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Ausstellung in Schwabering-Söchtenau

Werke ziehen magisch an: Künstler Rudl Endriß lädt „das letzte Mal“ zur Ausstellung

Rudl Endriß hat viele Tätigkeiten ausgeübt: Er war unter anderem Lehrer, Maler und Kurator.
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Rudl Endriß hat viele Tätigkeiten ausgeübt: Er war unter anderem Lehrer, Maler und Kurator.
  • VonElisabeth Kirchner
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Knapp 80 Jahre ist der Künstler Rudl Endriß alt. Seine Werke sind in der Region präsent. Nun will Endriß aufhören und stellt „das letzte Mal“ in Schwabering-Söchtenau aus.

Schwabering – Auf der Einladung steht „das letzte Mal.“ Viele Weggefährten, Künstler, Freunde und Familie sind gekommen, um „ein letztes Mal“ die Werke des Künstlers Rudl Endriß in Werkhaus und Garten mitten im Gewerbegebiet Schwabering-Söchtenau zu bewundern.

Jeden einzelnen Gast begrüßt er persönlich, wie immer liebenswürdig und charmant. Das lässt er, der seit einem Schlaganfall vor über 30 Jahren körperlich eingeschränkt ist, sich nicht nehmen.

Kunst aus vielen Materialien

Viele Tätigkeiten hat der knapp 80-Jährige ausgeübt: Fachlehrer, Hochschullehrer, Maler, Schnitzer, Metall-Bearbeiter, Bildhauer, Kurator. Und genauso facettenreich ist seine Kunst. Er arbeitet mit Stein, Holz, Metall, Papier Stoff, Wolle und Gips - jedes Material gibt in seinen Augen „was her.“ Schaufensterpuppen, Gartenzwerge, Bilder, Teppiche, Leinensäcke, Baumwolltücher, Holzfigurinen, Geschirr, Besteck - für alles findet er eine Verwendung. Jährliche Kataloge und Ausstellungen quer durch Deutschland und Europa, Auszeichnungen, darunter unter anderem der Kulturpreis des Landkreises - seine Schaffenskraft ist scheinbar unendlich. Doch jetzt meint er, dass es gut ist.

Noch immer steht alles offen, sind Haus, Keller, Atelier und Garten Ausstellungsräume. Aufgeräumtes künstlerisches Chaos allerorten. Das Gesetz der Serie - ein Charakteristikum seiner Kunst. Ein weiteres, dass viele seiner Skulpturen und Objekte weiß bemalt oder besprüht sind. Damit hat er ganz normale Alltagsgegenstände aus ihrem gewohnten Rahmen gelöst, in einen neuen Zusammenhang gesetzt, damit will er Strukturen sichtbar machen. Worte, in Metall geritzt, auch das ist Endrißsche Kunst. Denn für ihn, der nach seinem Schlaganfall mühevoll wieder sprechen lernen musste, ist Sprache etwas Besonderes. Er liebt es, mit Worten zu spielen, ihren Sinn zu hinterfragen.

Metall- und Holzwerke

Und so sieht der geneigte Besucher in und rund ums Haus Metall- und Holzoeuvres mit Gold und Silber verziert, stählerne, filigrane Figuren auf Holzstelen, weiß lackierte Metallschilder, in die Endriß Substantive geritzt hat, Granitplatten, Besteck, das er wie einen Tannenbaum aufgeschichtet hat, rechteckige Pappteller oder Holzspanstücke aus Obstkisten, die er strukturiert im Bilderrahmen aufgeklebt und somit zum Bild geadelt hat.

Trotz körperlicher Einschränkungen arbeitete Endriß auch mit schweren Materialien

Und dann ist da noch der Schmuck, auf Bildern im Treppenhaus verewigt: Die Qualität der künstlerischen Idee und die handwerkliche Umsetzung ziehen magisch an. Warmes und weiches Gold, eigenwillige Formen, und doch tragbare Zierde. Zuletzt habe er viel gemalt, sagt der Künstler und zeigt in seinem Atelier auf Stöße von Büttenpapier. Mal sind es Gesichter, mal abstrakte Kunst, hier mit dickem Pinsel ausgeführte Konturen, dort sind es mit feinem Pinselstrich gemalte Linien. Rudl Endriß, dessen künstlerische Arbeiten - trotz oder gerade wegen der körperlichen Eingeschränktheit - so unerschöpflich, so grenzenlos, so kraftvoll wirken. Und so selbstverständlich, wie es Kulturreferent Christoph Maier-Gehring 2013 anläßlich der Verleihung des Kulturpreises des Landkreises an Endriß in seiner Laudatio treffend formulierte: „Seine Exponate (…) nehmen wir fast schon als selbstverständlich wahr, als zu unserem Leben gehörig.“

Noch zahlreiche Dinge ungeklärt

Bei einem Besuch vor knapp zwei Jahren in seinem Atelier sagte er der Besucherin, dass er noch immer vor Ideen strotzt. Nun aber, so sagte er selbst, sei es gut. Deswegen habe er seine Ausstellung auch mit „das letzte Mal“ überschrieben.

Facettenreich ist auch seine Kunst. Jedes Material gibt in seinen Augen etwas her.

Wann er sich aber wirklich zur Ruhe setzt, wann er nach Hamburg zieht, und was mit seinen Werken geschehen soll, ist noch nicht geklärt. Das alles braucht seine Zeit. Deswegen gilt hier - ganz anders als in seinem bisherigen Schaffen und Wirken - „gemach, gemach.“ Vielleicht bleibt es nicht bei „das letzte Mal“ und im kommenden Jahr wird es dann „das allerletzte Mal“ und dann vielleicht irgendwann doch wirklich „das wirklich allerletzte Mal“ sein.

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