Die Geranie wird geliefert: Kreative Ideen der Gärtnereien in der Corona-Krise

Gärtner Markus Böck aus Raubling beim Ausliefern der Frühblüher. „Die Leute wollen auch jetzt Schönes“, ist er überzeugt.

Mit dem Frühlingsanfang blühen nicht nur Blumen, sondern auch die Gärtnerherzen. Ab Mitte Mai starten die Gärtnereien in die Hochsaison. Doch das Coronavirus hat den Betrieben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gärtnereien sind geschlossen. Viele bieten nun einen Lieferservice an.

Rosenheim/Inntal –Die Gärtnerei Böck in Raubling liefert Gemüsepflanzen, Kräuter und Blumen nach Hause. „Das kommt total gut an“, sagt Inhaber Markus Böck. Die Bestellungen werden im Umkreis von Raubling und Neubeuern den Kunden direkt vor die Haustür gebracht.

„Die Leute brauchen in dieser schwierigen Zeit Farbtupfer“, ist Böck überzeugt. Sie wollen sich mit etwas Schönem umgeben oder auch Freunden und Verwandten einen kleinen Blumengruß senden.

Die Kunden zu beliefern, sei zwar aufwendig für die Gärtnerei, „aber wir sind natürlich froh, dass wir auf diesem Wege weitermachen können“, so Böck.

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Diese Meinung vertritt auch die Gärtnerei Prentl in Rosenheim. Bestellungen von Kunden nimmt der Betrieb telefonisch, per E-Mail oder über Facebook auf, erklärt Mitinhaber Max Prentl, der das Geschäft zusammen mit seinem Bruder Christian leitet. Gerade sei Prentl auch dabei, einen Online-Shop aufzubauen. Bislang laufe nämlich alles auf Rechnung. „Wir dürfen nicht bar abkassieren.“

Bezahlung erleichtern

Mit dem Shop möchte er den Kunden die Bezahlung erleichtern. Denn auch ihm sei bewusst, dass die Hauptsaison vor der Tür stehe.

Für eine Gärtnerei gebe es im Jahr drei wichtige Saisonabschnitte: Die Zeit vor Ostern, die Balkonblumen-Saison (Ende April bis Mai) und die Zeit vor Allerheiligen. Die Einbußen während des Ostergeschäfts könne man verkraften, das wäre zur Hälfte schon durch gewesen, ehe die Corona-Krise auf die Gärtnereien zukam. Ohne das Geschäft in der Hauptsaison, bekomme man allerdings ein Problem.“

Frühblüher fürs Krankenhaus

Viele Primel und Frühblüher habe die Gärtnerei Prentl bereits verschenkt. Auch ans Krankenhaus wurden Blumen gespendet. „Für die Angestellten als kleine Anerkennung“, so Max Prentl.  Man brauche nun Platz für die neuen Pflanzen.

Zum Beispiel Geranien. Um die 50 000 Stück wurden laut Prentl angepflanzt. Damit diese wachsen können, müssen die Frühblüher weichen.

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Auch die Gärtnerei Nikel in Tuntenhausen sowie die Gärtnerei Angermaier in Bad Feilnbach, die  ihre Kunden im Moment ebenfalls beliefern, brauchen Platz für die Balkon-und Beetpflanzen: „Bei uns stehen alle Häuser voll“, sagt Maria Nikel.

Um die bunten Frühlingsboten unter die Leute zu bringen, hat Robert Lex, Inhaber der Gärtnerei Lex in Stephanskirchen, einen Blumenwagen mit einer Kasse vor seinen Laden platziert.

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Dort können sich die Leute nun selbst bedienen. Angeboten werden Stiefmütterchen, Narzissen und Hornveilchen. Dadurch hofft der Inhaber, dass einige der zarten Pflänzchen noch ein Zuhause finden. Die meisten Primeln wurden bereits vernichtet, um Platz für neue Pflanzen zu schaffen. „Da kann man nix machen. Das ist jetzt eben so“, sagt der Inhaber. Auch er liefert im Moment seine Ware aus und freut sich über jeden Kunden, der das Angebot nutzt.

„Der spontane Einkauf entfällt“

Ein Problem, dass trotz Lieferservice bestehen bleibt: „Die Kunden wollen selbst stöbern“, sagt Prentl.  „Der Lieferservice fängt schon was auf, aber nur minimal“, gibt auch Markus Böck zu bedenken. Insgesamt habe seine Gärtnerei nun bereits 80 Prozent Einbußen. Man könne eben nur ausliefern, was auch bestellt werde. Sonst seien die Leute halt in den Laden gekommen, hätten sich spontan zu einem Kauf inspirieren lassen. Das falle im Moment eben weg. Gerade in dieser Branche sei Kundenberatung enorm wichtig, erklärt Prentl. Er lege deshalb Wert auf telefonische Anregungen. Aber alles am Telefon zu klären, sei derzeit schwierig.

Die größte Angst unter den Gärtnern sei, dass das Geschäft mit die Balkonblumen ebenfalls durch die Coronakrise entfalle. Schließlich müssten sich die Gärtnereien damit ihr „Winterpolster“ verdienen. Erde, Töpfe und Jungpflanzen müssen auf Vorrat gekauft werden. Und im Herbst beginne man erneut mit dem Einpflanzen der Frühblüher. „Wir haben einfach eine längere Vorlaufzeit“, erklärt Prentl das Dilemma.

Regional einkaufen

Bei einem Gärtner in der Nähe zu bestellen, sei eine gute Möglichkeit, regional produzierte Ware zu kaufen und die Gärtner vor Ort zu unterstützen, sagt Rut Alker, Verbandsreferentin des Bayerischen Gärtnerei-Verbands. Es wäre schade, wenn die Pflanzen, die jetzt in den Gärtnereien stehen auf dem Kompost landen würden. „Viele Gärtner haben Frühjahrsblüher an Pflegekräfte und Altenheime verschenkt.“ Aber das Angebot sei immer noch groß. „Ich kann nur dazu aufrufen: Nutzen Sie es“, so Alker.

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