Außergewöhnliche Erinnerungen

Karl und Maria Kreidl: So war das damals mit den Studenten vom Achenmühlener Goethe-Instituts

Das Wirts-Ehepaar Karl und Maria Kreidl aus Höhenmoos mit ihrem Gästebuch. Zwischen 1961 und 1968 beherbergten sie Studenten, die zum Deutschlernen das ehemalige Goethe-Institut in Achenmühle besuchten.
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Das Wirts-Ehepaar Karl und Maria Kreidl aus Höhenmoos mit ihrem Gästebuch. Zwischen 1961 und 1968 beherbergten sie Studenten, die zum Deutschlernen das ehemalige Goethe-Institut in Achenmühle besuchten.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Achenmühle war wohl einer der kleinsten Orte für ein Goethe-Institut. Dementsprechend familiär ging es zu. Zentraler Ort der Zusammenkünfte war bei Karl und Maria Kreidl in ihrem Gasthof im benachbarten Höhenmoos.

Rohrdorf – Goethe-Institute in aller Welt waren und sind im Sinne ihres Namensgebers Einrichtungen zum Erfahren deutscher Kultur, Sprache und Landeskunde. Einige der kleineren Bildungseinrichtungen wurden aufgelöst, wie das 1961 in Achenmühle eröffnete Institut, das Ende der 1960er geschlossen wurde.

Erinnerungen an eine aufregende Zeit

Was nach der Schließung 1968 bleibt, sind außergewöhnliche Erinnerungen an eine aufregende Zeit. Karl (95) und Maria Kreidl (87), die Wirtsleute des gleichnamigen Gasthofs, erinnern sich genau an diese Zeit. Immerhin war ihre Wirtschaft Treffpunkt gewesen – beim Mittagessen, abendlichen Zusammenkünften und Musikveranstaltungen.

„Das waren ganz schöne, aber auch ganz anstrengende Zeiten“, erinnert sich Maria Kreidl. Denn sie hätten auch noch eine Landwirtschaft, und ins Gasthaus – ohne Ruhetag – kamen zudem viele weitere Gäste und Vereine zum Essen und Stammtisch.

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Gästebuch liefert spannenden Rückblick

Die sieben Jahre, in denen in Achenmühle und Höhenmoos Studenten aus aller Welt zu Gast waren, hat das Ehepaar in einem Gästebuch festgehalten. „Die Studenten waren immer mehrere Monate bei uns und in den Nachbardörfern untergebracht. Da entstanden natürlich viele freundschaftliche und persönliche Verbindungen.“

Das Gästebuch erinnert an ein internationales Briefmarken- und Münzalbum. Ein spanischer Eintrag hat folgenden Text: „Familie Kreidl, ich gehe fort, aber mein Herz bleibt hier. Herzlichen Dank. Und Motto von spanischer Heimat: ‚Iß, was gut ist, trink was klar ist und sprich, was wahr ist‘“.

Von Alaska bis Singapur

Um Deutsch zu lernen, kamen Leute aus aller Herren Länder der Welt, die Eintragungen mit zum Teil lieblichem Deutsch stammen von Alaska bis Singapur, aus allen Kontinenten der Welt und auch aus Ländern, in denen kein Schweinefleisch gegessen wird. „Pfannkuchen, Omelette und manchmal doch ein mehr oder weniger fettfreies Schweineres kamen auf den Tisch und ernteten viel Lob, wenn an den Abenden bis zu 100 junge Leute da waren“, so die Kreidls.

In einem Gästebuch verewigten sich die Studenten aus aller Welt, hier aus Lybien.

Klavierkonzerte und Thanksgiving-Feiern

Da sich die jungen Menschen nicht nur für Literatur und Sprache, sondern auch für Musik interessiert hätten, gab es immer wieder Musikabende. Eines davon sei im März 1964 mit dem Japaner Takayhi Yamazaki gewesen. Er habe im Saal des Gasthofes ein Klavierkonzert gegeben und schrieb zum Dank auf das dabei gemachte Foto: „Mein liebes Herr Karl und meine liebe Frau Maria zur freundlichen Erinnerung.“ Auch eine Extra-Feier gab es ein paarmal, als zum amerikanischen Thanksgiving-Feiertag alle Studenten zum fröhlichen Zusammenkommen eingeladen wurden.

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Freundschaften halten bis heute

„Die dabei entstandenen Freundschaften über weite Ländergrenzen hinweg haben bis heute Bestand.“ Denn auch nach über 50 Jahren bekäme das Ehepaar von damaligen Studenten überraschenden Besuch. Inzwischen seien einige selbst Professoren, die sich auf der Fahrt von München nach Salzburg an ihren Höhenmoos-Aufenthalt erinnern. „Sie freuen sich, dass es unsere Wirtschaft noch gibt. Außerdem haben wir noch mit einigen der ehemaligen Studenten telefonischen und schriftlichen Kontakt, ganz besonders nach Japan“, berichtet Maria Kreidl stolz.

Goethe-Institute in Bayern

In den Anfängen befasste sich das Goethe-Institut nur mit der Förderung der deutschen Sprache durch Dozenturen im In- und Ausland, die ab 1952/53 eröffnet wurden, und der Ausbildung ausländischer Deutschlehrer. Bis Ende der 1950er-Jahre richtete das Goethe-Institut rund 20 Auslandsinstitute und zwölf Inlandsinstitute ein, das erste davon in Bad Reichenhall (Mai 1953). In Bayern entstanden weitere Institute, in der Region unter anderem in Bad Aibling, Ebersberg, Prien und Achenmühle. Das Goethe-Institut in Achenmühle eröffnete 1961. Nach nur sieben Jahren, nämlich 1968, wurde die Bildungseinrichtung wieder geschlossen. Die Zentrale befindet sich in München. Die zwei Institute in der Landeshauptstadt sind heute die einzigen in Bayern.

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