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Nach Zwischenfall in Schechen

Gerüchteküche brodelt: Gehören Kampfhunde einem „Hells Angel“?

Wem die Kampfhunde eigentlich gehören ist noch nicht ganz klar. (Symbolfoto)
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Wem die Kampfhunde eigentlich gehören ist noch nicht ganz klar. (Symbolfoto)
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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„Ricky“ hatte keine Chance, der Yorkshire-Terrier fiel zwei Kampfhunden zum Opfer. Über eine Woche nach dem Zwischenfall kursieren in Schechen Gerüchte. Gehören die Kampfhunde jemandem aus dem Umfeld der Hells Angels?

Schechen – Die Attacke der beiden Kampfhunde war so brutal wie schnell: Sekunden dauerte es, dann war „Ricky“ tot. Zerrissen von zwei Kampfhunden, die ein Vielfaches des winzigen, erst ein halbes Jahr alten Yorkshire-Terriers wogen. Verletzt wurde das junge Frauchen (18) von „Ricky“. Als sie versuchte, ihren kleinen Liebling aus der Todeszone zu hieven, verbiss sich ein Kampfhund in ihrem Arm. Die Wunde musste genäht werden. So schnell der Kampf auch vorüber war – das grausame Erlebnis dürfte lange nachwirken. Inklusive juristischem Nachspiel.

„Der kleine Kerl wollte nur sein Leben leben – und die beiden haben es ihm genommen.“ Der Vater der jungen Frau, die vergangene Woche ihren „Ricky“ verlor und selbst beträchtlich verletzt wurde, hat selber an der Attacke der Kampfhunde zu tragen. Seinen Namen will er nicht sagen. Wegen der Verbindungen zwischen der Kampfhund-Halterin zu den Hells Angels, über die man in Schechen hinter vorgehaltener Hand spricht.

Überforderte Hunde-Nanny?

Ein halbes Jahr, älter wurde er nicht: „Ricky“ hatte gegen zwei Kampfhunde keine Chance.

Was die Attacke auslöste, ist über eine Woche danach noch rätselhaft. Fest steht, dass die beiden Kampfhunde zusammen gar nicht hätten ausgeführt werden dürfen. Denn mit einem der beiden hatte es zuvor schon einen Zwischenfall gegeben. Offensichtlich war auch die Frau, die beide Kampfhunde an jenem Tag an der Leine ausführte, der Situation nicht gewachsen war. „Die weinte hinterher ja selber und sagte, dass es ihr so leid tue“, berichtet der Vater. Viel zu filigran sei sie gebaut gewesen, um die beiden Kraftpakete im Zaum zu halten. Auch die Hundehalterin selbst sieht die Schuld bei der Hunde-Nanny. Auf Facebook postete sie, dass die Betreuerin sich nicht an die Regeln gehalten habe. „Sie versagte in jedem Punkt.“

Auf Anweisung der Gemeinde hin wurden der Besitzerin die beiden Hunde entzogen. Sie kommen zu einem neuen Halter, hieß es seitens der Gemeindeverwaltung. Bürgermeister Stefan Adam widerspricht Vorwürfen, die Gemeinde habe damit zu lange gewartet. Ein schnelles Vorgehen gegen aggressive Hunde sei leichter gefordert denn getan. „Wir leben in einem Rechtsstaat“, sagte Adam, und das Recht auf Eigentum sei nun einmal eines der am besten geschützten Rechte.

Den Wesenstest hatten die Kampfhunde bestanden

Zwar hätten die Hunde der Frau zuvor schon für Ärger gesorgt. Doch dabei habe es sich erstens um typische Konflikte zwischen Hunden gehandelt, heißt es von Verwaltung und Polizei. Zudem seien davor andere Tiere auffällig gewesen, sagt Adam. Für die Hunde habe in jedem Fall ein Negativnachweis vorgelegen, wie er für Kampfhunde, so genannte Listenhunde der Kategorie 2, vorgeschrieben ist. Dafür ist ein Wesenstest Bedingung, in dem ein Gutachter das Verhalten des Tiers wie auch sein Zusammenspiel mit seinem Herrchen prüft. Offensichtlich aggressive Tiere fallen durchs Raster.

„Es sind eigentlich tolle Hunde“, sagt Hundelehrerin Anja Petrick von Petricks Hundeschule in Stephanskirchen auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen. . „Aber sie kommen oft halt auch an ungeeignete Halter.“ Zum Beispiel an Menschen, für die sie vor allem Statussymbole sind.

+++ Alle Informationen und Artikel zu den „Hells Angels“ auf unserer Themenseite +++

Wie in der rauen Welt der Motorrad-Gangs, die in der Region Rosenheim und speziell in Schechen immer wieder für Aufsehen sorgen? Erst vergangenes Jahr wurde ein hochrangiges Mitglied der Hells Angels aus Schechen unter anderem wegen Zwangsprostitution und Körperverletzung in Frankfurt zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er sei der eigentliche Besitzer der Hunde, heißt es in Schechen – was die Polizei weder bestätigt noch dementiert.

Hochzeit der „Hells Angels“ in Schechen

Schechen war zuvor bereits der Schauplatz einer großen Hells-Angels-Hochzeit gewesen. Bürgermeister Stefan Adam kann sich erinnern, wie die „Höllen-Engel“ in Schechen Einzug hielten, „ein Schrank neben dem andern, mit einem riesen Fuhrpark“.

Aber auch die Rocker dürfe man nicht über einen Kamm scheren. Die Hochzeit sei ein Erlebnis gewesen, aber kein furchteinflößendes. Wegen der Corona-Vorschriften seien damals nur zehn Gäste in einem Raum zugelassen gewesen, erinnert sich Adam. Irgendwann sei einer der Hünen auf ihn zugekommen und habe ihn fast schüchtern gefragt, ob ein elfter Mann, genauer der Fotograf ausnahmsweise ins Zimmer dürfe. „Es war gesittet“, sagt Adam.

Ließ sich die Gemeinde von der starken Präsenz der Hells Angels beeinflussen? Ganz und gar nicht, entgegnet Adam, man sei im Falle der entfesselten Kampfhunde strikt nach den Gesetzen vorgegangen.

Nun sind die Hunde weg, bei einem neuen Halter, wie es von Seiten der Gemeinde heißt. Die Besitzerin klagt dagegen, auch die Gemeinde hat die Anwälte eingeschaltet, ebenso wie die Herrchen von „Ricky“. Seine Tochter werde lange brauchen, um darüber hinwegzukommen, sagt der Vater. „Er war so lieb, ein richtiger Kuschelhund. Und er lernte so schnell.“ Er selber schlafe nicht gut, immer wieder wache er auf. Dann sehe er den zerfetzten Hund vor sich. Und frage sich, ob und was er gegen die entfesselte Naturgewalt der Kampfhunde hätte tun können.

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