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Dettendorfer: Preisanstieg bis zu 20 Prozent

Explodierende Preise und Fahrer im Krieg: Spediteur aus Nußdorf am Inn spricht über Folgen für seine Branche

Unterbrochene Lieferketten: Durch den Krieg in der Ukraine ist auch der Weg über die Schiene durch Russland derzeit blockiert. Im Bild ein russischer Frachthafen, in dem sich Container stauen.
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Unterbrochene Lieferketten: Durch den Krieg in der Ukraine ist auch der Weg über die Schiene durch Russland derzeit blockiert. Im Bild ein russischer Frachthafen, in dem sich Container stauen.
  • VonKatharina Koppetsch
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Gestiegene Spritpreise und Waren, die nicht an ihrem Zielort ankommen. Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine sind auch bei uns in der Region zu spüren. Der Geschäftsführer Georg Dettendorfer spricht im Interview über die Auswirkungen des Krieges.

Nußdorf am Inn - Georg Dettendorfer, Geschäftsleiter der Spedition Dettendorfer in Nußdorf am Inn, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des DIHK-Verkehrsausschusses, schildert im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen die enormen Herausforderungen, vor denen Unternehmen wie seines derzeit stehen und welche Maßnahmen kurzfristig helfen könnten.

Wie beeinflusst der Krieg in der Ukraine die europaweiten Logistikketten?

Georg Dettendorfer: Massiv, um das mit einem Wort zu beschreiben. Zum einen durch die hohen Energiepreise, die den Transport teurer machen. Die Lieferketten sind unterbrochen, Rohstoffe und Vormaterial fehlen. Kunden mussten teilweise aufgrund dessen ihre Produktion einstellen. Dem Speditionsgewerbe fehlen Fahrer und damit auch Frachtraum. Viele ukrainische Fahrer sind zurück in ihre Heimat oder in den Osten, um bei ihren Familien zu sein. Mit den vielen stehenden Fahrzeugen beginnt ein massiver Abwerbekampf um die vorhandenen Fahrer. Hinzu kommt, dass die Logistikketten zwischen Asien und Europa unterbrochen sind. Es gibt eine riesige Nachfrage, um Waren per Seeweg von Asien zu uns zu liefern. Der Weg über die Schiene durch Russland ist derzeit unterbrochen. Keiner versichert Waren, die durch ein Kriegsgebiet fahren.

Wie merken Sie die Auswirkungen in Ihrem Unternehmen?

Georg Dettendorfer: Es ist natürlich eine schwierige Situation. Wir haben viele Frachten zu bewegen. Bereits durch die Corona-Pandemie kam es zu langen Lieferzeiten, gerade im Bereich der Ersatzteile, Lkw und Auflieger. In 2021 sind die Kosten um zehn Prozent gestiegen, aktuell haben wir nochmals eine Kostensteigerung von bis zu 20 Prozent.

Vor welche Herausforderungen stellt der Krieg in der Ukraine Ihr Unternehmen?

Georg Dettendorfer: Natürlich stellt uns der Krieg vor Herausforderungen. Da ist zunächst die psychische Herausforderung. Wir haben in den vergangenen dreißig Jahren keinen Krieg erlebt, der uns so nahe war. In Sachen Planung: Wir versuchen unsere Firma auf Sicht zu fahren. Wir planen von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Langfristige Planungen sowie in die Zukunft zu blicken, sind derzeit kaum möglich. Wir versuchen, unsere Fahrer zu halten und das Unternehmen so zu steuern, das wir unsere Kunden weiterhin bedienen können.

Nach wie vor sind wir abhängig von den Gaslieferungen aus Russland. Welche Möglichkeiten gibt es, um in dem Bereich unabhängiger zu werden?

Georg Dettendorfer: Es ist richtig, aus der Atomkraft und aus der Kohle auszusteigen. Die Zeit, in der dieser Ausstieg erfolgen soll, ist völlig falsch angesetzt. Solange wir keine Energieformen haben, die einen redundanten Ersatz bilden, bringen wir uns selber in Bredouille. Ich bin schon für grünen Strom, grünen Wasserstoff. Doch das passiert nicht in den kommenden zehn Jahren. Wichtig ist, den Umstieg auf nachhaltige Energien so zu staffeln, dass er ökonomisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Der Krieg zeigt deutlich, wie abhängig Europa ist. Europa muss selber stark werden und eigenständig agieren können.

Georg Dettendorfer ist Geschäftsführer der Spedition Dettendorfer, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des DIHK-Verkehrsausschusses.

Was würde in der derzeitigen Lage helfen?

Georg Dettendorfer: Eine kurzfristige Lösung wäre temporär die Mineralölsteuer auszusetzen und die Mehrwertsteuer zu senken. Außerdem brauchen wir eine Entbürokratisierung. Die meisten unserer Ressourcen gehen in die Bürokratie und Verwaltung. Hier könnte man Arbeitskraft freischaufeln, die man in die Entwicklung und Planung von Themen stecken könnte.

Sie stellen außerdem eigene Ressourcen für die Hilfe in der Ukraine zur Verfügung...

Georg Dettendorfer: Wir haben in der vergangenen Woche mit einem Sammeltransport mit Hilfsgütern aus dem Oberen Inntal für die Ukraine geholfen. Heute (Anmerkung der Redaktion: Freitag, 11. März) starten wir mit dem Transport von Arzneimitteln, die von den Romed-Kliniken in Rosenheim und Bad Aibling zur Verfügung gestellt wurden. Wir beteiligen uns und helfen gerade, wo es nur geht.

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