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Prozessbeginn in Traunstein

Mit Waffen und Drogen: Die kriminelle Karriere eines Rohrdorfers bei den Hells Angels

Nicht gerade Anwärter auf den Friedensnobelpreis: Mitglieder der Hells Angels. „Höllenengel“ aus der Region Rosenheim muss sich vor Gericht verantworten.
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Nicht gerade Anwärter auf den Friedensnobelpreis: Hells Angels. Ein „Höllenengel“ aus der Region Rosenheim muss sich vor Gericht verantworten.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Schnelle Karriere soll ein Rohrdorfer (29) bei den Hells Angels gemacht haben. Wegen Drogenhandels und Waffenbesitzes muss er sich ab Mittwoch (8. Juni) in Traunstein vor Gericht verantworten. Was der Prozess für die Rosenheimer Rockerszene bedeutet.

Rosenheim - Vom Anwärter zum Stellvertreter bei kriminellen Deals: Eine beachtliche Karriere soll ein Rohrdorfer bei den Rosenheimer Hells Angels gemacht haben. Der inzwischen 29-jährige Mann soll noch bis Ende 2021 „Prospect“ bei den Hells Angels gewesen sein, ein Anwärter also. Laut Anklageschrift verschaffte ihm die Zwangspause eines hochrangigen Rosenheimer „Höllenengels“ einen neuen Job innerhalb des Clubs: Nach der Inhaftierung des „Sergeant at Arms“ - des Sicherheitschefs der Rosenheimer Rocker-Gang - übernahm der Rohrdorfer dessen Drogengeschäfte. Der „Sergeant“ selbst bezeichnete den „Prospect“ als seine „Urlaubsvertretung“ - was man durchaus als Anerkennung bezeichnen darf.

Mann aus Rohrdorf kaufte hochwertigen Stoff

Die Drogen-Deals hatten es laut Traunsteiner Staatsanwaltschaft in sich. Bei mehreren Gelegenheiten traf sich der 29-jährige Rohrdorfer mit zwei Geschäftspartnern, die der Staatsanwalt als Großlieferanten bezeichnet. Vor einem Supermarkt in Taufkirchen gingen die kriminellen Geschäfte über die Bühne, Marihuana und Kokain wechselten für Tausende von Euro den Besitzer. Der Rohrdorfer soll die Drogen nicht nur zum Weiterverkauf, sondern auch für den eigenen Bedarf gekauft haben. Bei einer Gelegenheit kaufte er 150 Gramm Kokain von offenbar bester Qualität - die Ermittler unterstellen einen Wirkstoffgehalt von knapp 92 Prozent Kokainhydrochlorid.

Damit nicht genug, der Angeschuldigte muss sich auch noch wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten. Er soll eine für scharfe Munition umgebaute Schreckschusswaffe der Marke „Zoraki“ erworben haben. Ein Deal, der Parallelen zu einem Verbrechen in Großkarolinenfeld aufweist. Am Bahnhof in Großkarolinenfeld hatte im September 2020 ein 23-Jähriger aus nächster Nähe einen 20-Jährigen angeschossen und lebensgefährlich verletzt - ebenfalls mit einer „Zoraki“. Die 9-mm-Pistole von Großkarolinenfeld war so aufgebohrt und manipuliert worden, dass man mit ihr 7,65-mm-Projektile verschießen konnte - ebenso wie mit der Waffe, für die sich nun der Rohrdorfer verantworten muss. Bei der Schießerei in Großkarolinenfeld war übrigens ein Drogendeal entgleist. Der Schütze bekam sechseinhalb Jahre aufgebrummt.

+++ Alle Informationen und Artikel zu den „Hells Angels“ auf unserer Themenseite +++

„Hells Angels“: Die Behörden haben die Chef-Etage im Visier

Die Festnahme des 29-jährigen Rohrdorfers im Oktober vergangenen Jahres und der Prozess jetzt am Landgericht in Traunstein bedeutet einen weiteren Schlag der Ermittler gegen die „Hells Angels“ in Rosenheim. Noch vor dem „Sergeant at Arms“ waren dessen Vorgesetzte festgenommen und verurteilt worden. Der erste Präsident des Rosenheimer Charter war unter anderem wegen der Anklage, eine Frau zur Prostitution gezwungen zu haben, im Mai 2020 zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sein Nachfolger wurde im März dieses Jahres unter anderem wegen schwerer Zwangsprostitution und Zuhälterei in Frankfurt sogar zu zehn Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden.

Die Ermittler setzen auch sonst viel daran, dass die „Hells Angels“ in der Region Rosenheim keinen Fuß auf den Boden bekommen. Wiederholt waren Wohnungen und Geschäftsräume wie zum Beispiel Tattoo-Studios Ziel von Razzien. 2019 hatten die Rocker ihre „Charter“ genannte Ortsgruppe in der Gegend neu gegründet.

Ein Versuch, in Tuntenhausen ein Vereinslokal zu etablieren, scheiterte am Widerstand im Ort und auch am Verhandlungsgeschick von Bürgermeister Georg Weigl, der die Rocker von der mangelnden Eignung seines Ortes für eine Zentrale von harten Jungs überzeugen konnte. Die Polizei war in Tuntenhausen offensiv auf die Öffentlichkeit zugegangen und hatte vor den Rockern als Netzwerk der Organisierten Kriminalität gewarnt.

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