Gemeinde Raubling zum Brenner-Nordzulauf: Abfuhr für „sinnlose“ Verknüpfungsstelle

Güterzüge passen nicht in den Takt der Personenzüge, wären nahezu ausschließlich auf der Bestandsstrecke unterwegs und damit seinen Verknüpfungsstellen verkehrstechnisch nicht nötig. So sehen es der Gemeinderat Raubling und seine Experten.
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Güterzüge passen nicht in den Takt der Personenzüge, wären nahezu ausschließlich auf der Bestandsstrecke unterwegs und damit seinen Verknüpfungsstellen verkehrstechnisch nicht nötig. So sehen es der Gemeinderat Raubling und seine Experten.

Geschlossene Abfuhr für eine Verknüpfungsstelle Reischenhart. Fett markiert wird dieser Absatz in der Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren Brenner Nordzulauf (BNZ), die das Raublinger Rathaus der Regierung von Oberbayern vorlegen wird.

Von Franz Ruprecht

Raubling – Am Freitag, 24. Juli, ist Abgabeschluss für die Stellungnahmen zum Raumordnungsverfahren (ROV). Der Gemeinderat befasste sich in seiner jüngsten Sitzung überwiegend mit der sogenannten Verknüpfungsstelle „VKN Reischenhart“, die gemäß der vorliegenden Unterlagen (Variante Gelb) „alternativlos im Gemeindegebiet Raubling liegen würde“, so Bürgermeister Olaf Kalsperger (CSU). Und das direkt neben dem FFH-Schutzgebiet „Moore um Raubling“. Das wäre in seiner Existenz bedroht.

Raumwiderstände überprüfen

„Das ROV ist ein Instrument der Landesplanung und dient dazu, die Raumverträglichkeit eines konkreten Vorhabens, wie einer Trasse für den Bahnverkehr, aus überörtlicher Sicht zu prüfen“, erläuterte Michael Astner von der Bauabteilung. Eine zentrale Bedeutung hätte die Frage, ob und wie sich erkennbare Nutzungskonflikte in Einklang mit einer nachhaltigen Raumentwicklung bringen lassen.

Berater des Bundestags berät Raubling

Die Gemeinde Raubling hat einen Experten mit in den Zug genommen und um eine Ausarbeitung einer Stellungnahme zum ROV betreffend der „VKN Reischenhart“ beauftragt. Universitätsprofessor Dr. Ing. Eberhard Hohnecker (Ebersbach) verfügt über jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der Eisenbahntechnik und berät unter anderem den Deutschen Bundestag betreffend Maßnahmen zur Aufwandsreduzierung bei Ausbau und Neubau von Eisenbahnstrecken. Seine Stellungnahme soll als Anlage dem Raublinger Schriftstück angefügt werden und untermauert dieBedenken des Raublinger Rats.

Bei drei der fünf Varianten am stärksten betroffen

Neben dem seitenweise aufgelisteten gravierendenden Nachteilen der „VKN Reischenhart“, die Geschäftsführer Stefan Landprecht vorlas, war zu entnehmen, dass die Gemeinde Raubling unabhängig davon bei drei von fünf Varianten die am stärksten betroffene Gemeinde im Inntal sei. Dies gelte insbesondere für den Lärm und den Flächenverbrauch.

Eingriff in die Planungshoheit

Nach einer neueren Rechtssprechung des Bundesverwaltungsgerichts kann sich eine Gemeinde wehren, werden durch überörtliche Vorhaben das Ortsbild und die Entwicklung der Gemeinde entscheidend beeinflusst. Das sei hier eindeutig der Fall. „Die VKN ist verkehrstechnisch wirkungslos und führt zu unverhältnismäßigen Nachteilen für die Gemeinde Raubling“, resümiert der Bürgermeister.

Bedarf nicht dargelegt

Wie andere Experten auch, hatten auch die Beauftragten der Gemeinde Raubling festgestellt, dass der Bedarf für ein drittes und viertes Gleis im Inntal nicht nachvollziehbar dargelegt wurde. Damit gebe es aber auch keine sogenannte Planrechtfertigung. Und ohne diese sei das Raumordnungsverfahren schon aus formalen Gründen hinfällig.

„Verkehrstechnisch sinnlos“

Angemerkt wurde auch, dass Verknüpfungsstellen ein eigenes Planfeststellungsverfahren brauchen, im Raumordnungsverfahren gar nichts zu suchen hätten. Verkehrstechnisch sinnlos seien die Verknüpfungsstellen sowieso, denn bei der geplanten Taktung des Personenverkehrs passe bestenfalls ein Güterzug zwischen die Personenzüge, der an der nächsten Verknüpfungsstelle aber wieder auf die Bestandsstrecke wechseln müsse.

Wohngebiete und Felder bedroht

Der Flächenverbrauch der VKN Reischenhart sei derart groß, dass viele landwirtschaftliche Betriebe bedroht seien, in Aich und Unteraich führe die olivfarbene Trasse gar mitten durch die Wohnbebauung. Alle drei Trassen westlich des Inns schränkten die Entwicklung der Gemeinde Raubling ein und sind deshalb abzulehnen.

Die Gemeinderäte waren offensichtlich zufrieden, denn die Hände der Gremiumsmitglieder gingen bei der Abstimmung zügig, diskussionslos und allesamt nach oben und der Rathauschef folgerte zufrieden im Schlusswort: „Auf dieser Grundlage kann die Stellungnahme aus Raubling rausgehen“.

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