die Musikkapelle untergebracht werden können.

Bezüglich der Straßenbauprojekte gab Bernhardt außerdem einen Ausblick auf die Sanierung des zweiten Teils der Bad-Trißl-Straße, in dessen Zuge auch die Erschließung des Heimfeld stattfindet, sowie den Ausbau des Oberfeldwegs zwischen Rathaus und Schule.

Das Dauerthema Kloster Reisach war wieder Teil der Bürgerversammlung in Oberaudorf.

Ein weiteres „Dauerthema“ streifte Bernhardt mit dem Kloster Reisach, dessen Nutzung exklusive Kirchengebäude nach wie vor angestrebt werde. „Dafür sind wir noch immer in vielen Gesprächen mit dem Rosenheimer Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und der Bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner.“

Brenner-Nordzulauf sorgt für Zündstoff

Einen „Aufruf zu mehr Gegenwehr“ startete der Bürgermeister bezüglich des Brenner-Nordzulaufs, bei dem immer noch die Verknüpfung durch den Wildbarren oder zumindest keine Durchschneidung der landwirtschaftlich genutzten Felder angestrebt wird. Hier könnte sich Bernhardt eine Bürgerinitiative vorstellen, die sich für die Interessen der Gemeinde einsetzt. „Wenn ich auf Dauer als einziger dagegen ankämpfe, könnte es sonst sein, dass ich als verschrobener Bürgermeister, der persönlich etwas gegen den Brenner-Nordzulauf hat, abgetan werden“, meint Bernhardt.

Insgesamt sieht der Rathauschef die Gemeinde aber gut aufgestellt. Auch wenn die Zahlen für das Jahr 2022 noch nicht final seien, geht Bernhardt davon aus, dass der Haushalt mit rund 8,4 Millionen Euro genauso hoch wie im Vorjahr ausfallen dürfte. Für die Zukunft möchte Bernhardt außerdem an dem Abbau der Schulden arbeiten. „Der Plan ist, von aktuell circa acht Millionen Euro bis 2025 auf rund fünf Millionen Euro Schulden zu reduzieren.“ Das soll zum Beispiel mit der Optimierung, nicht jedoch mit einer Streichung, des Personals in der Gemeinde ermöglicht werden. Mit der positiven Rückkehr diverser Veranstaltung nach der Corona-Pandemie sowie dem Dank an die Feuerwehr und Rettungsdienste beschloss der Bürgermeister seinen Bericht der Oberaudorfer Bürgerversammlung.

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