Großkarolinenfeld und Bad Aibling wollen Volksfeste "to go" – und mit Biergarten

Lange Schlangen beim ersten "Volksfest zum Midnehma" in Gmund. 
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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  • Eva Lagler
    Eva Lagler
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Frühlingsfest in Großkarolinenfeld. Das ist klein, kuschelig, vor allem für die Einheimischen – und 2020 abgesagt. Stattdessen gibt es ein Volksfest zum Mitnehmen. Nicht das Fest, nein – aber die Schmankerl. Verkaufsstand statt Bierzelt. In Bad Aibling plant man, sogar noch einen Schritt weiter zu gehen! 

Update 7. Mai

„Volksfest zum Midnehma“ in Großkarolinenfeld soll Tische bekommen 

Großkarolinenfeld – „Ich sitze gerade am Änderungsantrag“, lacht Christian Fahrenschon, als ihn die Redaktion am frühen Mittwochachmittag ans Telefon bekommt. Denn nach den jüngsten Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen durch die Staatsregierung möchte Fahrenschon sein „Volksfest zum Mitnehmen“ in Großkarolinenfeld ab 18. Mai gerne um einige Tische ergänzen. „Nur für die, die ihr Hendl nicht mit nach Hause nehmen wollen.“ 

Konkurrenz zur einheimischen Gastronomie will er nicht, bewirten wird Fahrenschon die Tische auch nicht. „Und finanziell bringt‘s mir vermutlich Dank benötigter Gaststättengenehmigung und Toilettenwagen auch nicht viel“, aber seine Familie habe ihn überredet, die Tische als Service für die Großkarolinenfelder anzubieten. 

Nachdem auch die Spielplätze wieder öffnen dürfen, versucht auch Bruder Max Fahrenschon, mit entsprechendem Hygienekonzept sein Kinderkarussell genehmigt zu bekommen. „Da passiert sicher nicht mehr, als auf den nicht ständig gereinigten Spielgeräten am Spielplatz“, ist Christian Fahrenschon sicher. Um noch ein wenig mehr Volksfestflair zu schaffen, hat sich Fahrenschon noch etwas einfallen lassen: Wer sein Essen bezahlt, bekommt einen Livestream-Link. Zu einer Stubenmusi. „Dann kann man dahoam beim Hendl und dem Steckerlfisch die passende Musik im Internet anmachen“, lacht Fahrenschon.

Update 6. Mai 

Biergarten statt Bierzelt beim Pfingstvolksfest Bad Aibling

Bad Aibling – Wird es in Bad Aibling heuer doch einen Hauch von Pfingstvolksfeststimmung geben? Nach den von Ministerpräsident Markus Söder angekündigten Lockerungsmaßnahmen in der Gastronomie hofft Festwirt Christian Fahrenschon, seine ins Auge gefasste „abgespeckte Volksfestform“ doch noch durchführen zu können. 

Während er statt des Frühlingsfestes in Großkarolinenfeld vom 15. bis 24. Mai Verkaufsstände plant, an denen auf dem Frühlingsfestgelände die klassischen Festzeltschmankerl wie Hendl, Steckerlfisch, Kässpatzen und Fischsemmel verkauft werden können, hofft er darauf, dass er zwei Wochen später am Pfingstwochenende auf dem Aiblinger Volksfestplatz zudem auch einige Bierbänke aufstellen und kleine Musikgruppen auftreten lassen kann. „Ein schöner gemütlicher Biergarten und kleine Karussells“, schweben ihm vor. „Das alles muss natürlich eng mit dem Bürgermeister, dem Ordnungsamt, dem Gesundheitsamt und anderen Verantwortlichen abgestimmt werden, in welchem Maße und unter welchen Bedingungen das möglich ist“, so Fahrenschon. „Wir werden dann sehr kurzfristig reagieren und schauen, wie wir alles umsetzen können.“ 

Seniorentag in Corona-Zeiten: In Gmund holten sich die Senioren ihr Hendl ab, hielten dabei entsprechend Abstand.

