"Hier habe ich einen richtigen Job"

Ludwig (links) und Christopher (rechts) an ihrem Arbeitsplatz bei der Firma Danto in Großkaro. Das Unternehmen, das 2002 gegründet wurde, hat 35 Mitarbeiter und ist ein Online-Versandhandel. Fotos ammelburger
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Ludwig (links) und Christopher (rechts) an ihrem Arbeitsplatz bei der Firma Danto in Großkaro. Das Unternehmen, das 2002 gegründet wurde, hat 35 Mitarbeiter und ist ein Online-Versandhandel. Fotos ammelburger

Für Christopher (30) und Ludwig (38) ist es wie ein "Sechser im Lotto": Beide jungen Männer mit Handicap haben den Sprung von den Wendelstein-Werkstätten in ein normales Berufsleben geschafft. "Hier gefällt es uns so gut. In die betreuten Werkstätten wollen wir nicht mehr zurück", sagen die beiden ganz entschieden im Gespäch mit den OVB-Heimatzeitungen. Seit zwölf beziehungsweise 30 Monaten sind sie in den regulären Arbeitsablauf der Firma Danto GmbH in Großkaro integriert. Und das mit gutem Erfolg, wie Inhaber Daniel Darga bestätigt.

Großkarolinenfeld/Landkreis - Begonnen hatte alles für Christopher mit einem Praktikum bei Danto.de. Er sollte für das Unternehmen - ein expandierender Online-Versandhandel mit einer Vielzahl an Produkten - die Objekte fotografieren und ins Internet stellen. Das tat er drei Monate lang mit einem solchen Engagement und einem solch glücklichen Händchen, dass am Ende des Praktikums sein Betreuer aus den Wendelstein-Werkstätten, Hans Irlbeck, und der Jungunternehmer Daniel Darga (35) überzeugt waren: Der kann es schaffen.

Und so wurde aus dem Praktikum ein fester Arbeitsplatz mit allem Drum und Dran: Pünktliches Erscheinen, Freundlichkeit, Durchhaltevermögen und angemessene Frustbewältigung. Nicht zu vergessen: eine ordentliche Bezahlung.

Der Lohn wird durch die Wendelstein-Werkstätten ausbezahlt, die inzwischen 45 sogenannte "Außenarbeitsplätze" in rund 20 Betrieben im gesamten Landkreis haben. Der Kooperationspartner überweist an die Werkstätten eine "Bereitstellungsgebühr", den Lohn, der wiederum an die Konten der Menschen mit Behinderung überwiesen wird.

"Wir sind sehr glücklich, Firmen in der Region gefunden zu haben, die unsere Idee von der Inclusion - die Integration von behinderten Menschen in die Gesellschaft - mittragen", erinnert sich Irlbeck an die Anfänge vor einigen Jahren. "So konnten wir laufen lernen", meint er. Natürlich müsse es unter dem Strich auch für den Unternehmer passen: Aufwand und Nutzen müssten in einem wirtschaftlichen Verhältnis stehen. Deshalb schränkt Irlbeck auch gleich ein: "Nicht für alle unsere Schützlinge ist ein solcher Außenarbeitplatz geeignet. Für etliche ist ein beschützter Raum wie etwa in unseren Werkstätten sicher sinnvoller. Aber einige haben das Zeug für den Sprung, der übrigens immer zunächst ins kalte Wasser ist", sagt er.

Voller Lob äußert sich auch der junge Unternehmer: "Die beiden haben sich gut integriert und schaffen ihr tägliches Pensum. Auch beim Arbeitstempo können sie mithalten." Natürlich habe es zunächst bei der Belegschaft eine gewisse Distanz gegenüber Christopher und Ludwig gegeben. Doch genau hier habe er seine Aufgabe als Unternehmer gesehen: "Ich habe bei der Begrüßung gerade nicht gesagt, dass alle doch bitte nett sein sollen und hin und wieder ein Auge zudrücken sollen. Nein! Ludwig und Christopher müssen ihre Aufgaben wie jeder andere im Unternehmen selbstverständlich erledigen." Gebe es ernsthafte Probleme, sei er jederzeit ansprechbar.

Eine unschätzbare Hilfe, ohne die es sicher nicht gehe, sei der Besuch der Betreuer, die in unregelmäßigen Abständen etwa einmal pro Woche vorbeischauen, betont Darga. Dann werde über den "Sand im Getriebe" gesprochen. Irlbeck: "Unsere Schützlinge müssen sich im Alltag bewähren. Hier bei ,Danto.de' ist nichts mehr beschützt. Würden wir immerzu auf Ausnahmeregelungen bestehen, würde die restliche Belegschaft meutern." Sicher gehe den beiden jungen Männern mit Handicap manches langsamer von der Hand, dafür brächten sie aber andere Vorzüge mit: "Sie sind freundlich, höflich und haben den festen Willen, ihre Aufgaben gut zu erledigen.

Engen Kontakt hält Irlbeck mit den Kooperations-Unternehmern: "Nur so werden wir möglichst schon im Vorfeld aufmerksam auf sich anbahnende Schwierigkeiten und können gegensteuern."

Gute Erfahrungen

Für Daniel Darga ist es eine Selbstverständlichkeit, Menschen mit Behinderung in seinem Unternehmen zu integrieren. Mit seinem Engagement will er auch andere Unternehmer überzeugen und mitreißen. "Wenn es passt, nehme ich gerne einen weiteren Mitarbeiter über die Wendelstein-Werkstätten auf." Schließlich habe er in seiner Firmenphilosophie die soziale Verantwortung als eines von vier Standbeinen. "Das soll keine Worthülse sein", sagt der 35-Jährige, der bereits während seines Medizinstudiums 2002 das Unternehmen gegründet hat. "Eines Tages werde ich sicher als Arzt arbeiten, am liebsten als Hausarzt. Ich glaube, das liegt mir."

Dass das aber noch in möglichst weiter Ferne liegt, hofft Ludwig (38): "Hier habe ich einen richtigen Job und fühle mich durch die abwechslungsreiche Arbeit täglich gefordert. In den Werkstätten ist es immer die gleiche Tätigkeit." Und fügt an: "Der Wille ist entscheidend." Er und Christopher seien froh, sich ganz regulär an der internen Ausschreibung beworben zu haben. "Es wurde uns nichts geschenkt. Wir haben uns gegen andere Bewerber durchgesetzt. Das gibt uns ein gutes Gefühl."

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