Zusage oder doch Ablehnung?

„Hü“ und „hott“ beim Pruttinger Waldkindergarten: Ärger über Landratsamt

Bürgermeister Johannes Thusbaß (links), Architekt Johann Wagenstaller (Mitte) und Sarah Sigl, die die Trägerschaft des Waldkindergartens übernehmen würde, sind sich einige: Nicht nur das Grundstück, sondern auch das darauf stehende ehemalige Imkerhaus wären für die Zwecke eines Waldkindergartens geradezu ideal. Und die zusätzlichen Betreuungsplätze braucht die Gemeinde dringend.
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Bürgermeister Johannes Thusbaß (links), Architekt Johann Wagenstaller (Mitte) und Sarah Sigl, die die Trägerschaft des Waldkindergartens übernehmen würde, sind sich einige: Nicht nur das Grundstück, sondern auch das darauf stehende ehemalige Imkerhaus wären für die Zwecke eines Waldkindergartens geradezu ideal. Und die zusätzlichen Betreuungsplätze braucht die Gemeinde dringend.
  • vonJohannes Thomae
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Für Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß war nach einem Gespräch im Landratsamt klar: Der Waldkindergarten kann kommen, die Imkerhütte bei Haberspoint darf Schutzhäuschen werden. Monate später kam nun die Nachricht, dass das Amt der neuen Nutzung nicht zustimmt. Kommunalpolitiker und Eltern sind verärgert.

Prutting – Am Anfang schien es wie am Schnürchen zu laufen mit dem neuen Waldkindergarten in Prutting: Ein Träger war gefunden, viele Eltern interessiert daran, ihre Kinder dorthin schicken zu können und das Grundstück – das Grundstück war gewissermaßen das Sahnehäubchen: Ideal gelegen, ein kleines Waldstück bei Haberspoint, mit einem kleinen, aber abgrenzbaren Weiher. Und vor allem: Mit einem Imkerhäuschen, das mit minimalem Aufwand in das Schutzhaus des Waldkindergartens zu verwandeln wäre.

Imkerhaus macht aus dem Traum einen Albtraum

Doch genau dieses Imkerhäuschen macht für Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß den Wunsch- zu einem Albtraum. Das Landratsamt will der neuen Nutzung des Hauses überraschenderweise nicht zustimmen. Überraschenderweise deshalb, weil Pruttings Bürgermeister im Juni letzten Jahres die Umnutzung des Imkergebäudes zu einem Schutzhäuschen schon einmal mit den zuständigen Sachbearbeitern im Landratsamt besprach. Er ging damals, so wie er sagt, mit der Überzeugung nach Hause, dass die Umwidmung kein Problem sei.

Landratsamt hielt Ortstermin für unnötig: „Wir kennen Haus und Areal“

Den Ortstermin, den er sicherheitshalber vorgeschlagen hatte, habe man seitens des Landratsamtes nicht wahrgenommen: Ortstermine seien unüblich, davon abgesehen kenne man das Haus und das Areal in Haberspoint, so hieß es. In der festen Annahme, dass baulicherseits alles in Ordnung und nur noch eine Frage der Abwicklung sei, erwarb die Gemeinde das Grundstück und ging an die weitere Planung, die zum Beispiel auch die – übrigens bereits erfolgte – Abnahme des Konzeptes durch das Jugendamt beinhaltet.

Die Gemeinde steht vor einem Scherbenhaufen

Mit dem jetzt unerwartet negativem Bescheid des Landratsamtes steht die Gemeinde gewissermaßen vor einem Scherbenhaufen: Statt eines Waldkindergartens in idealer Lage, mit einem Haus darauf, das ohne größere Umbaumaßnahmen alle Anforderungen erfüllt, hat sie derzeit ein frisch erworbenes, aber im Moment an sich unnützes Grundstück, mehrere Dutzend verärgerter Eltern, die sich schon darauf eingestellt hatten, ihre Kinder demnächst in einen Waldkindergarten schicken zu können, in Sarah Sigl eine Trägerin, die ein gutes und genehmigtes Konzept, aber keine Anwendung dafür hat und bei allem zumindest augenblicklich keine Aussicht auf eine Lösung.

Gemeinde hält Vorschlag des Landrats für Geldverschwendung

In einem Telefongespräch, das Thusbaß Mitte Januar mit Landrat Otto Lederer in dieser Sache führte, habe Lederer überlegt, ob eine Lösung nicht in einem Abriss des Gebäudes und einem kleineren Neubau liegen könne. Für Bürgermeister wie Gemeinderat ein Unding. Denn das hieße ihrer Ansicht nach nichts anderes, als Steuergelder in Höhe von mindestens 50 000 Euro, die für einen Neubau einer Schutzhütte zu veranschlagen wären, zum Fenster hinauszuwerfen.

Hütte ist nur für Imkerei genehmigt, sonst droht Abriss

Für das Landratsamt ist der Fall indes rechtlich eindeutig: Das Haus wurde Mitte der 80er Jahre nur zum Zwecke der Imkerei genehmigt. Mit dem Wunsch einer Umwidmung ist die Genehmigung erloschen, es tritt vielmehr die damals festgeschriebene Auflage in Kraft, das Haus bei Aufgabe der Imkerei abzureißen. Dass das Haus nun nicht irgendeinen privaten, sondern einen öffentlichen Zweck bekäme, spielt rein rechtlich keine Rolle.

Umwidmung sscheitert an der Hüttengröße

Die Umwidmung scheitert nach Ansicht des Landratsamtes nach Auskunft von dessen Sprecher Michael Fischer auch daran, dass ein nicht landwirtschaftlich genutztes Gebäude in dieser Lage mittlerweile nur noch in einer Größe von 25 Quadratmetern genehmigt wird, während das bestehende Haus doppelt so groß ist. Eine Genehmigung erfolge auch nur dann, wenn es sich um eine Lager- oder Schutzhütte ohne Aufenthaltsraum handelt.

Auch bezüglich des ersten Gesprächs im Juni ist man im Landratsamt eindeutig: „Das Thema“, so die Pressestelle des Landratsamtes „wurde im Vorfeld mit der Gemeinde zwar erörtert, nach Aussage der (damals) zuständigen Sachbearbeiter wurde jedoch keinesfalls eine Zusage erteilt“.

Die Hoffnung noch nicht aufgegeben

Immerhin, so die Pressestelle weiter, liefen Überlegungen „eine sinnvolle Lösung in dieser Angelegenheit zu finden“. Eine entsprechende Kontaktaufnahme gab es mit Bürgermeister Johannes Thusbaß bisher nicht, dennoch hat er die Hoffnung auf eine Lösung, bei der das bestehende Haus weiterverwendet werden könnte, noch nicht ganz aufgegeben: Nicht nur ein fertiges Schutzhaus fast ohne weitere Kosten zu haben, ist für ihn ein Faktor, sondern auch die Tatsache, „dass wir bei grünem Licht für das jetzige Haus den Kindergarten quasi sofort eröffnen könnten“.

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