"Hatte Tränen in den Augen"

Da ja nun auch in Aussicht gestellt ist, dass die Außengastronomie und somit auch Biergärten bereits ab 18. Mai bis 20 Uhr geöffnet haben dürfen, sowie Speiselokale ab 25. Mai bis 22 Uhr, blickt er zuversichtlich auf die Woche vom 29. Mai bis 7. Juni, in der ursprünglich das Volksfest stattfinden sollte. Derweil läuft in Gmund gerade der Testlauf für Großkarolinenfeld mit dem „Volksfest zum Midnehma“. Es läuft gut, sagt Fahrenschon: „Ich bin selber überrascht. Am ersten Tag hatte ich Tränen in den Augen, so gut nehmen die Leute uns an.“ 

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05. Mai: 

„Volksfest zum Midnehma“

Großkarolinenfeld – „Wir bereiten uns auf vieles vor, aber nicht in Richtung Volksfest.“ Das sagte Christian Fahrenschon vor vier Wochen gegenüber der Heimatzeitung zum Volksfest in Großkarolinenfeld, das erste Volksfest im Landkreis. Dieses Jahr vom 15. bis 24. Mai. Da war noch offen, ob das Fest stattfinden kann. Heute ist klar: Es gibt ein Volksfest „zum Mitnehmen“. Die Vorschriften lassen nichts anderes zu, bedauert Fahrenschon.

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Die Vorschriften änderten sich zwar täglich, so Bürgermeister Bernd Fessler, aber aktuell sei ein Frühlingsfest nicht möglich. Als Fahrenschon den Antrag stellte, habe er wegen der einheimischen Gastronomie gezögert, sagt Fessler, dann aber den Antrag an den Gemeinderat weitergegeben, denn die Erfahrungen mit Fahrenschons seien immer gut gewesen. Fahrenschons Antrag fand im Rat auch eine große Mehrheit.

Hendl und Zuckerwatte 2020 nur „to go“

Ladenschlusszeiten und Marktrecht lassen es zu, dass Fahrenschon und einige weitere Verkaufsstände ab 15. Mai auf dem Frühlingsfestgelände die klassischen Festzeltschmankerl wie Hendl, Steckerlfisch, Kässpatzen und Fischsemmel verkaufen, „dann haben d‘Leit wenigstens Volksfestgeschmack im Mund“, so Fessler.“

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Alles, was verkauft wird, muss mitgenommen werden – Fahrenschons freuen sich über jeden, der Mehrweggeschirr mitbringt – denn nicht einmal Stehtische sind erlaubt. Am Kinderkarussell sind sie noch dran.

Testlauf am Tegernsee

Derzeit läuft in Gmund der Testlauf für Großkarolinenfeld. „Sehr gut, ich bin selber überrascht“, sagt Fahrenschon. „Am ersten Tag hatte ich Tränen in den Augen, so gut nehmen die Leute uns an.“ Da hätten seine Kinder wirklich eine gute Idee gehabt, sagt der stolze Vater.

Seniorentag mit Hendl auf d‘Hand

Gleich am ersten Tag sei die Seniorenbeauftragte der Gemeinde Gmund gekommen, habe mit ihm überlegt, wie der Seniorentag zu retten sei. Geeinigt haben sie sich auf einen Hol- und Bringservice. Mit Anmeldung, damit genug Hendl auf dem Grill stecken. „300 Senioren kamen und holten sich ihr Hendl – zum Seniorentag kommen sonst ungefähr 150“, so Fahrenschon begeistert. „Die haben sich richtig gefreut, dass sie rauskommen – und haben ganz super Abstand gehalten.“

Fahrgeschäfte in Existenz bedroht

Christian Fahrenschon ist dankbar, dass das Angebot in Gmund so gut angenommen wird. Die Stände, die Lebensmittel verkaufen, von der gebrannten Mandel und der Zuckerwatte bis zur Currywurst, die litten zwar auch, er selber mache derzeit Kleingastronomie statt Großgastronomie, aber sie könnten damit etwas kompensieren, so Fahrenschon. Schlimm treffe es alle Schausteller mit Fahrgeschäften. Denn denen breche ein ganzes Jahr weg – existenzgefährdend.

Keine Extrawurst für Freizeitparks

Wenn jetzt die ersten Freizeitparks unter Auflagen wieder aufmachen dürften, sei nicht einzusehen, warum die Fahrgeschäfte es nicht auch dürften. Natürlich müssten sämtliche Hygieneregeln und anderen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, „aber was Freizeitparks können, können Schausteller schon lange.“

Hoffnung auf Fingerspitzengefühl

Er hofft auf Fingerspitzengefühl bei den Behörden, hat deswegen auch das Pfingstfest in Bad Aibling noch nicht aufgegeben. Und vielleicht änderten sich ja bis dahin auch weitere Vorschriften. „Die ändern sich im Moment stündlich“, stimmt Fessler zu. „Ich schließe nicht aus, dass sich kurzfristig noch Änderungen ergeben“, so der Bürgermeister. Der neue Gemeinderat tagt drei Tage, bevor das „Volksfest zum Midnehma“ in Großkarolinenfeld beginnt.

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