„Ich spüre großen Rückhalt“: Christoph Schneider ist seit einem Jahr Neubeuerns Bürgermeister

Er blickt positiv in die Zukunft: Neubeuerns Bürgermeister Christoph Schneider.
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Er blickt positiv in die Zukunft: Neubeuerns Bürgermeister Christoph Schneider.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Neubeuern – Jung und voller Tatendrang – Christoph Schneider hat noch so einige Ziele auf seiner Agenda. Eines davon: wieder mehr Vertrauen in die Kommunalpolitik schaffen. Eine Herausforderung, die der 29-Jährige gerne annimmt.

Sie sind gerade mal 29 und schon seit einem Jahr Bürgermeister. Lastet ein hoher Druck auf Ihnen, dem Amt gerecht zu werden?

Christoph Schneider: Ich bin im letzten Jahr durch ein fantastisches Wahlergebnis mit 63 Prozent im ersten Wahlgang Bürgermeister geworden. Da habe ich von Anfang an eine gewisse Erwartungshaltung in der Bevölkerung an mich gespürt, der ich natürlich gerecht werden möchte. Ich denke, dass ich damit ganz gut umgehen kann, da ich derzeit einen großen Rückhalt bei den Mitarbeitern, bei meinen Vertretern und im Gemeinderat verspüre.

Welche Ziele konnten Sie bereits umsetzen?

Schneider: Im ersten Jahr und trotz Corona-Pandemie konnte ich schon viele Projekte auf den Weg bringen. Die Brandschutzertüchtigungen der Hohenau-Schule und der Gästeinformation war ja schon längere Zeit überfällig. Wir haben mit dem Bau einer weiteren Kindergartengruppe mit 15 Betreuungsplätzen begonnen, ein Feuerwehrbedarfskonzept wurde erarbeitet und zum Teil umgesetzt. Und im Bereich der Gemeindefinanzen wurden notwendige Gebührenkalkulationen vorgenommen. Auch die Grundlagen für eine Umrüstung der Straßenbeleuchtung in LED wurde geschaffen, die für April 2021 geplant ist. Und es wurden die Genehmigungen für den Klärwerksausbau eingeholt, der ebenfalls 2021 startet und wohl das Großprojekt der Gemeinde wird.

Was war die bislang größte Herausforderung, der Sie sich in Ihrer Amtszeit stellen mussten?

Schneider: Der Ort war ja durch ein paar Vorgeschichten und persönlichen Enttäuschungen gespalten und ich spüre, dass immer noch ein wenig Misstrauen gegenüber der Gemeindepolitik und der Gemeinde Neubeuern vorherrscht. Da ist es für mich schon eine gewisse Herausforderung wieder Vertrauen aufzubauen. Ich bin überzeugt, dass wir da mit meinem Zweiten Bürgermeister, Wolfgang Sattelberger, auf einem guten Weg sind. Wir sind bemüht, die Bevölkerung in die Themen mitzunehmen und viele Hintergründe von Ratsentscheidungen beleuchten.

In der Vergangenheit gab es häufig Unmut unter den Gemeinderäten. Wie ist die Stimmung jetzt?

Schneider: Die Stimmung im Gemeinderat kann ich bisher als äußerst gut bezeichnen. Es wird fraktionsübergreifend gesprochen, Argumente ausgetauscht und nach Lösungen und Kompromissen gesucht. Der Umgang untereinander ist äußerst fair und wir haben uns in der „Neubeurer Erklärung“ ja auch entsprechende Spielregeln dazu gegeben. Das es mal knirscht oder es emotional wird, ist auch völlig legitim.

Stichwort Mobilfunkmast: Jetzt kommt es zu einem Bürgerentscheid. Was sagen Sie dazu?

Schneider: Das Mobilfunkthema verbunden mit der 5G-Technologie ist ein heißes Eisen. Die Bevölkerung wird in meinen Augen vom Bund, der das Thema im Wesentlichen bestimmt, zu wenig aufgeklärt. Die Leute wissen nicht so recht, ob und welche Gefahren in Sachen Strahlung bestehen. Ausbaden darf es dann die kommunale Ebene, die so gut wie keinen Handlungsspielraum hat. Mit einem Standort im Außenbereich, der die vorgeschriebene Versorgung gewährleistet und die Immissionen niedrig hält, hätte die Mehrheit im Rat leben können.

