Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


MAßGESCHNEIDERTE THERAPIE SOLL ERFOLG BRINGEN

Hannes will leben: 22-Jähriger aus Kiefersfelden kämpft seit 19 Jahren um seine Gesundheit

Hannes Huber kämpft seit Kindesbeinen um seine Gesundheit. Das hinderte den lebensfrohen jungen Mann nicht daran, eine Ausbildung abzuschließen – als Kaufmann im Gesundheitswesen.
+
Hannes Huber kämpft seit Kindesbeinen um seine Gesundheit. Das hinderte den lebensfrohen jungen Mann nicht daran, eine Ausbildung abzuschließen – als Kaufmann im Gesundheitswesen.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
    schließen

Hannes‘ Geschichte als Roman – da träfe den Autor der Vorwurf der allzu blühenden Phantasie: So viele Tragödien erlebe kein Mensch. Und doch ist es so. Hannes Huber, 22 Jahre alt, kämpft seit 19 Jahren um seine Gesundheit und sein Leben.

Kiefersfelden – Immer, wenn es aufwärts zu gehen schien, kam ein Rückschlag. Zuletzt vor wenigen Wochen. Da wurden drei neue Tumore in seinem Gehirn gefunden. Ungewöhnliche Tumore. Ob eine Standardtherapie hilft, ist fraglich.

„Mein Bruder ist eine Kämpfernatur, der immer das Beste aus seiner Situation macht. Aber diese letzte Nachricht, die hat ihn erstmal aus der Bahn geworfen“, sagt seine ältere Schwester Lisa.

Maßgeschneiderte Therapie nach der Gewebeanalsye

Derzeit wird eine molekular-pathologische Gewebeanalyse der neuen Tumore erstellt und erst danach kann die weitere Therapie geplant werden. Denn nicht jeder Tumor, das weiß die Familie mittlerweile, reagiert auf die gleiche Behandlung.

„Hannes benötigt für seine Genesung spezielle Untersuchungen, Therapien, Medikationen und weitere Hilfsmittel, die von der gesetzlichen Krankenkasse leider nicht übernommen werden“, so Lisa Huber.

Nur wenige wussten, wie es Hannes wirklich geht

Da hätte ihr Bruder fast aufgegeben, sagt sie und schluckt hörbar. Dann aber habe er sich von seinen Geschwistern überreden lassen, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, auf Hilfe hoffend. Denn bisher hatte Hannes seine Situation nie an die große Glocke gehängt, das wollte er nicht. „Im Ort wussten bisher nur wenige Menschen, wie es Hannes wirklich geht“, sagt Lisa.

Die Krankheitsgeschichte beginnt mit drei Jahren

Hannes war drei Jahre alt, als seine Eltern bemerkten, dass er öfter kurzzeitig bewusstlos wurde. Ein Facharzt stellte fest, dass Hannes einen Gehirntumor hat, der epileptische Anfälle auslöste. Der Tumor liegt so, dass man ihn nicht komplett entfernen kann.

Sein Gesundheitszustand wurde schlechter, er konnte nicht mehr sprechen, nicht essen und hatte vermehrt Anfälle. Seine Lebensfreude verlor er nie, wie seine Schwester erzählt. Mit neun Jahren wurde Hannes notoperiert. Vom Tumor wurde so viel entfernt, wie irgend möglich war.

Schlaganfall bei OP mit 15 Jahren

Mit 15 Jahren musste Hannes erneut dringend operiert werden: Der Tumor war in voller Größe zurück. Während der Operation erlitt Hannes einen schweren Schlaganfall. Er wachte auf, konnte nicht mehr sprechen, seine rechte Körperseite war gelähmt, und er kannte niemanden mehr, selbst seine Familie nicht. Dabei waren die vier Geschwister und die Eltern eine verschworene Gemeinschaft.

Lesen Sie auch: Krebs besiegt: Manuela Schwesig zeigt sich an den Haaren total verändert

Hannes übte in der Reha, mit seiner körperlichen Einschränkung umzugehen. Mit viel Geduld lernte er wieder zu sprechen, rechnen, lesen und schreiben. Die Erinnerung an seine Familie kam zurück, „die an seine vielen Freunde leider nicht“, sagt Lisa Huber.

Lehrer sammelten für liebenswerten Schüler

Noch während der Reha stellte sich heraus, dass der Tumor wieder wuchs. Nach Wochen der Strahlentherapie aber war er nicht mehr zu sehen. Hannes arbeitete an der Verbesserung seiner Sprache und der Halbseitenlähmung, „wegbekommen hat er sie nicht. Aber Hannes kann damit umgehen“, sagt seine Schwester.

In der Zeit schaffte Hannes, unterstützt von einem Schulbegleiter, auch den Quali. „Hannes ist ein sehr liebenswerter Mensch. Und er wollte nie eine Sonderbehandlung“, erinnert sich Schulleiterin Isolde Raabe. Als an der Kieferer Schule, die Hannes bis zum Quali besuchte, bekannt wurde, dass die Familie für die weitere Therapie finanzielle Unterstützung braucht, legten die Lehrer zusammen. „Wir haben ja alles miterlebt und da war es uns ein Bedürfnis, uns solidarisch zu zeigen. Denn wir alle haben Hannes in sehr guter Erinnerung“, so die Schulleiterin.

Ausbildung als Kaufmann im Gesundheitswesen

2016 begann Hannes seine Ausbildung als Kaufmann im Gesundheitswesen in einer Klinik. Immer begleitet von speziellen Untersuchungen. Die nicht verhindern konnten, dass Hannes im September 2018 eine Hirnblutung hatte. Ursache unbekannt. Dennoch bestand er 2020 erfolgreich seine Abschlussprüfung zum Kaufmann im Gesundheitswesen mit mittlerer Reife.

Lesen Sie auch: Mutmacher in Schnaitsee: „Der Kampf um die richtige Diagnose lohnt sich“

Bei einer regelmäßigen Kontrolluntersuchung im September 2020 wurden ein neuer Tumor im Gehirn und zwei weitere Tumore in der Wirbelsäule festgestellt. Hannes wurde am 8. Oktober 2020 mit 21 Jahren zum dritten Mal am Gehirn operiert. Wieder konnte nicht der gesamte Tumor entnommen werden. Eine spezielle Bestrahlungstherapie folgte.

Hiobsbotschaft im Januar: Hannes hat drei neue Tumore

Mitte Januar 2021 fand eine Verlaufskontrolle mit MRT statt, mit dem Ergebnis, dass Hannes einen neuen größeren Tumor und zwei weitere kleine Tumore im Gehirn hat.

Derzeit ist Hannes daheim. Die Spezialbestrahlung hat stattgefunden, aber er hat Schmerzen, wegen der Tumore. Er wartet auf das Ergebnis der laufenden Gewebeanalyse. Und auf den Therapieplan. Sein Kampfgeist regt sich wieder, seit er Unterstützung erfährt, von Vereinen aus seinem Heimatort wie von vielen Privatpersonen, die über Crowdfunding bisher schon 32.000 Euro dazu beisteuerten, dass er diese Therapien dann auch nutzen kann. Um endlich, endlich den Krebs zu besiegen.

Mehr zum Thema

Kommentare