Großkarolinenfeld: Studie zu Brenner-Nordzulauf führt zu Zwist im Wahlkampffinale

Die Bahnstrecke Richtung München führt derzeit mitten durchs Gemeindegebiet. Heinz
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Die Tatsache, dass Bürgermeister Bernd Fessler aktuelle Planungen der Vieregg-Rössler-Studie zum Brenner-Nordzulauf samt ihren Auswirkungen auf den Ort kürzlich öffentlich machte, führt jetzt zu einem Konflikt mit seinem Herausforderer bei der Kommunalwahl, Sepp Lausch.

Großkarolinenfeld – „Ablenkungsmanöver, taktische Spielerei, Nebelkerzen“ empört sich Lausch. „Aufklärung, Information, Meinungsbildung“, kontert Fessler. Die Studie sei nichts weiter als „eine Skizze, eine Ideensammlung“ eines „unbedeutenden Planungsbüros“. Fessler und die CSU, die die Planung einer Neubautrasse befürworteten, entwickelten daraus ein Katastrophenszenario, so Lausch, „gerade noch, dass nicht behauptet wird, dass schon 2021 die Bagger anrollen werden, um den Bahnhof abzureißen und die Strecke nach der ‚berüchtigten‘ Studie zu bauen!“

Fessler begründet seine Reaktion mit seinem Ärger über mangelnde Information der Bürger. Die Großkarolinenfelder Fraktionen von CSU, PLW, SPD und den Grünen sähen dies ebenso. Die Studie zur Ertüchtigung der Bestandsgleise beinhalte nicht nur Lärmschutz, sondern auch neue Trassen. „Die Großkarolinenfelder, die für die Ertüchtigung der Bestandsgleise demonstriert haben, hatten diese Informationen nicht“, sagt Fessler.

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Dass es „seit Dezember 2019 auch von der Bahn eine offizielle Planung gibt, den Ort Großkaro mit einer neuen Trasse zu umfahren, wird von den Verantwortlichen unter den Tisch fallen gelassen“, hält Lausch dagegen. Fessler unterstütze wohlwollend die Planung einer Neubautrasse.

Dies zeige auch sein Abstimmungsverhalten in der Gemeinderatssitzung vom 16. Januar 2020, bei der er und die Mehrheit der CSU gegen den Antrag stimmten, der lautete, dass alle fünf Grobtrassen abzulehnen seien. Fessler wehrt sich gegen die Unterstellung, er habe mit der CSU in dieser Sache eine eigene Einstellung. Er fühle sich gleichermaßen der CSU, PLW, der SPD und den Grünen, „vor allem aber unseren Bürgern verbunden.“

Die Bürgermeisterporträts der beiden Kandidaten:

Die Zuständigkeit für die Planung liege eindeutig beim Bund, der die Bahn beauftrage. Deswegen sei es deplatziert, die Kommunalwahlen als Schicksalswahlen in Bezug auf den Brennernordzulauf zu bezeichnen. Die Gemeinde arbeite lautBeschluss des Gemeinderates in Gemeinde- wie Regionalforum kritisch und konstruktiv mit, nicht wohlwollend. Es gehe darum, die verträglichste Planung zu erreichen. „Einer Planung ohne größtmögliche Schonung unserer Gemeinde oder/und dem Bau einer dieser DB-Trassen ohne Nachweis des Bedarfes würde ich alle juristische Mittel entgegensetzen.“

Lausch steht nach eigener Aussage gemeinsam mit den Gemeinderatskandidaten der Freien Wähler/GBV weiterhin zu der Meinung, dass die Bestandsstrecke nach einer Modernisierung mit maximalen Lärmschutz und digitaler Regeltechnik noch für Jahrzehnte gute Dienste leisten werde, ohne das Einschränkungen beim Schienennahverkehr zu befürchten seien. Fessler hingegen ist der Auffassung, dass die Vieregg-Rössler-Studie den Nahverkehr komplett vernachlässige. Die Fortführung der Planung – nicht einer Baumaßnahme – halte er auch in Bezug auf die Bedeutung des Nahverkehrs angesichts möglicher Veränderungen auf den Bestandsgleisen für erforderlich.

+++ Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März, das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Großkarolinenfeld. +++

Lausch sieht Fesslers Aktivitäten als Versuch, „einen Spaltkeil in die Bevölkerung und die Bürgerinitiativen zu bringen. Dieses Vorgehen, nur um ein gutes Wahlergebnis zu erzielen, könnte man durchaus als bedenklich bezeichnen“. Fessler dazu trocken: „Ich glaube, die große Mehrheit unserer Bürger, die an der Besichtigung teilgenommen hat, war froh über diese Info.“

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