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Großkarolinenfeld: Bahntrasse gewaltiger Eingriff in Lebenswelt

Jürgen Benitz-Wildenburg sprach sich im Namen der Großkaroliner Bürgerinitiative klar für eine Modernisierung der bestehenden Trasse aus. kirchgraber

Infomarkt zum Nordzulauf in Großkarolinenfeld: Als gewaltigen Eingriff in die Lebenswelt bezeichneten viele Bürger die vorgestellten Trassenplanungen. Sie fordern besonders einen optimalen Lärmschutz.

Großkarolinenfeld – Nun standen sie sich also in Großkarolinenfeld gegenüber: Petitionen für den Ausbau vorhandener Trassen gegen „Reduzierte Grobtrassen“, Angst um Mensch und Natur gegen anstehende „Vertiefte Grobtrassenplanung“, Sorge um Lärm gegen das Versprechen effizienter Lärmschutzmaßnahmen. Die Bundesbahn hatte zu einem Informations-Nachmittag geladen, viele Bürger kamen, und die Bahn unterstrich ihr Bemühen um Transparenz mit Großgrafiken und einem sachkundigen Beratungspersonal. Die Stimmung im Saal: gespannte aber sachliche Aufmerksamkeit.

Natürlich weiß die Bahn um die anstehende Problematik einer künftigen Trassenführung durch das Gebiet in und um Großkarolinenfeld und hat seinen Informations-Nachmittag gut vorbereitet. Die Bürger nahmen das Angebot zu umfassenden Vorinformationen gerne an, wenngleich klar war, das noch rein gar nichts entschieden ist über den künftigen Trassenverlauf.

Viele Bürger nutzten den Infomarkt der Bahn zur lebhaften Diskussion mit den Bahnvertretern. Diese verdeutlichten, dass es sich um Grobtrassenplanungen handle, nicht um Präferenzen.

Enorme Baumaßnahmen

Die Berater, die bereitwillig Auskunft gaben und sich so gut es ging jeder Frage stellten, machten von Anfang an klar, dass es sich bei den fünf vorgestellten Varianten um „Grobtrassenplanungen“ handle, die noch in keinem Fall auf Präferenzen für eine bestimmte Variante hinweise. „Dies werde erst die „vertiefte Planung“ ergeben, welche in den nächsten zwölf bis 18 Monaten erfolge.

Jede Variante habe ihre Schwachstellen wie etwa Bahnübergänge, Straßenquerungen, im Gelände exponierte Höhenlagen von Gleiskörpern oder instabler Untergrund, der Pfahlgründungen notwendig mache, so die Bundesbahn-Berater. Im Rahmen der vertieften Planung würden diese untersucht und nach einem festgelegten Kriterienkatalog bewertet.

Erst dann stünde eine Entscheidung über die endgültige Trasse samt überarbeitetem Verlauf an. Den Großkaroliner Bürgern war durchaus klar, dass jede Trasse Anwohner beeinträchtigen werde - individuell gesehen sei eben der konkrete Wohnort entscheidend. Und es gebe wohl so viele Präferenzen für bestimmte Trassenverläufe wie Bürger im Ort wohnen.

Einen gewaltigen Einschnitt in ihre Lebenswelt befürchten viele Großkaroliner Bürger, wenn die Trasse dem jetzigen Verlauf der Gleise durch den Ort folge. Die zweigleisige Schienenführung müsste auf vier erhöht werden, was enorme Baumaßnahmen mitten in Großkarolinenfeld erforderlich mache und wohl die meisten Bürger betroffen wären.

Andererseits, so Vertreter der Großkaroliner Bürgerinitiative „Brennerdialog“, bekäme dann die Trassenführung eine exzellente Lärmdämmung nicht nur im Norden wie jetzt, sondern auch im Süden. Bei anderen Verläufen würde die Trasse durch den Ort herabgestuft und für den Lärmschutz keine weiteren Investitionen vorgenommen.

Zudem verlieren die Bürger das einklagbare Recht auf Schallschutz. Die sich daraus ergebende „Gretchenfrage“ stellte Sprecher Jürgen Benitz-Wildenburg schon in einer früheren Versammlung: „Was wollt Ihr: eine herabgestufte Bahntrasse mit schlechter Lärmdämmung oder eine ausgebaute Trasse mit exzellenter Lärmdämmung?“ Damals wie bei der Veranstaltung am Dienstag war die Antwort der meisten Bürger klar“ „Wir stören uns nicht so sehr an den Zügen als am Lärm, den sie verursachen. Deshalb wollen wir eine optimal Lärm-gedämmte Trasse!“

Streitgespräche jenseits der generellen Ablehnung des „Wahnsinns einer Neutrassierung mit durchgängigen Geschwindigkeiten von 230 km/h“ entzündeten sich hauptsächlich am Für und Wider eines Trassenverlaufs durch den Ort und eines völligen Neubaues nördlich von Großkarolinenfeld. Während die einen die massive Beeinträchtigung des Ortsbildes fürchteten, hatten - naturgemäß - die Bewohner des nördlichen Raumes Angst um die Beeinträchtigung ihres Lebensraumes. Dass die Bundesbahn Monitore aufstellte, auf denen die Trassenverläufe mit einer Zoom-Funktion vergrößert dargestellt werden konnten und so jeder genau erkannte, ob und wie sehr er betroffen würde, machte die Sache nicht einfacher. Jedoch war für jeden klar, dass es stets andere treffen würde, wenn er selbst verschont bliebe.

Klar war auch, dass die Trasse irgendwie an die Strecke nach Grafing angeschlossen werden muss: „ Wenn man die Ortsmitte Großkarolinenfeld verschont, dann ist Tattenhausen das Bauernopfer!“

Jürgen Benitz-Wildenburg sprach sich im Namen der Großkaroliner Bürgerinitiative klar für eine Modernisierung der bestehenden Trasse aus, welche mit optimalem Lärmschutz versehen werde und alle straßengleichen Schienenverläufen beseitigen würden. „Das bringt für uns Bürger den enormen Vorteil, nicht ständig vor geschlossenen Bahnschranken warten zu müssen.“

Süffisant berichtete Benitz-Wildenburg noch von einer 70000 Euro teuren Studie namens „Psychoakustische Wirkung von Schienenstegdämpfern“. Diese Dämpfer habe die Bahn auf einer Versuchsstrecke montiert und wollte die Reaktion der Bürger abfragen mit dem vernichtenden Ergebnis, dass man nahezu keinerlei Verbesserungen habe feststellen können.

Nachträgliche Schallmessungen hätten dann den Bürgern Recht geben müssen. Benitz-Wildenburg: „Bei einer Trassierung durch den Ort wird es solche Placebo-Maßnahmen nicht geben!“

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