Gemeinde Stephanskirchen sucht den Wiesenmeister: Artenreichtum fördern

Bunte Pracht auf so vielen Flächen wie möglich, das gehört mit zum Projekt Artenreichtum in Stephanskirchen.
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Bunte Pracht auf so vielen Flächen wie möglich, das gehört mit zum Projekt Artenreichtum in Stephanskirchen.

Die Gemeinde Stephanskirchen vor den Toren Rosenheims ist wohlhabend. Das ist nichts Neues. Sie will aber reich werden. Reich an Arten. Stephanskirchen ist eine von zehn „Biodiversitätsgemeinden“ in Bayern.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – „Biodiversität“ heißt nichts anderes als Artenreichtum. Florian Lang von der Steuerungsgruppe dieses bayernweiten Projektes informiert jetzt den Gemeinderat über den Stand der Dinge. Und hielt fest, dass in Stephanskirchen schon einiges passiert sei. „Sie sind bei der Umsetzung vorbildlich“, lobte er.

Nisthilfen von Fledermaus bis Waldkauz

Schon im vergangenen Jahr begann eines der „Starter-Projekte“. Das sind Projekte, die relativ zügig umzusetzen sind. „Stephanskirchen flattert und zwitschert“ ist das Motto für den Vogel- und Fledermausschutz in der Gemeinde. 227 Nisthilfen und Bruthöhlen für Fledermäuse, Spatzen, Stare, Baumläufer, Buntspechte, Rotschwänzchen, Meisen, Kleiber, Mauersegler, Waldkäuze, Mehl- und Rauchschwalben hängen mittlerweile im Gemeindegebiet. „Nicht alle gekauft und einfach hingehängt“, wie Bauamtsleiter Wolfgang Arnst betonte, „sondern überwiegend Marke Eigenbau“.

Bunte Wiese am Rathaus, Grün auf dem Schuldach

Am Kirschenweg entstand auf 4300 Quadratmetern eine Wildhecke mit Saumstruktur, die Grünflächen rund ums Rathaus sind insektenfreundlich umgestaltet, die Flachdächer der Grundschule Schloßberg weitgehend begrünt. Beschlossen ist dieUnterstützung der Gemeinde für Waldbesitzer, die ihren Wald ökologisch umbauen wollen.

Im Rahmen des Blühflächenprojektes beteiligen sich sieben Landwirte entweder durch eine Verbesserung der Saumstrukturen an ihren Felder, wo auf fünf Metern Breite regionales Saatgut ausgebracht wird oder mit bisher artenarmen Wiesen ab 1000 Quadratmetern, die durch Mähgutübertragung oder streifenweise Aussaat mehr Artenvielfalt erhalten.

2021 Stephanskirchner Wiesenmeisterschaft

Im kommenden Jahr wird es erstmals eine „Stephanskirchner Wiesenmeisterschaft“ geben. Daran können Grundeigentümer teilnehmen, die mindestens 1000 Quadratmeter artenreiche Wiese ihr eigen nennen. Eine Jury wird sich diese Wiesen anschauen und sie nach verschiedenen Kriterien bewerten.

Je artenreicher, desto besser

Da geht es unter anderem um die Zahl der verschiedenen Arten, um das Fehlen von „Problemarten“ wie Springkraut oder Riesenbärenklau, um Arten der Roten Liste, um die gute Verwertung des Grünlands, aber auch um Hecken, Streuobst, Feuchtbiotop, Nisthilfen, lockere Steinhaufen und einiges mehr. Je artenreicher die Wiese, desto größer die Chance auf einen Geldpreis. Nähere Informationen gibt es bei Karin Gall in der Gemeindeverwaltung.

Weg von den Thujen

Auch Gartenbesitzer sollen am„Marktplatz der biologischen Vielfalt“ vertreten sein. Geplant ist eine Naturgartenzertifizierung in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau und dem Kreisfachberater für Gartenkultur. Arnst schlug vor, dass die Gemeinde die Beratungskosten von 60 Euro übernimmt, Lang unterstützte da, nannte es einen „Anreiz für Privatleute, die zwischen Thujen und Scheinzypressen leben, ihren Garten umzugestalten“.

Fassaden und Dächer begrünen

Als kommunales Projekt für Stephanskirchen in diesem und dem kommenden Jahr schlug Lang Fassaden- und Dachbegrünungen mit dem Schwerpunkt biologosche Vielfalt vor. Dabei sollte parallel vorgegangen werden: Einerseits soll die Gemeinde an ausgewählten Gebäuden in ihrem Besitz mit gutem Beispiel vorangehen, anderseits ein Förderprogramm für private Hausbesitzer auflegen. „Ein Projekt, das sehr gut zu unserer zum Teil sehr dicht besiedelten Gemeinde passt“, fand Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) und meinte damit sowohl die Fassaden- und Dachbegrünung wie das ganze Projekt Artenreichtum.

Landwirte, Jäger und Fischer eingeladen

Günther Juraschek, Sprecher der CSU-Fraktion, wollte wissen, ob der Bauernverband, die Jäger und Fischer beim Marktplatz der biologischen Vielfalt eingebunden seine. Sie seien alle eingeladen worden, so Lang, Landwirte und Jäger seien definitiv dabei, bei den Fischern war er nicht sicher.

„Blumenwiese statt Maisfeld“ geriet in Vergessenheit

Gerhard Scheurer (Parteifreie) erinnerte an einen alten Beschluss des Gemeinderates: Bauern, die ihren Mais nicht selber verbrauchen, sondern ihn verkaufen, sollten von der Gemeinde finanziell entschädigt werden, wenn sie die Maisfelder in Blumenwiesen verwandeln. Davon habe er nie wieder etwas gehört. Mair versprach, der Sache nachzugehen.

Einen Beschluss fasste der Gemeinderat in dieser Sache nicht.

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