Debatte im Gemeinderat

Großkarolinenfeld: Anwohner wehren sich gegen Wohnungen für Senioren und Familien

Dieser Entwurf für die Wohnanlage ist Basis der weiteren Planung.
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Dieser Entwurf für die Wohnanlage ist Basis der weiteren Planung.
  • vonKatharina Heinz
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Zu hoch, zuviel Lärm und Verkehr sowie Parkchaos befürchten einige Großkarolinenfelder bei einer geplanten Anlage mit gut 50 barrierefreien Wohnungen vor allem für die Generation 60+. Und sie stellen Sinn und Bedarf an einer solchen Wohnanlage in Frage. So reagiert der Gemeinderat.

Großkarolinenfeld – Wohnraum für ältere Menschen und Familien, ambulant betreute Wohngemeinschaften sowie ein Tagescafé – dies alles soll an der Großkarolinenfelder Max-Josef-Straße südlich des Ortszentrums entstehen. Für das Vorhaben der Heimat Bayern Wohnbau GmbH aus Prien will die Gemeinde einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan mit der Bezeichnung „Max-Josef-Straße II“ aufstellen.

Kritik wurde schnell deutlich

Der Bauausschuss sowie der Ortsentwicklungsausschuss haben sich schon länger mit dem Thema beschäftigt und einen Bebauungsplanvorentwurf erarbeitet. In der Gemeinde wurde aber schnell deutlich, dass dieses Projekt nicht ganz unumstritten sein wird – nicht zuletzt nach der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden, die vom 25. Mai bis 26. Juni stattfand.Die zahlreichen eingegangenen Stellungnahmen wurden nun in der vergangenen Gemeinderatssitzung behandelt und in einen Bebauungsplanentwurf eingearbeitet, der einstimmig beschlossen wurde.

Lärm, Abgase, Parkchaos befürchtet

Von einigen Anwohnern, die sich teils von Rechtsanwälten vertreten ließen, gingen Einwendungen ein. Ihre Kritikpunkte waren vielfältig. So wurde etwa auf den zusätzlichen Verkehr mit Lärm und Abgasen sowie auf die Parkplatzsituation hingewiesen. Diese Anmerkungen wurden im Bebauungsplanentwurf eingearbeitet. Es wurde ein schallschutztechnisches Gutachten in Auftrag gegeben, außerdem der Stellplatzschlüssel erhöht. Für jede Wohnung ist ein unterirdischer Stellplatz in der Tiefgarage zu schaffen, zudem werden oberirdisch mindestens 33 Stellplätze festgelegt, davon zehn öffentliche Parkplätze an der neuen Stichstraße.

Mögliche Beeinträchtigung ist zumutbar

„Die mögliche zusätzliche Beeinträchtigung durch die neuen Verkehrswege liegt im Rahmen der allgemein üblichen Schwankungsbreite des Fahraufkommens auf öffentlichen Verkehrswegen und wird als zumutbar angesehen“, heißt es von Seiten der Gemeindeverwaltung. Durch die neue Stichstraße sowie die Parkplätze sei eine Erhöhung der Lärmimmissionen tagsüber und nachts von maximal 0,5 Dezibel zu erwarten.

Höhe und Größe bemängelt

Auch die Höhe der Bauwerke mit maximal drei Vollgeschossen sowie die Größe des Vorhabens an sich wurden bemängelt. Doch in der Gemeindeverwaltung ist man überzeugt, dass sich das Projekt insgesamt als städtebauliche Einheit darstelle, das von der Umgebungsbebauung abweichen könne, ohne als städtebauliche Beeinträchtigung wahrgenommen zu werden. Die Höhenentwicklung, im Maximum von 9,1 Metern, werde daher als verträglich eingestuft. „Es wird immer viel vom Flächensparen geredet – eine Möglichkeit ist es, die Häuser höher werden zu lassen“, sagte Bürgermeister Bernd Fessler (parteilos) dazu.

2037 sind 45,5 Prozent mehr Großkarolinenfelder im Rentenalter als heute

Auch nach dem eigentlichen Sinn und dem bestehenden Bedarf einer solchen Wohnanlage wurde gefragt. Die Verwaltung informierte dazu, dass es sich um eine zukunftsorientierte Wohnform handele, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt sein soll. Es seien kleinere, barrierefreie Wohnungen in Kombination mit Gemeinschaftsangeboten und ergänzt durch eine Service-Palette wie etwa ein Notrufsystem. Dazu kommen Wohnungen für Familien, ambulant betreute Wohngemeinschaften, Tagespflege sowie ein Tagescafé. Laut Statistik beträgt der Anstieg der Personen über 65 Jahre in Großkarolinenfeld von 2017 bis 2037 rund 45,5 Prozent.

Des Weiteren wurde nach Grünflächen und der Flächenversiegelung gefragt – eine wohngebietsnahe, öffentliche Parkfläche sei ebenso geplant wie großzügige Grünanlagen sowie Dachbegrünungen.Ausgleichsflächen sind ohnehin vorgeschrieben.

Gemeinderat einstimmig für Projekt

Die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange seien eher harmlos, wie Bauamtsleiter Markus Czaja erklärte. So wurde etwa auf Vorschlag der Unteren Naturschutzbehörde eine Pflanzenliste für die Begrünung aufgenommen. Der Gemeinderat sprach sich schließlich einstimmig für den Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes aus. Er geht nun in das Auslegungsverfahren.

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