Siegfried Stuhlmüller aus Riedering übt seltenes Handwerk aus, das auch in den USA gefragt ist

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Siegfried Stuhlmüller aus Riedering übt ein aussterbendes Handwerk aus: Er ist Hirschhornschnitze.
  • vonElisabeth Kirchner
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Der schmale Raum, die Werkbank mit Schwenklampe, die Schleifmaschine, die Schnitzmesser, die vielen kleinen Kisten an den Wänden – fast meint man, man sei beim Meister Eder. In der Werkstatt von Hirschhornschnitzer Siegfried Stuhlmüllers kommen Kindheitserinnerungen hoch.

Riedering – Bislang sei bei ihm noch kein Pumuckl oder ein anderer Kobold aufgetaucht sei, bedauert Siegfried Stuhlmüller mit einem Schmunzeln. Der Hirschhornschnitzer sieht mit seinen grau-melierten Haaren, dem Schnurrbart und dem Trachtenhut auf dem Kopf dem Schreinermeister Eder (Gustl Bayrhammer) auch noch ähnlich.

Konzentration, Feingefühl und gutes Licht braucht Siegfried Stuhlmüller bei der Arbeit

Aber eigentlich will er nicht verglichen werden. Stuhlmüller, der eher durch Zufall zum Hornschnitzer wurde, geht es ums Handwerk und die Handwerkskunst. „Schon als Kind habe ich gut und gern gezeichnet.“ Sein fotografisches Gedächtnis helfe ihm wohl auch, wenn es um die Motive der Schnitz-Kunstwerke geht.

Die Hochzeitsjoppe führte zur Leidenschaft

Aber von vorn: Für seine Hochzeitsjoppe suchte der gelernte Maschinenschlosser besondere Hornknöpfe, die er schließlich in einer kleinen Kellerwerkstatt in Bernau fand. Aber nicht nur Knöpfe fand er, sondern mehr noch, das Kunsthandwerk an sich interessierte ihn mehr und mehr, und schnell entstand aus einer Leidenschaft Berufung und Beruf.

Ein wenig Handwerkzeug und viel Liebe zum Detail

Dazu braucht es nicht viel: „Eine kleine Werkstatt, eine Laubsäge, Schnitzmesser, einige Abwurfstangen und viel Fantasie und Liebe zum Detail und zur Natur.“ Stuhlmüller sah sich auch bei Trophäenschauen in der ganzen Region um und fuhr des öfteren nach München ins Deutsche Jagd- und Fischereimuseum, um sich dort inspirieren zu lassen.

Kunstwerke von Knopf bis Wandbild

Zu Hause in seiner Werkstatt, direkt hinter seinem Wohnhaus, legt er dann los: Aus den kleinen, vier Zentimeter aufwärts großen Rohlingen entstehen dann die Kunstwerke, seien es Knöpfe für Lederhose und Janker, Hirschrosen am Stegträger von Trachtenlederhosen, Gürtelschließen, Messergriffe, Wandbilder, Edelweiße für den Hut oder Schnupftabakdosen. Unikate sind sie allesamt, denn jeder Träger will ein anderes Motiv, die Initialen auf den Messergriffen sind sowieso individuell.

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Wie das Rohmaterial. Aus den sogenannten Rosenstöcken wachsen aus der Stirn des Hirsches die Geweihstangen, die mit fortschreitendem Alter und je nach Art des Tiers Verzweigungen oder Verbreiterungen bilden können. Zur Verarbeitung werden ausschließlich abgeworfene Stangen genommen. Zudem unterscheidet sich das gewachsene Horn in Farbe und Struktur.

Rosenanhänger und Rosenkranz für die Damen

Doch nicht nur Männer können sich mit Hornschnitzereien schmücken, auch weibliche Kundschaft wird bei ihm fündig. Stuhlmüller fertigt nämlich auch Rosenkranz und Gebetbuch-Einschlag sowie Schmuck-Stücke. Die filigranen Accessoires hat er in einer kleinen Vitrine ausgestellt. DiePorzellan-Anhänger zieren eine fein gemalte Rose, sie werden in einer Rehbock-Rosette gefasst. Am Beispiel eines Anhängers erklärt er das Procedere: „Erst zeichne ich den Rand auf, dann schnitze ich ihn.“ Dass die Trägerin sich nicht am rauen Horn verletzt, versteht sich von selbst, so Stuhlmüller, schließlich entgräte er vor der eigentlichen Schnitzarbeit das Rosenstück. „So schmiegt sich das Schmuckstück an die Haut.“

Kunden aus Europa und Nordamerika kaufen in Riedering

Und die Arbeit geht nicht aus, verrät er weiter. Bis aus Kanada und USA kommen die Kunden, aus ganz Europa, vornehmlich aber dem Alpenraum, wird bestellt, aber da er öfter auf der internationalen Jagdmesse in Dortmund schaugeschnitzt habe und sogar im Fernsehen damit porträtiert wurde, sei seine Schnitzkunst mittlerweile auch im Norden bekannt und angesehen.

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Auf Märkten wie der Auer Dult und dem Münchner Christkindlmarkt sei er natürlich auch mit einem eigenen Stand präsent, und überhaupt habe er das ganze Jahr über Aufträge, erzählt Stuhlmüller weiter. „Es macht mir Freude.“

Noch sei kein Nachfolger in Sicht, erzählt der 65-Jährige. Und so wird er halt in seiner Meister-Eder-Werkstatt weiterarbeiten, „solange es Gesundheit und Sehkraft zulassen.“

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