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„Hauptsache raus an die Luft“

Georg Plankl kann einpacken - nach 30 Jahren in Stephanskirchens Gemeindeverwaltung ist Schluss

Nach drei Jahrzehnten räumt Georg Plankl seine Sachen in die Kiste. Der 63-jährigen Geschäftsleiter der Gemeinde Stephanskirchen war seit 1991 in der Gemeindeverwaltung tätig.
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Nach drei Jahrzehnten räumt Georg Plankl seine Sachen in die Kiste. Der 63-jährigen Geschäftsleiter der Gemeinde Stephanskirchen war seit 1991 in der Gemeindeverwaltung tätig.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Der letzte Tag. Die letzte Sitzung war, der letzte Termin auch, heute macht Georg Plankl zum letzten Mal die Rathaustür hinter sich zu. Drei Jahrzehnte war er erst Kämmerer und dann Geschäftsleiter in Stephanskirchen. Wenn niemand so recht wusste, wer was weiß, wussten alle: „Der Plankl weiß alles“.

Stephanskirchen – 1991 war es, da bewarb sich der stellvertretende Kämmerer des Landkreises Rosenheim als Kämmerer in Stephanskirchen. Und bekam den Job. Der Arbeitsweg des Diplomverwaltungswirtes (FH) aus Vogtareuth halbierte sich, Georg Plankls Einsatz nicht. „Wir sind Dienstleister für die Bürger. Und es hat mir immer gefallen, meine Zeit und Arbeit für die Bürger einzusetzen. In einer Gemeindeverwaltung ist das interessanter, fordernder und schöner, als in einer großen Behörde“, sagt er.

Die Gemeinde ist der erste Ansprechpartner

Auch wenn es nicht immer leicht sei, den Leuten verständlich zu machen, dass die Gemeinde manche Dinge in ihrem Gemeindegebiet nicht beeinflussen kann. Die Situation mit und an den Staatsstraßen etwa. „Für die Bürger ist die Gemeinde der erste Ansprechpartner, da ist es schwierig zu vermitteln, dass wir nur anregen können, uns sonst die Hände gebunden sind.“ Also hat er erklärt, erklärt und noch mal erklärt. Aber: „Ich bin immer recht zufrieden nach Hause gegangen.“ Das gilt auch heute, an Plankls letzten Arbeitstag.

Knapp 20 Jahre als Verwaltungsleiter ließ er dem Kämmerer folgen. Karl Mair ist sein vierter Bürgermeister. „Ich habe mich immer bemüht, die Verwaltung auf dem neuesten Stand zu halten. Server zum Beispiel haben wir im Rathaus keinen mehr, das läuft längst über ein Rechenzentrum in Nürnberg“, sagt Plankl.

Die Infrastruktur ist gut in Schuss

Die Gemeinderäte mit den bestmöglichen Informationen als Entscheidungsgrundlage zu versorgen war ihm genauso wichtig, wie die Infrastruktur der Gemeinde gut in Schuss zu halten. Die noch offene Zukunft des Schloßberger Feuerwehrhauses, die ärgert den ehemaligen Aktiven der Feuerwehr Zaisering ein wenig. Das Kapitel hätte Plankl gerne noch selbst beendet.

Auch Journalisten versorgte Plankl, der selber gerne und gut schreibt, in der Regel mit fundierten und ausführlichen Informationen. Wenn er ausnahmsweise mal mauerte, nahm Plankl es nicht übel, wenn der Ankündigung „Gut, dann hole ich mir die Infos eben auf anderen Wegen“ auch Taten folgten.

Natürlich gab es in den drei Jahrzehnten Tiefpunkte genauso wie Höhepunkte. An seine Grenzen kam Plankl beim Bau des Rathauses 2002/2003. Denn der fiel nicht nur mit seinem Jobwechsel vom Kämmerer zum Geschäftsleiter zusammen. Schlimmer: Der Leiter des Bauamtes – bei dem alle Fäden zusammenliefen – erkrankte schwer und fiel aus. „Das war eine harte Zeit“, so der knappe Kommentar im Rückblick.

