Gemeinde Oberaudorf zum Brenner-Nordzulauf: Mensch und Umwelt entlasten

In drei von fünf vorgestellten Grobtrassenentwürfen ist eine Verknüpfungsstelle von alter und neuer Bestandsstrecke eingetragen. Die Niederaudorfer Landwirte bangen deshalb um ihre Flächen. klinger

Erneut bestimmte der Brenner-Nordzulauf die Gemeinderatssitzung in Oberaudorf. „Es ist Zeit zu handeln“, waren sich die Gemeinderäte einig. Die dem Gremium zur Beschlussfassung vorliegenden Detailanträge haben ein Ziel: die Entlastung von Mensch und Umwelt vor gesundheitsschädlichen Lärm- und Abgasen.

Oberaudorf

Für eine unterirdische und/oder im Gebirgsmassiv geführte Neubaustrecke sprachen sich Gemeinderat Magnus Waller (CSU) und die Interessengemeinschaft Inntal 2040 im vorgelegten Antrag aus. Die Antragsteller beziehen sich dabei auf eine Resolution, die schon 2011 von den Inntal-Bürgermeister formuliert worden war. Eine Verknüpfungsstelle im Gemeindebereich Oberaudorf sei abzulehnen.

Der beantragte Streckenlauf vermeide weitgehend den Flächenfraß zulasten der Landwirtschaft und komme ohne das Absiedeln von Siedlungsbauten aus, heißt es weiter.

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Statt der Bereitstellung der durch den Bau einer Neubaustrecke eventuell nötig werdenden Ausgleichsflächen sollen Ausgleichszahlungen geleistet werden. Nur so könne im Landschaftsschutzgebiet Inntal eine weitere Flächenminderung zulasten der Landwirtschaft vermieden werden. Magnus Waller weiter: „Wobei bei einer Untertunnelung bedeutend weniger an Ausgleichsflächen von Land- und Forstwirtschaft benötigt werden und so entlang der Neubaustrecke weiterhin aktive Landwirtschaft betrieben werden kann.“

Auswirkungen auf Tourismus

Wie berichtet, bangen Landwirte aus Niederaudorf um ihre Flächen, sollte eine in den Grobtrassenentwürfen enthaltene Verknüpfungsstelle in der Gemeinde Oberaudorf umgesetzt werden.

Nach intensiver Diskussion, die sich vor allem um Formelles drehte, wurde der Antrag erweitert, um die zentrale Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft für die Gemeinde Oberaudorf herauszustellen. Gerade die Pflege der Almflächen durch die Landwirte sei für den nachhaltigen Tourismus vor Ort essenziell.

Die Antragsteller bringen es abschließend auf den Punkt: „Aus all diesen angeführten Gründen darf deshalb die finanziell günstigste Trassenvariante im Auswahlverfahren nicht maßgebend sein. Es muss durch den Brenner-Nordzulauf Inntal ein echter Mehrwert im Inntal enstehen.“

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Auf Antrag der Freien Wähler Oberaudorf sollen in Schreiben an das Verkehrsministerium, an die DB Netz AG, das Eisenbahn Bundesamt und die Bayerisches Staatskanzlei Lärmvorsorgemaßnahmen als Vollschutz, zumindest nach Neubau-Standard, gefordert werden.

Bereits beschlossene Lärmschutzmaßnahmen sollen umgehend umgesetzt werden.

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FW-Gemeinderat Stephan Bruhn begründet dies damit, dass sich unabhängig vom Zustandekommen einer Neubaustrecke außerhalb des Ortskerns von Oberaudorf die Anzahl der Güter- und Personenzüge ab der Eröffnung des Brenner-Basistunnels in etwa verdoppeln werde. Dies werde bis zumindest zum Jahr 2038 (geplante Fertigstellung einer Neubautrasse) zu einer erheblichen Zunahme des Bahnlärms für den Ort führen. Die Anträge wurden vom Gemeinderat einstimmig befürwortet.

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