Aber nun haben Bürger einen Entscheid erlangt.

Schneider: Und das auf legitime Weise. Wir haben diesen für zulässig erklärt. Was dieser dann bringt, zeigt sich im Januar. Ich bin selbst noch nicht schlüssig darüber, was passiert wenn die Baugenehmigungen für die beiden Masten bis dahin vom Landratsamt Rosenheim erteilt wurden und der Bürgerentscheid sich durchsetzt. Möglicherweise stehen wir dann mit einem reinen symbolpolitischen Votum da, was an den geplanten Gegebenheiten nichts mehr ändern kann.

Wie steht Neubeuern finanziell da? Hat Corona Spuren hinterlassen?

Schneider: Die Marktgemeinde Neubeuern ist überschaubar verschuldet, hat aber mit einem großen Investitionsstau zu kämpfen. In Neubeuern bestand lange der Irrglaube, dass man alleine von der guten Einkommensteuerbeteiligung leben könne. Das Corona-Jahr hat uns deutlich aufgezeigt, dass dem nicht so ist. Uns ist ein hoher sechsstelliger Betrag weggebrochen, den wir über eine Teilhaushaltssperre auffangen konnten. Gott sei Dank waren unsere Handwerksbetriebe in diesem Jahr weiter der Garant für solide Gewerbesteuereinnahmen. Diese ist in diesem Jahr kaum eingebrochen. In Zukunft müssen wir uns da besser aufstellen.

Was macht Neubeuern in Ihren Augen einzigartig?

Schneider: Neubeuern ist ein besonderer Ort, der eine gewisse Magie in sich trägt, die man nicht immer beschreiben kann. Neben der simplen Schönheit des Ortes, die sich von Altenmarkt bis Altenbeuern zieht, machen vor allem die vielseitigen Menschen den Ort einzigartig. Ob Landwirte, Künstler, Handwerker, Unternehmer – das ist eine beeindruckende Vielfalt, die in meinen Augen aber auch gut miteinander leben kann.

Was braucht es, um Neubeuern noch besser dastehen zu lassen?

Schneider: Die Marktgemeinde steht im Prinzip gut da und wir wollen die Struktur des Ortes auch erhalten. Nichtsdestotrotz muss man auch mit der Zeit gehen und diverse Entwicklungen vorantreiben. Themen wie die Innenverdichtung zur Schaffung von Wohnraum für Einheimische oder die Gewerbeansiedlung zur Einnahmengenerierung und damit zum Erhalt der Infrastruktur dürfen keine Tabus sein. Sie sind wichtig für unsere Zukunft. Die Themen müssen wir intensiv aus allen Blickwinkeln beleuchten.

Wie sieht der Ausblick für das kommende Jahr aus? Welche wichtigen Projekte stehen an?

Schneider: Viele Projekte haben wir heuer vorbereitet, mit denen es 2021 losgeht: Der Klärwerksumbau wird uns viel Zeit und Energie abverlangen, auch wollen wir im Bereich des Straßenunterhalts ein paar Altlasten bereinigen, unsere Kanalsanierung weiter vorantreiben, die Straßenbeleuchtung auf ein LED-System umrüsten und vor allem auch weiter in die Digitalisierung und Ausstattung unserer Hohenau-Schule investieren.

Wird noch mehr für Schulen getan?

Schneider: Der Erhalt unserer Mittelschule liegt uns besonders am Herzen. Wir wollen den Unterricht über Kooperationen mit Berufsschulen und Betrieben praxisorientierter gestalten und haben sogar Unterstützung von Minister Piazolo in Aussicht gestellt bekommen. Mit der Rektorin Frau Biersack arbeiten wir an einem Konzept. Besonders freuen würde ich mich außerdem, wenn wir in Sachen Kinderbetreuung unser Angebot in der Gemeinde um eine Waldgruppe erweitern können.

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