LESERFORUM

Grünes Kapital von Oberaudorf nicht versilbern

Zum Bericht „Was soll „Am Heimfeld“ entstehen?

im Lokalteil:

Das vom Umfang ansehnliche Areal des abgerissenen Schwimmbads Oberaudorf sollte dem damaligen Zweck Erholung und Bewegung wieder zugeführt werden. Die hohen alten Bäume sind in den zunehmend heißen Sommern exzellente Schattenspender, ein paar Wege ließen sich einrichten und Bänke aufstellen. Die Ausblicke über das umliegende freie Feld auf die Bergwelt rundum sind ein Juwel.

Verloren hat Oberaudorf seinen Minigolfplatz wegen eines monströsen Immobilienprojekts, vielleicht wäre das „Heimfeld“ der richtige Platz neben einem Parkplatz, der nach der erwartbaren finalen Ruin durch die Lasten seines Gebrauchs als Bauplatz mitten im Wohngebiet bestimmt einen neuen Belag bekommt. Ich schlage das auch vor, weil ich als regelmäßiger Besucher meiner Mutter die Perspektive eines Gastes noch partiell im Blick habe. Das Ortsbild Oberaudorfs hat schwer gelitten im Vergleich zur Zeit schon vor zehn und erst recht vor 20 Jahren. Die Siedlungsgebiete mit höchst traditionsferner Baumarktästhetik, die in Brandenburg, NRW oder Schleswig-Holstein genauso stehen könnten, waren für Oberaudorf kein Gewinn, anscheinend nicht mal für die Ortsfinanzen, die die Pandemie nun dem Exitus entgegenführt. Der Verführung, Grund zu versilbern und damit das grüne Kapital zu verschleudern, sollte die Gemeinde nicht erliegen, zumal mich die offenen Bauflächen im Ort, auf denen anscheinend nichts geschieht, und die Baukräne im Umkreis inzwischen schon an die Hochzeiten der Bebauung des Potsdamer Platzes erinnern. Hätte ich nicht meine Mutter am Ort, ich fände leicht schönere Orte, die dem Oberaudorf von vor zehn Jahren mehr ähnelten, als es sich heute noch selbst ähnelt.

Dr. Kai-Uwe Merz

Berlin

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