Warum diese Oberaudorferin in der Corona-Krise einen Nachhilfe-Schüler in Wuhan unterrichtet

Kein einziges Malbrach die Internet-Verbindung von Elisabeth Hager mit ihrem Schützling in China ab. privat

Unterricht über Skype oder per Mail ist in Zeiten von Corona schon lange nichts Neues mehr. Aber dass Schüler und Nachhilfelehrer über zwei Kontinente hinweg wochenlang an einem Praktikumsbericht schreiben, kommt nicht alle Tage vor.

Oberaudorf – Nachhilfelehrerin Elisabeth Hager aus Oberaudorf berichtet über ihre Skype-Erlebnisse mit einem chinesischen Nachhilfeschüler: Yixin Wang. Der 20-Jährige ist FOS-Schüler des Institutes Schloss Brannenburg. Während der schulischen Corona-Pause ist er aber zu seinen Eltern nach Wuhan gereist. Laut Elisabeth Hager hielten es seine Eltern für vernünftiger, wenn Yixin während der Krise bei ihnen wäre.

Brannenburger Schüler stammt aus Wuhan

In China sei offiziell die Corona-Krise zu diesem Zeitpunkt schon am Abflachen gewesen, während sich in Deutschland der Virus erst so richtig verbreitet habe. Doch die große Entfernung habe Yixin nicht davon abgehalten, weiterhin Kontakt zu ihr zu halten, berichtet Hager.

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Kurz vor der staatlich verordneten Schulschließung hatte Yixin ein Praktikum bei der Diakonie in Bad Aibling gemacht. Darüber sollte er eine vorwissenschaftliche Arbeit als Praktikumsbericht zur Benotung abgeben. Unmittelbar nach der Quarantäne in China hat Yixin sich sofort per Whatsapp mit Hager in Verbindung gesetzt, um gemeinsam den Bericht zu verfassen.

Verbindung brach nicht einmal ab

Lachend schildert Hager am Telefon, wie sie erst einmal ein wichtiges Buch aus dem Brannenburger Schlossinternat für Yixin holen musste. Das hatte er nämlich dort vergessen. Für den Praktikumsbericht zum Thema Marketing habe sie sorgsam alle notwendigen Seiten eingescannt und  ihrem Nachhilfeschüler dann per E-Mail geschickt. Von da an glühten die Leitungen über Skype zwischen Wuhan und Oberaudorf. Das Erstaunliche dabei: „Kein einziges Mal brach die Verbindung ab“, sagt Hager. Und das, obwohl der 22-seitige Bericht mehrmals hin- und hergeschickt wurde. Habe sie hingegen mit anderen Schülern aus Bad Feilnbach, Brannenburg oder Samerberg via Skype gechattet, sei es häufig zu technischen Schwierigkeiten gekommen.

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Oft habe es auch Standbilder gegeben, schildert Hager. In diesem Fall musste eine andere Lösung her: Die Aufgaben an ihre ortsnahen Schüler versendet die 64-Jährige jetzt immer über Whatsapp. Umgekehrt müssen auch ihre Schüler auf diesem Wege zurückantworten. Anschließend werden die Korrekturen dann per Telefon durchgeführt. „Ein bisschen umständlich, aber machbar“, erklärt Hager.

Zeitverschiebung gemeistert

Umso überraschter sei sie gewesen, dass das Skypen mit Yixin so einwandfrei funktioniert habe. Auch das Problem mit der Zeitverschiebung – China ist Deutschland sechs Stunden voraus – konnte gut gelöst werden. Meist habe Hager ab zehn oder elf Uhr vormittags mit den Videokonferenzen begonnen. Dann sei es bei Yixin vier oder fünf Uhr nachmittags gewesen. Natürlich sei diese Art von Kommunikation eine Herausforderung, gibt Hager zu. Seite für Seite mussten sie gemeinsam über Skype durchackern.  Bei so einigen Satzstellungen musste sie Yixin behilflich sein oder das ein oder andere Beispiel auf ein Blatt Papier aufzeichnen. „Man muss viel mehr reden“, hat Hager festgestellt. Insgesamt hätten sie bestimmt an die 18 Stunden an dem Bericht gesessen. Aber, wie sich gezeigt habe: Es war möglich – trotz Zeitverschiebung und räumlicher Distanz.

Seit 2016 Schüler in Brannenburg

Yixin Wang ist seit 2016 im Institut Schloss Brannenburg untergebracht. Das Institut ist eine staatlich anerkannte private Realschule und private Fachoberschule mit Internat für Knaben und Mädchen. Deutschland habe eine entwickelte Wirtschaft und ein hohes Bildungsniveau, begründet der 20-Jährige seine Entscheidung, hier seinen Schulabschluss zu machen. Er interessiere sich sehr für die deutsche Automobilindustrie.

Ob es ihm in Deutschland denn gefalle? Ja, sagt er. Für unbestimmte Zeit bleibe er aber erst einmal in China bei seinen Eltern – und bis dahin wird der Nachhilfeunterricht in den Fächern Deutsch und BWR per Skype fortgesetzt.

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