Gemeinde Vogtareuth: Elf Fußballfelder fürs Gewerbe

Vom Gewerbegebiet am Kreisverkehr (rechs im Bild) sollen bis zur Brücke nach Sunkenroth weitere Gewerbeflächen ausgewiesen werden.
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Vom Gewerbegebiet am Kreisverkehr (rechs im Bild) sollen bis zur Brücke nach Sunkenroth weitere Gewerbeflächen ausgewiesen werden.

5,5 Hektar Grund bekommen eine neue Bestimmung. Jetzt noch Ackerland, soll im Nordwesten der Gemeinde ein Gewerbegebiet entstehen. Erste Bauherrin ist die Gemeinde selbst.

Von Sylvia Hampell

Vogtareuth – Im Flächennutzungsplan der Gemeinde ist diese Fläche, die elf Fußballfeldern entspricht, noch als landwirtschaftliche Fläche eingetragen. Südlich an das bestehende Gewerbegebiet bis hin zur Brücke nach Sunkenroth sollen Gewerbeflächen entstehen. Dazu muss der Flächennutzungsplan (FNP) geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Damit beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Wenig Rückmeldungen zum Gewerbegebiet

Wie es sich für derartige Bauleitplanungen gehört, werden die Pläne ausgelegt, damit sich die Bürger ein Bild machen und Einwände erheben können. Und es werden knapp drei Dutzend Behörden, Fachstellen und Organisationen – genannt „Träger öffentlicher Belange“ – um Stellungnahme gebeten.

Keine Einwände der Bürger

Rückmeldungen von den Vogtareuthern gab es laut Jeanette Sonntag, Leiterin des Bauamtes, keine. Und auch die Träger öffentlicher Belange hielten sich weitgehend zurück. Sie antworteten gar nicht oder mit Standardformulierungen wie Hinweisen auf Stromleitungen, Telefonkabel oder vorhandene landwirtschaftliche Betriebe.

Regierung meldet Zweifel am Bedarf an

Einige wenige Rückmeldungen musste der Gemeinderat aber doch behandeln. So meldeten sowohl das Landratsamt als auch die Regierung von Oberbayern Zweifel an, ob denn ein Gewerbegebiet in dieser Größe überhaupt benötigt würde. Was Bürgermeister Rudolf Leitmannstetteer (ÜWG), alle „alten“ Gemeinderäte und die Bauamtsleiterin gleichermaßen ärgerte. Denn der Bedarf war mit diesem Behörden längst geklärt, so Leitmannstetter. Und: „Die Gemeinde ist unterdurchschnittlich mit Gewerbeflächen versorgt, wir brauchen das Gebiet dringend“, so der Bürgermeister.

Mehr Interesse als Fläche

Jeannette Sonntag verwies auf eine Interessentenliste, nach der die 5,5 Hektar – abzüglich eines halben Hektars für den Bauhof der Gemeinde – schon nicht mehr ausreichen würden. Denn eine Stephanskirchener Firma übernähme am Liebsten das gesamte Gelände, fünf weitere Betriebe haben Interesse an insgesamt 2,2 Hektar angemeldet.

Vogtareuth fehlen noch Grundstücke

Die Regierung von Oberbayern regte an, dass die Gemeinde das Gewerbegebiet von Nord nach Süd – also vom bestehenden Gewerbegebiet in Richtung Brücke – entwickelt. Nur so könne sie dem Anbindungsgebot entsprechen.

Diese Entwicklung von Nord nach Süd ist ohnehin vorgesehen. Auch weil, wie der zweite Bürgermeister Hans Bürger-Schuster (CSU) auf Nachfrage erklärte, noch nicht die ganzen 5,5 Hektar im Besitz der Gemeinde sind.

Nachdem der Rat alle eingegangenen Schreiben behandelt hatte, stimmte er einmütig für die 17. Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde.

Bebauungsplan für den Bauhof

Dann ging es sofort um den ersten Bebauungsplan für eine Teilfläche der 5,5 Hektar. Direkt am bestehenden Gewerbegebiet wird ein Hektar konkret verplant. Dort soll derBauhof der Gemeinde entstehen. Bisher stehen die Bauhoffahrzeuge zur Untermiete auf dem alten BayWa-Gelände. Sozialräume, Umkleiden oder ein Büro gibt es nicht. All das soll nun am Kreisverkehr Richtung Wasserburg gebaut werden, auf rund 5000 Quadratmetern. Daneben bleibt noch Platz für einen Gewerbebetrieb. Die Fläche sei, so Leitmannstetter, über den Kreisverkehr und die ins bestehende Gewerbegebiet führende Straße „perfekt angeschlossen“ und auch die Erschließung mit Strom, Wasser- und Abwasserleitungen wegen der bestehenden Bebauung kein Problem.

Die Zauneidechsen dürfen umziehen

Die untere Naturschutzbehörde wies darauf hin, dass in diesem Gelände eventuell streng geschützte Zauneidechsen leben könnten. Mit einer Umsiedelung sei man einverstanden. Der Gemeinderat einigte sich darauf, einen Fachmann nachsehen zu lassen.

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim regte an, dass sich der Rohfußboden der Gebäude 25 Zentimeter über der Geländeoberkante befinden sollte, da wild abfließendes Wasser bei Starkregenfällen möglich sei. Dies soll in die Hinweise des Bebauungsplanes aufgenommen werden. Dessen Aufstellung beschloss der Gemeinderat einstimmig.

Was ist was in der Bauleitplanung

Flächennutzungsplan: In diesem wird die beabsichtigte Entwicklung der Gemeinde festgehalten. Verzeichnet sind in der Regel Flächen für Wohnen, Gewerbe und die Landwirtschaft. Dies betrifft Flächen, auf denen diese Nutzungen schon vorhanden sind, und Flächen, auf denen diese Nutzung in Zukunft etabliert werden soll.

Bebauungsplan: Hier legt eine Gemeinde auf Beschluss ihres Stadt- oder Gemeinderats als Satzung fest, welche Nutzungen in welchem Ausmaß auf einer bestimmten Fläche zulässig sind. Der Bebauungsplan schafft, im Gegensatz zum Flächennutzungsplan, Baurecht.

Anbindegebot: Es ist im Landesentwicklungsplan des Freistaats enthalten und soll ein Zersiedelung der Landschaft dadurch verhindern, dass Gewerbegebiete immer an eine bestehende Bebauung andocken müssen. Ausnahmen sind, etwa an Autobahnen, möglich.

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