AUS DEM GEMEINDERAT

Gemeinde Kiefersfelden: Nein zu Schneekanone und Kühlturm

Der Wintersportverein in Kiefersfelden will mithilfe einer Schneekanone auf dem Mesnerhang bessere Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten für Sportler schaffen. Doch der von ihnen gestellte Antrag dazu, wurde vom Gemeinderat Kiefersfelden abgelehnt.
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Der Wintersportverein in Kiefersfelden will mithilfe einer Schneekanone auf dem Mesnerhang bessere Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten für Sportler schaffen. Doch der von ihnen gestellte Antrag dazu, wurde vom Gemeinderat Kiefersfelden abgelehnt.
  • vonFranz Hoffmann
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Der Wintersportverein Kiefersfelden (WSV) möchte für seinen Nachwuchs bessere Trainingsmöglichkeiten schaffen und beantragte deshalb in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Beschaffung einer Schneekanone mit Pumpstation und Kühlturm. Doch das Gremium war nicht überzeugt.

Kiefersfelden – Mit den aktuellen sportlichen Erfolgen aktiver Vereinsmitglieder wie Romed Baumann (WM-Silber im Super-G) oder Pius Paschke (WM-Silber Skiflug-Mannschaft) im Rücken, beantragte der Wintersportverein (WSV) in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Kiefersfelden die Beschaffung einer mobilen Schneekanone mit transportabler Pumpstation und Kühlturm. Obwohl der Großteil des Gremiums von der Idee grundsätzlich angetan war, wurde der Antrag letzten Endes mit 13:7 Stimmen abgelehnt.

Besseres Training für Nachwuchs schaffen

Bernhard Holzner, Vorsitzende des WSV, war mit Andreas Horn, Vereinskollege und Leiter des gemeindlichen Hoch- und Tiefbauamts, in der jüngsten Sitzung. Zusammen führten sie ihre Idee näher aus: „Wir wollen mit der Schneekanone bessere Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten für unsere Sportler schaffen, vor allem für den Nachwuchs“, erklärte Holzner. Die Bereiche, in denen die Schneekanone aufgestellt werden soll, sind zum einen der zum alpinen Wintersport genutzte „Mesnerhang“, mitten im Ort und zum anderen das Langlaufzentrum im Hochtal Mühlau-Dörfl.

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Der technische Aufwand für die erstmalige Beschneiung des Mesnerhangs umfasse in rund 80 Betriebsstunden oder sechs Beschneinächten der Kanone etwa 2000 Kubikmeter Kunstschnee, gewonnen aus 800 Kubikmetern Wasser. Dieser könne dann auf dem 220 Meter langen und 30 Meter breiten Skihang verteilt werden. „Und der Betrieb dabei ist leise“, sagte Horn. Für den Bereich der zwei Kilometer langen und vier Meter breiten Langlaufloipe im Mühltal müssen laut Horn 90 Betriebsstunden (sieben Beschneinächte) einkalkuliert werden. Der Wasserverbrauch dafür belaufe sich auf 1000 Kubikmeter.

„Das sind sehr gute Plätze, relativ schattig und kalt, allerdings müsste noch die Strom- und Wasserversorgung gesichert werden“, ergänzte Horn. Auch dazu läge bereits ein Teilvorschlag auf dem Tisch, der notwendige Wasserentnahmen aus Hydranten, Bächen und eventuell einem Zwischenspeicher vorsehe. Ob dies dann auch so funktioniere, könne im Probebetrieb mit einer angemieteten Schneekanone, die beim Landratsamt Rosenheim beantragt werden müsse, getestet werden, fügte Holzner hinzu. „Für den Probelauf werden etwa 20000 Euro fällig, nicht eingeschlossen darin die Strom- und Wasserkosten, wobei jedoch die Mietkosten dann bei einem späteren Kauf uns angerechnet werden würden“. Die Anschaffungskosten seien auf den ersten Blick happig. Jeweils 35 000 Euro kosten Schneekanone und Kühlturm, nochmals 80 bis 100 000 Euro kommen für Installationsarbeiten hinzu, auch die jährlichen Betriebskosten würden sich auf rund 20000 Euro summieren. Für den technischen Aufwand des Betreibens der Anlage verweist Horn auf „eine weitestgehend selbstständige und automatische Beschneiung“, die über eine App und den Computer gesteuert werde.

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Bürgermeister Hajo Gruber (UW) erinnerte sich, dass das schon einmal ausprobiert wurde. „Wir sind aber damals an der Wasserversorgung gescheitert.“ Aber er stellte auch fest, dass der Mesnerhang immer gefragt sei, sobald Schnee falle. Außerdem, schob er nach, dass es ein „relativ billiges Vergnügen für alle Kinder mitten im Dorf“ sei. Vorteile sieht er auch in der Ökobilanz, „denn der oftmals aufwändige Transport in die auswärtigen Skigebiete ist ökologisch deutlich problematischer“. Sicher sei er sich, dass man dann auch im Mühltal den Ski-Langläufern „bestens präparierte Loipen von Dezember bis März“ bieten könnte.

„Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, so Albert Weingart (Grüne), denn der Gemeinderat ist zum einen aktives Mitglied im WSV, andererseits auch Natur und Umwelt verbunden. Letzterem räume er oberste Priorität ein. Dazu kämen auch noch die hohen Strom- und Wasserkosten. Ebenso die Lärmbelastung würde enorm sein. Deshalb sei der Antrag für ihn ein „absolutes NoGo“.

Nachbarsgemeinde Oberaudorf besitzt Beschneiungsanlage

Michael Dünkel (UW) sei von der Idee zwar „grundsätzlich begeistert, aber nüchtern betrachtet sei das ein enormer Aufwand und deshalb abzulehnen – zumal auch die Belastung der Anlieger durch die Beschneiungsnächte „nicht unerheblich“ sein dürfte. Für Tobias Fritz (CSU) ist der WSV-Antrag „ein ökologischer Irrsinn“. Eher sollte man sich mit Oberaudorf zusammentun, findet er. „Die haben schon eine Beschneiungsanlage. Das wäre sicher billiger und sinnvoller“. Obwohl Gruber vor der Abstimmung nochmals auf den „sicher positiven sportlichen und sozialen Aspekt der Idee“ verwies, lehnte das Gremium den Antrag ab.

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