Eigentlich ist Plankl stolz darauf, dass die Stephanskirchen in den letzten Jahrzehnten – trotz großer Nachfrage nach Grundstücken – nicht wild gewuchert ist, in 20 Jahren nur um 2000 Einwohner wuchs. „Wir haben relativ wenige Baugebiete ausgewiesen, nicht alles zugebaut.“ Eigentlich, denn: „Zum Dank haben wir jetzt den Brenner-Nordzulauf bekommen“. Da klingt ein wenig Bitterkeit mit.

Ein Lob dem „Stephanskirchner Weg“

Zu den Höhepunkten zählt Georg Plankl ganz eindeutig den „Stephanskirchner Weg “, den die Gemeinde ab 2015 mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern einschlug. In kürzester Zeit entstanden an fünf Standorten zehn Häuser für knapp 250 Kinder, Frauen und Männer. „Das ging nicht ganz ohne Reibung an einzelnen Standorten“, erinnert sich Plankl.

Der Nachfolger: Dr.Andreas Uhlig ist seit einem knappen Jahr stellvertretender Geschäftsleiter in Stephanskirchen. Der 42-jährige Volljurist war zuvor knapp zehn Jahre Geschäftsleiter in Riedering. Als Hobbies nennt er Kultur und Sport, sein liebstes Transportmittel ist das Fahrrad.

Die dezentrale Unterbringung erwies sich spätestens dann als richtig, als der eigens installierte Integrationsbeauftragte der Gemeinde in seinem Jahresbericht 2019 verkündete, er schaffe sich jetzt selber ab, er werde nicht mehr gebraucht. Geblieben ist die Gemeindeverwaltung als Ansprechpartner und nötigenfalls Ämterlotse. Wobei diese Einsätze mit steigender Deutschkenntnis immer weniger werden. „Das haben wir – Verwaltung, Ehrenamtliche und Gemeinderäte – ziemlich gut hinbekommen“, stapelt Plankl tief. Er ist eloquent, zum Pathos neigt er nicht.

Handlungsanweisungen für den Nachfolger? Sind seine Sache nicht. Plankl hat ihn bei der Einarbeitung unterstützt, „alle Details weitergeben kann ich sowieso nicht“, und ihn dann den eigenen Weg finden lassen. „Ich kann beruhigt gehen“, sagt er und lächelt.

Sophia und Helena warten da schon sehnsüchtig drauf. Die beiden kleinen Enkelinnen wohnen nebenan und freuen sich darauf, dass Opa endlich so richtig viel Zeit für sie hat. Und ihnen in Wald und Flur die Liebe zur Natur weitergibt. Oder einfach mit ihnen herumtobt – „Hauptsache raus an die Luft.“ Radfahren, in die Berge gehen, Skifahren, die während der Pandemie schmerzlich vermissten Konzert- und Theaterabende, darauf freut sich Plankl.

Englisch und Spanisch für die geistige Fitness und für die Reisen, die er mit seiner Frau noch unternehmen will. Und um mit seinen beiden Patenkindern in Ecuador – über eine Stiftung des ehemaligen Ministerpräsidenten Goppel – besser kommunizieren zu können. Die Ältere, mittlerweile Zahnärztin, war schon bei Plankls zu Besuch und umgekehrt. Die Jüngere geht noch zu Schule.

Die Zeit nach Lustund Laune einteilen

Und sonst? Nichts, was ihn zeitlich allzu sehr binden würde. Er will die Freiheit genießen. „Aber der grüne Daumen wächst“, sagt er lachend. „Und ich habe meiner Frau angedroht, dass ich mich mehr in der Küche engagieren werden. Dazu hatte ich bisher keine Muße – und deshalb keine Ahnung.“

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