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Eine Frau, die es schnalzen lässt

Goaßlschnoizerin Patrizia Kaiser schwingt seit 2019 bei Audorfer Brauchtumsgruppe die Peitsche

Mit Schwung und einem Lächeln: Patrizia Kaiser lässt es mit ihrer Goaßl gerne ordentlich Schnalzen.
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Mit Schwung und einem Lächeln: Patrizia Kaiser lässt es mit ihrer Goaßl gerne ordentlich Schnalzen.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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  • Franz Hoffmann
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Sie schwingt lächelnd die Peitsche und lässt es, zusammen mit ihren männlichen Kollegen, beim Auftritt der „Audorfer Goaßlschnoizer“ schon mal g’scheit krachen: Patrizia Kaiser (48) aus Oberaudorf ist eine der wenigen weiblichen Goaßlschnoizer in der von Männern dominierten Kunst des Peitschenknallens.

Oberaudorf – Mit den OVB-Heimatzeitungen hat sich die 48-Jährige über ihr außergewöhnliches Hobby unterhalten und verraten, weshalb sie unbedingt noch das Jodeln lernen möchte.

Leute begeistert vom Dirndl in der Gruppe

Wenn man Patrizia Kaiser zum ersten Mal sieht, denkt man: Kann diese zierliche Frau eine Goaßl schnoizen? Aber sie kann. Und das bestätigen auch ihre Vereinskollegen: „Patrizia ist voll integriert und allseits sehr beliebt“, sagt Hans Holzmaier, Trainer und Koordinator der „Audorfer Goaßlschnoizer“, über die Oberaudorferin. „Wir waren sehr froh, als sich die Patrizia bei uns angemeldet hat. Das hat von Anfang an gut geklappt. Die Leute sind begeistert von unserem Ensemble mit Dirndl.“

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Holzmaier hofft, dass die 48-Jährige noch lange im Verein bleibt und vielleicht sogar das eine oder andere Talent für ihr außergewöhnliches Hobby begeistert. Zu den Goaßlschnoizern kam Kaiser über die Auftritte ihres Sohnes beim örtlichen Trachtenverein, bei denen auch die Goaßlschnoizer öfter ihr Können zeigten. „Und da habe ich mich gefragt: Kann ich das auch?“, schildert Kaiser.

Nie irgendlweche Anfeindungen erfahren

Also nahm sie Kontakt zu dem Verein auf und besuchte im Herbst 2018 einen Trainingsabend der „Audorfer Goaßlschnoizer“. „Ich habe mir ein Jahr gegeben, aber schon nach der Hälfte der Zeit habe meinen ersten Auftritt gehabt – das hat wunderbar gepasst“, erzählt die zweifache Mutter. Befremdlichkeiten oder gar Anfeindungen habe sie nie erfahren oder gespürt: „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Sie sei vom Verein „mit offenen Armen“ aufgenommen und akzeptiert worden. „Die Kollegen haben mir sehr geholfen und mir immer wieder wichtige Tipps gegeben“, so die 48-Jährige.

Denn, wie sie betont: Eine Peitsche so zu führen, dass es knallt, sei nicht einfach. Auch bestehe die Gefahr, dass sich die Goaßl beim Vor- Rückhand-Schnoizn verheddere. Und gleichzeitig müsse man auch noch den Takt einhalten, „den musikalisch der Sigi an der Ziach vorgibt“, sagt die Oberaudorferin.

Vorm ersten Auftritt schlotterten die Knie

Anfangs sei sie schon sehr nervös vor Auftritten gewesen: „Die Knie haben mir schon gscheid gezittert.“ Von ihrem Hobby habe sie anfangs außer ihrem Lebensgefährten niemandem erzählt. Es hätte ja sein können, dass sie das Schnoizen nicht beherrscht. Aber ihren ersten Auftritt beim Wongbauernfest 2019 habe sie dann doch mit Bravour gemeistert. Sie wisse noch genau, wie sie von den Männern beäugt und angesprochen wurde. „Einer der Männer kam her und meinte: Seit wann dürfen denn Weiberleit da mitschnoizln?“ Holzmaier habe daraufhin entgegnet: „Schon ollawei, aber es hat halt no nia oane gfrogt“, schildert Kaiser lachend. Zwischenzeitlich habe sich ihre Aufregung vor Auftritten aber deutlich gelegt: „Aber ich fiebere immer noch erwartungsvoll jedem Auftritt entgegen.“ So neulich auch beim Standkonzert der „Musikkapelle Oberaudorf“ am idyllischen Luegsteinsee.

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Trainiert wird einmal pro Woche – „und auch zu Hause üben ich“, sagt die 48-Jährige. Sie ist überzeugt: Jeder kann das Lernen. „Das ist nur eine Frage der richtigen Technik.“

Wenn sie mal nicht die Peitsche schwingt, geht die zweifache Mutter gerne Wandern oder Radfahren. Privat wie auch beruflich, sei sie eigentlich immer gut eingespannt. Beruflich steht sie als Pressesprecherin und Verantwortliche für die Nachwuchswerbung beim Hauptzollamt in Rosenheim voll ihre „Frau“. Dazu fungiert sie noch als Schriftführerin beim WSV Oberaudorf. „Ich bin schon viel unterwegs, auch mein Hund fordert mich.“

Jodeln ist ihre zweite Leidenschaft

Und doch nimmt sie sich Zeit für eine weitere Leidenschaft: das Jodeln. „Das hat mir schon immer gefallen. Diese schnelle Aneinanderreihung von Silben und Buchstaben“, schwärmt sie. Einen ersten „Schnupper-Jodelkurs“ hat sie schon hinter sich:, „Das werde ich bestimmt weitermachen.“

Patrizia Kaiser beschreibt sich selbst als einen neugierigen Menschen: „Kann i ned, gibt‘s ned“, sagt sie, „und falls mir mal dann doch etwas nicht gelingt, ist es auch nicht so tragisch.“

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