Es grünt und blüht seit 100 Jahren: Die Söchtenauer Gartler verschönern ihr Dorf

Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurden Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurden von Gertraud Polz (hinten) und Martin Winkler (ganz rechts) Renate Schmidmayer, Maria Siebert und Willi Huber (von links) geehrt. Nicht anwesend war der ebenfalls geehrte Heinz Pflaum.

7887 – oder ein paar mehr – Obstbäume, da beschlossen die Gründungsmitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Söchtenau doch sofort, eine Obstweinkelterei einzurichten. Das war vor 100 Jahren. Heute steht der Garten als Lebens- und Nahrungsraum für Mensch, Tier und Pflanze im Mittelpunkt.

Von Elisabeth Kirchner

Söchtenau – Zur Gartensaison 1920 war es so weit: In Söchtenau entstand ein Obst- und Gartenbauverein – nachzulesen auch im Oberbayerischen Volksblatt vom 2. März 1920. Die heutige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Söchtenau, Gertraud Polz, zitierte bei der Jahresversammlung, dass „am Sonntag, 29.2.1920, … dem Obstbauverein 36 Obstzüchter als Mitglieder“ beitraten. Laut einer Statistik des oberbayrischen Kreis-Obstbauverbandes von 1900 gab es in Söchtenau 7887 Obstbäume, davon 3100 Apfel-, 1597 Kirsch-, 2400 Zwetschgen und 790 Kirschbäume.

Die Gründungsmitglieder beschlossen, eine Obstweinkelterei einzurichten und diese mit einem Grundfond von 2000 Mark der anwesenden Mitglieder auszustatten.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Diese Obstweinkelterei gibt es schon lange nicht mehr. Eine Obstpresse schon, aber die betreibt nicht der OGV, sondern die Gemeinde.

Honig fast so wichtig wie Obst und Gemüse

Auch Honig war für die damaligen Selbstversorger ein wichtiges Produkt: Von 160 Bienenvölkern (1873) erhöhte sich die Zahl auf 203 (1900) und noch mal sieben Jahre später auf 220. Bei der Johann Christian Kloepfer’schen Stiftung (zur Förderung des Obstbaus und der Bienenzucht, Anm. der Red.) war Söchtenau ebenfalls Mitglied. Die Stiftung, die sich am 19. Oktober 1916 in Rosenheim mit einem Stiftungsvermögen von 12 000 Mark gründete, wurde im März 1957 aufgelöst.

1948 ging es mit Schwung weiter

Der OGV Söchtenau trotzte den Wirren des Zweiten Weltkriegs und war ab 1948 wieder als Verein zugelassen. „Sofort wurden einige Arbeitsgeräte gekauft, die sich die Mitglieder ausleihen konnten“, erzählte Gertrud Polz. Eine Obstbaumspritze wurde gekauft, ebenso konnten die Mitglieder „vergünstigt Spritz- und Düngemittel beziehen.“ Und so habe sich, so Gertraud Polz weiter, das Aufgabenfeld des Vereins im Laufe der Jahre verändert und erweitert: „Der Garten als Lebens- und Nahrungsraum für Mensch, Tier und Pflanze wird in den Mittelpunkt gestellt. ... erlebnisreiche Gärten, Obstbäume und Blumen sind eine Bereicherung der Dörfer“.

Heute viel weniger Obstbäume als vor 100 Jahren

Der Bestand an Obstbäumen sei im Vergleich zu vor 100 Jahren heute viel niedriger, gab Polz abschließend zu bedenken. 2014 habe man 27 landwirtschaftliche Betriebe gezählt, die 642 Obstbäume und 55 Spindelbäume kultivierten. Grund zur Werbung für den eigenen Garten: Das Garteln fördere die Lebensfreude.

Spaziergang durch das Gartenjahr

Da passten Sabine und Thomas Pummerer mit ihrem musikalischen Spaziergang durch Gartenjahr genau ins Bild: Mit Gstanzln und Volksliedern sangen sie, mit Gitarre und/oder Tuba begleitet, von den Freuden des Gartelns. „Im Märzen der Gärtner den Spaten er schwingt“ war da beispielsweise eine muntere Abwandlung des Volkslieds „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…“, und spätestens beim Schneckenblues wurde klar: „Der Salat gehört mir und dir das Bier….“ Und mit Bauernregeln – „Benedikt (am 23. März) macht Zwiebeln dick“ und dem Klassiker „Herr von Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane (1819-1898) machten die beiden Gärtner Lust auf einen blühenden und Früchte tragenden Garten.

Ganz im Sinne des OGV Söchtenau, dem der Präsident des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege, Wolfram Vaitl, als Grußwort für die Festschrift geschrieben hatte: „Beim Gärtnern lernt man Dankbarkeit und das Staunen über die Zusammenhänge der Schöpfung während aller Jahreszeiten… (auf) weiterhin ein segensreiches gemeinsames Wirken für uns und unsre Heimat…“

320 Mitglieder garteln im Verein

Mit über 320 Mitgliedern ist der OGV einer der mitgliederstärksten Vereine im Ort. Und ein sehr aktiver: Ansäen von Blumenwiesen, bepflanzen von Verkehrsinseln, Lehr-Ausflüge zu Gärten in der Region oder nach Südtirol, Gärtnern mit Kindern und Jugendlichen, Erntedankfest oder der über die Region hinaus bekannte Obst- und Bauernmarkt, seien es Schnittkurse oder Blumenschmuckwettbewerbe: „Bei uns ist immer was los“, so Schriftführerin Barbara Stiel im Jahresrückblick.

Einer der wichtigsten Vereine im Ort

Bernhard Summerer, zweiter Bürgermeister Söchtenaus, bezeichnete den OGV als einen der wichtigsten Vereine im Ort, den „die Mensch- und Naturverbundenheit“ auszeichne.

Gertraud Polz stellte anschließend das Jahresprogramm vor. Auch wenn der Jahresausflug an den Lago Maggiore angesichts der Corona-Krise in den Sternen stehe, so Polz, gebe es hier vor Ort genügend zu tun und Inspirationen zu sammeln. Seien es die Kinderaktionen, sei es die Blühwiesen-Exkursion nach Stephanskirchen, der Tag der offenen Gartentür im Landkreis oder der Obst- und Bauernmarkt Mitte Oktober.

Der Vorstand im Jubiläumsjahr

Bis auf drei neue Beisitzer – für Bernhard Huber und Leonhard Gilg kommen nun Susanne Polz, Elisabet Leeb und Heinz Kinna dazu – bleibt alles beim Alten: Gertraud Polz wurde als erste Vorsitzende wiedergewählt, ebenso Martin Winkler als zweiter Vorsitzender, Hannes Weingärtner als Kassier und Barbara Stiel als Schriftführerin. Beisitzer bleiben Irmgard Martin und Sonja Eperania.

Kommentare