Auf Holz und Stahl durchs Schutzgebiet

Von Spaziergängern lange erwartet, ist die neue Brücke über die Sims jetzt fertig. Kirchner

Riedering − „Ein Schmuckstück“ − bei der offiziellen Abnahme der neuen Simsbrücke mitten im Landschaftsschutzgebiet Simssee bei Ecking an einem frühen April-Morgen strahlten Bürgermeister Josef Häusler, Stefan Huber von der Bau-Firma Plereiter GmbH & Co KG und Michael Stief vom Ingenieurbüro Stief in Rosenheim mit der Sonne quasi um die Wette.

Altes Bauwerk stammt vom Grenzschutz

Die alte Brücke, die vor Jahrzehnten von Pionieren des Bundesgrenzschutzes (heute Bundespolizei, der Bundesgrenzschutz hatte damals eigene Pioniere am Standort Rosenheim, Anm. der Redaktion) errichtet wurde, war in die Jahre gekommen. Bei einer vorgeschriebenen Brückenprüfung wurden erhebliche Mängel am Brückenbauwerk festgestellt. Die Brücke auf dem beliebten Wanderweg entlang des Simssees − jahrein, jahraus stark frequentiert − musste deshalb aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Eine wirtschaftliche Sanierung der Brücke aber wäre laut Auskunft eines Fachbüros nicht mehr möglich gewesen, sodass sich der Riederinger Gemeinderat im vergangenen Jahr für den Neubau einer Brücke entschied, wie Bürgermeister Häusler auf dem Weg zur Brücke zusammenfasst.

Anfänglich wurde eine reine Stahlversion favorisiert, die auch billiger gekommen wäre, doch angesichts der Tatsache, dass die Brücke im Landschaftsschutzgebiet und von Schilf umgeben ist, zog das Gremium eine Holzbauweise mit Stahlunterbau vor. Alles in allem auch von Vorteil, „ein solcher Unterbau hält für mindestes 100 Jahre,“ so Stief, und das Lärchenholz lasse sich auch durch den gemeindlichen Bauhof erneuern.

Stark frequentierter Wanderweg

Nicht nur technisch, auch von den Auflagen her war es ein aufwendiges Unterfangen, erinnern sich die drei Verantwortlichen. Denn die Brücke liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet, sodass die Sanierung nur in der vegetationsarmen Zeit von Oktober bis Februar stattfinden konnte. Naturschonend wurde zunächst eine Baustraße und Baulager außerhalb der Biotopfläche eingerichtet, ehe die Abbrucharbeiten der alten Brücke begann und das Ersatzbauwerk neu begründet werden konnte. Die Spundwände wurden bis zu zwölf Meter tief in den Boden gerammt und Brückenfundamente gegossen, auf denen jetzt der Stahlunterbau der Brücke aufliegt. Der restliche Ausbau der 1,5 Meter breiten und 13 Meter langen Brücke erfolgte in Holz. Selbst die Wege zur und von der Brücke wurden mit Staffnerkies aus Marquartstein aufgefüllt und erneuert. Von unten betrachtet wirkt die Stahlkonstruktion sehr solide, munter gluckernd plätschert die Sims vorbei Richtung Simssee. Von oben betrachtet macht die Brücke was her, das Holz, jetzt noch jungfräulich unverwittert, werde im Laufe des Jahres eine grauere Patina bekommen, so Stief. Auch das Schilf wachse wieder nach, so Huber, und wies auf zarte grüne Triebe hin, die sich aus dem moorbraunen Boden rund um den ehemaligen Bauplatz neugierig nach oben strecken. Auch die Büsche und Bäume tragen Frühlingsgrün, kein Wunder, dass der Wanderweg schon am frühen Morgen stark frequentiert ist. Da mache die neue Brücke, die mit 180 000 Euro zu Buche schlug, gleich viel her, so Bürgermeister Häusler: „Ein Schmuckstück.“

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