HÜRDEN AUF DEM WEG ZUM IMPFEN FÜR SENIOREN OFT ZU HOCH

„Ich will helfen – und kann es nicht“: Seniorenbeauftragte ist sauer

  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Irmgard Wagner ist sauer. Sie würde gerne helfen, kann aber nicht. „Die Leute sind wirklich ausm Häusl“, sagt die Seniorenbeauftragte der Gemeinde. Ja, es geht ums Impfen. Und um die Anmeldung im Impfzentrum. „Da lässt man die alten Leute auf der Straße stehen“, findet Irmgard Wagner.

Riedering – Während die Einladung zur Anmeldung an alle über 80-Jährigen noch per Post kam, soll die Anmeldung im Impfzentrum selbst möglichst via Internet geschehen. Sie habe unter ihren Senioren genug, die kein Internet haben, sagt Irmgard Wagner. Auch keine Familie in der Nähe.

Eine E-Mail-Adresse, eine Anmeldung

Selbst wenn, träte da womöglich schon wieder das nächste Problem auf: „Ich könnte ja noch nicht einmal meinen Mann und mich anmelden. Weil wir nur einen Computer haben.“ Und vor allem nur eine E-Mail-Adresse. Damit ist nur eine Registrierung möglich. So steht es auf der Internetseite des Impfzentrums Rosenheim. Und so bestätigt es die Stadtverwaltung auf Nachfrage.

Ohne Internet oder Handy geht es nicht

Nun ist Irmgard Wagner in einer anderen Impfgruppe als ihr Mann. Und kann sich Wochen oder Monate später vermutlich vom heimischen Computer aus anmelden. Aber was macht der Enkel oder die nette Nachbarin, die ein Ehepaar über 80 anmelden wollen. Extra E-Mail-Adressen erstellen? Und die dann auch im Auge behalten? Denn „die registrierten Personen mit der aktuell höchsten Priorität werden per SMS oder E-Mail zur persönlichen Online-Terminbuchung eingeladen“, heißt es dazu auf der Seite des Impfzentrums. Registrierte Personen würden automatisch kontaktiert, sobald sie an der Reihe sind. Vorausgesetzt, sie haben Handy oder Internet. „Da sind mir die Hände gebunden“, stellt Irmgard Wagner ernüchtert fest.

Prozedere ist für Senioren unbefriedigend

Auch Thomas Waldvogel, seit Herbst Seniorenbeauftragter des Landkreises, räumt eine gewisse Frustration ein, „das Prozedere ist für die Senioren unbefriedigend und die technischen Hürden sind gewaltig.“ Das bedrücke ihn durchaus auch. Er habe versucht, Auswege zu finden, aber bisher ohne greifbares Ergebnis. „Ich bin abhängig von den Ämtern und die wieder von den Ministerien.“

Am Telefon ist kaum ein Durchkommen

Ja, es ist eine telefonische Anmeldung unter der 0 80 31/365 88 99 möglich. Da habe sie aber etliche Rückmeldungen, dass ihre Senioren nicht durchkommen, sagt Irmgard Wagner. „Ein alter Herr dachte, er hätte es geschafft, wurde dann kreuz und quer weiterverbunden. Als er irgendwann in Wuppertal gelandet war, hat er aufgegeben“, erzählt sie. „Die Hotline ist phasenweise überfordert, überlastet“, hält Waldvogel fest. Das sieht die Stadt Rosenheim, zuständig für das Impfzentrum, anders: „Die Impfhotline ist stark frequentiert, aber nicht überlastet“, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus.

Sammelanmeldung in anderen Landkreisen möglich

In anderen Landkreisen, so Irmgard Wagner, hätten sich die Seniorenbeauftragten zusammengeschlossen, da gebe es eine eigene Nummer für Seniorenbeauftragte, die die Kandidaten aus ihrem Ort geschlossen anmelden wollen. Die gibt es in Stadt und Landkreis Rosenheim nicht.

Am sichersten und verlässlichsten sei die Online-Anmeldung, so der stellvertretende Pressesprecher der Stadt. „Nur auf diesem Weg ist sichergestellt, dass Namen, Anschrift und alle weiteren Angaben korrekt übermittelt werden und dabei der Datenschutz eingehalten wird.“ Das wäre bei einer telefonischen Sammelanmeldung nicht gewährleistet. Und eine Sammel-E-Mail-Adresse für eine Gemeinde ist nach Mitteilung der Stadtverwaltung über das Registrierungstool BayIMCO nicht möglich.

Kein Abnehmer für gesammelte Formulare

Irmgard Wagner wäre bereit, die für eine Anmeldung benötigten Formulare – so sie vom Gesundheitsamt oder den Krankenkassen verschickt würden – mit den Senioren, die die Unterstützung brauchen, auszufüllen und sie gegebenenfalls an entsprechender Stelle abzugeben. Geht nicht: Einerseits wegen des Datenschutzes und andererseits, weil ihr niemand den Packen abnähme.

Die Suche nach anderen Wegen beginnt

Oder vielleicht doch? Christian Schwalm, Sprecher der Stadt, teilte auf Nachfrage mit: „Die Verantwortlichen des gemeinsamen Impfzentrums von Stadt und Landkreis Rosenheim prüfen gerade, ob es gegebenenfalls andere kurzfristige Wege gibt, die Anmeldung von älteren Menschen zu vereinfachen.“

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