FPP2-MASKEN

Hans Hanusch, Leiter der Kieferer Tafel, kritisiert Koordination der Masken-Ausgabe

An der Kieferer Tafel wurden vergangenen Donnerstag FFP2-Masken an Bedürftige ausgegeben.
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An der Kieferer Tafel wurden vergangenen Donnerstag FFP2-Masken an Bedürftige ausgegeben.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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  • Franz Hoffmann
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Rund 50 FPP2-Masken seien der Kieferer Tafel vom Landratsamt Rosenheim angeboten worden – selbst abzuholen in Bruckmühl. Tafelleiter Hans Hanusch ärgert das. Schließlich sei das hin und zurück eine Fahrstrecke von fast 100 Kilometern. Und: 50 Masken hätten nicht einmal annähernd für die Tafelklienten ausgereicht.

Kiefersfelden – „In der Öffentlichkeit wirkt das so, als hätten die Tafeln FFP2-Masken zum ,Saufuadern’“, sagt Hans Hanusch. Der Leiter der Kieferer Tafel bezieht sich dabei auf die Aussage von Ministerpräsident Markus Söder, der verkündete, dass der Freistaat Bayern 2,5 Millionen FPP2-Masken an Bedürftige verteilen will. Fünf Masken sollen Empfänger von Grundsicherung oder Obdachlose durch den Staat erhalten. Doch die Wahrheit: „Wir müssen selber schauen, dass wir uns die Masken organisieren“, sagt Hanusch.

50 Masken für 100 Bedürftige

Der Tafel-Leiter klingt am Telefon erregt. Die Koordination mit dem Landratsamt Rosenheim sei „mangelhaft“ verlaufen. „Wir sind vom Landratsamt nicht offiziell beauftragt worden, Masken auszugeben.“

Erst am Dienstag, 19. Januar, wurde ihm von der Behörde „sage und schreibe 50 Masken bei Selbstabholung in Bruckmühl“ angeboten. Dabei sei die Regelung, beim Einkaufen und im ÖPNV FFP2-Masken zu tragen, bereits einen Tag vorher, am 18. Januar, in Kraft getreten. Aber Hanusch ärgert etwas anderes viel mehr –  und zwar die weite Fahrstrecke nach Bruckmühl: „Das sind ja schon fast 100 Kilometer Fahrt von der dafür benötigten Zeit ganz zu schweigen.“ Außerdem, so der Leiter weiter, hätten die 50 Masken, die der Tafel in Aussicht gestellt wurden, bei Weitem nicht gereicht: „Wir haben zurzeit etwa 80 bis 100 Abholberechtigte in der Tafel. Soll ich die Masken da teilen?“

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Zum Glück habe sich Hanusch bereits im Vorfeld um einen ordentlichen Vorrat an FFP2-Masken gekümmert: „Wir sind in den Tafeln gut vernetzt, wir sind gut gerüstet.“ Über private Spenden und andere Tafeln im Landkreis hat der Leiter letzten Endes einen Vorrat von 1000 Masken zusammenbekommen. Bereits am Donnerstag, 14. Januar, wurden 600 Maske an Bedürftige verteilt. „Bei uns gab es die Masken rechtzeitig und schon vor Inkrafttreten der Verordnung“, sagt Hanusch. Die 50 angebotenen Masken vom Landratsamt? Die habe man gar nicht mehr in Anspruch genommen.

Was außerdem gefehlt hätte, seien Anweisungen vonseiten des Landratsamtes, wie und an wen die Masken ausgehändigt werden sollen. Denn, wie Hanusch sagt, sei das mit dem Begriff „Bedürftigkeit“ so eine Sache: „Offiziell sind ja Menschen bedürftig, die staatliche Hilfe in Anspruch nehmen. Durch dieses Raster fallen aber all diejenigen, die keine dieser Hilfen in Anspruch nehmen – zum Beispiel aus Scham oder Unwissenheit“. Und, wie er wisse, würde das in Kiefersfelden auf etwa ein Drittel der Tafelklienten – sprich 30 Personen –  zutreffen. Auch ihnen wurden die Schutzmasken ausgehändigt: „Wir kennen ja die armen Menschen.“

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Am Donnerstag, 21. Januar, wurden abermals Schutzmasken ausgehändigt. Und Hanusch, der die Ausgabe vor Ort koordiniert hatte, ist dankbar „für die gute und konstruktive Zusammenarbeit“ mit den anderen Tafeln in der Region. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter hätten dazu beigetragen, diese „außergewöhnliche Situation“ zu stemmen. Und dennoch möchte Hans Hanusch klarstellen: „Wir sind eigentlich keine offizielle Anlaufstelle für Masken.“ Nicht jeder könne jetzt kommen und sich Masken holen. In erster Linie möchte er die Kieferer Bedürftigen versorgt wissen.

Bürgermeister Hajo Gruber ist dankbar

Michael Fischer, Pressesprecher vom Landratsamt Rosenheim, teilte auf Nachfrage mit, dass es im Landkreis Rosenheim elf Tafeln gebe. Davon sei jede gefragt worden, ob Bedarf an FFP2-Masken bestehe: „Wir hatten 600 Masken und zwei von den elf Tafeln wollten keine“, so Fischer. Stets sei den Tafeln auch gesagt worden, dass sie sich melden sollten, wenn noch mehr Masken nötig seien. „Der Bedarf, der genannt wurde, wurde auch ausgeliefert.“

Dafür, dass die Kieferer Tafel sich so eingesetzt habe, „gute Schutzmasken“ für Bedürftige zu besorgen, möchte sich Hajo Grüber, Bürgermeister von Kiefersfelden, „ausdrücklich bedanken“. Da in Kiefersfelden die Infektionszahlen sehr hoch gewesen seien, findet er es wichtig, dass FPP2-Masken zum Einsatz kommen.

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