Getränkelogistik-Zentrum Flötzinger Bräu: Umgehung von Deutelhausen kommt

Die Ortschaft Deutelhausen soll durch die Umgehung vom Verkehr entlastet werden. heinz

Auch nach der zweiten Auslegung bleibt das Vorhaben „Umgehung und Gewerbegebiet in Deutelhausen“ umstritten. Das zeigte sich in der Sitzung des Schechener Gemeinderates, bei dem die Einwendungen diskutiert wurden. Mit nur einer Gegenstimme wurde die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen.

Schechen

Zwei Fliegen mit einer Klappe?

Mit einem Gewerbegebiet und der Umgehung hofft die Gemeinde, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Auf der einen Seite wünscht man sich schon lange, den Durchgangsverkehr aus dem Ort heraus zu bekommen.

Bereits seit 2011 im Ausbauplan

Eine Ortsumfahrung liegt auch bereits seit 2011 im Ausbauplan für Staatsstraßen in Bayern - allerdings nur im sogenannten „erweiterten Bedarf“, so dass mit einer Realisierung in naher Zukunft nicht zu rechnen ist. Dabei kommt nun die Brauerei Flötzinger ins Spiel. Die Familie Steegmüller ist Eigentümer eines Grundstückes im Osten von Deutelhausen und plant, ihre Getränkelogistik vom jetzigen Standort in Rosenheim dorthin auszulagern. Diesen Wirtschaftsfaktor will man in der Gemeinde gerne haben und möchte daher die Gewerbefläche dafür bereitstellen.

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Das hätte nämlich auch einen erhofften Nebeneffekt: Denn eine Gewerbefläche in dieser Größenordnung, so teilte die Regierung von Oberbayern mit, könne es nur in Verbindung mit einer Umfahrung geben. Die Lösung könnte also so aussehen: Mit dem Programm „Staatsstraßen in kommunaler Sonderbaulast“ kann die Gemeinde die Straße selbst bauen und sie später in die Baulast des Straßenbauamtes übergeben. Die Maßnahme würde mit rund Dreiviertel der Kosten gefördert und könnte deutlich schneller verwirklicht werden. Problematisch: Einige Landwirte wären nicht unwesentlich betroffen von der neuen Straße. Ihre Grundstücke liegen innerhalb des Geltungsbereiches und würden von der Maßnahme zerschnitten, ihre Weideflächen eingekesselt.

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Dementsprechend wurden Kritikpunkte wie Flächenverbrauch oder die Notwendigkeit der Umgehung nun auch nach der zweiten Auslegung für die Änderung des Flächennutzungsplanes laut.

Mit einigen Gerüchten wollte Bürgermeister Hans Holzmeier vorab aufräumen. So sei es nicht wahr, dass in Schechen ständig große Baugebiete ausgewiesen würden und daher die Bevölkerung so stark zunehmen würde.

„Deutelhausen wird anders aussehen“

Das Baugebiet Wittmann sei das erste größere Projekt seit 20 Jahren, sonst habe es nur kleine Einzelmaßnahmen gegeben. Auch sei es falsch, dass in Deutelhausen ein Gewerbegebiet für mehrere Firmen geschaffen werden soll. Lediglich die Brauerei Flötzinger werde sich dort ansiedeln. Maria Ganslmaier-Hainzl (Parteifreie) warf aber ein, dass in einem kleinen Mischgebiet angrenzend sehr wohl andere Betriebe kommen könnten. „Deutelhausen wird danach anders aussehen“, machte sie klar. Sie fand es auch nicht richtig, auf der einen Seite gegen den Brennernordzulauf zu demonstrieren und dann vor Ort eine neue Straße zu bauen.

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Doch dann hätte man die Umgehung in Pfaffenhofen auch nicht bauen dürfen, entgegnete Bürgermeister Holzmeier. Und von dieser profitierten die dortigen Einwohner maßgeblich. Volker Schmidt (SPD) nannte es eine „einmalige Chance, um Deutelhausen vom Verkehr zu entlasten“. Auf die Frage der Notwendigkeit betonte Holzmeier, dass im weiteren Verfahren Verkehrsgutachten erstellt würden – die Änderung des Flächennutzungsplanes sei aktuell lediglich die Grundlage und stelle nur eine Planungsabsicht dar. Bei der Frage, ob nicht eine Umfahrung im Westen möglich sei, schaltete sich Planer Franz Fuchs ein. Das sei quasi unmöglich, da man hier ein Biotop durchschneiden würde. Außerdem stelle sich ja dann wieder die Frage nach der Anbindung des Gewerbegebiets.

Bauernverband bezweifelt Bedarf

Auf die Stellungnahme des Bayerischen Bauernverbands reagierte Bürgermeister Holzmeier empört. Darin hieß es, man lehne das Projekt kategorisch ab. Der Bedarf werde bezweifelt, es gebe stärker belastete Gebiete ohne Umgehungsstraße in der Region. Der landwirtschaftliche Betrieb, der von der Umgehung eingekesselt wird, sei stark beeinträchtigt. Daher fordere man einen Stopp der Planungen. „So eine Stellungnahme habe ich noch nie bekommen“, meinte Holzmeier. Der Bedarf der Umgehung sei vom Straßenbauamt nie angezweifelt worden. Auch habe man mit dem Landwirt immer offen gesprochen. Die Stellungnahme sei stark von persönlichen und politischen Meinungen geprägt. Abschließend zeigte sich, dass der Gemeinderat mit großer Mehrheit hinter dem Vorhaben steht.

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