„Im Geiste verbunden bleiben“: Kirchenglocken läuten durch die Corona-Krise

Die Glocken von Kirchen, zumindest katholischen, läuten um 12 Uhr mittags sowieso. In Zeiten der Corona-Krise fordern Pfarrverbände die Menschen auf, innezuhalten und zu beten. dpa
+
Die Glocken von Kirchen, zumindest katholischen, läuten um 12 Uhr mittags sowieso. In Zeiten der Corona-Krise fordern Pfarrverbände die Menschen auf, innezuhalten und zu beten. dpa

„Wir rufen dazu auf, um 12 Uhr kurz innezuhalten und entweder zu beten oder einfach gute Gedanken ‚auszusenden’.“ So sei ein gemeinsamer Gottesdienst in Zeiten der Corona-Pandemie auch aus der Entfernung möglich. Das ist für viele Kirchengemeinden der Beweggrund, dass jeden Tag um 12 Uhr die Glocken läuten.

BadEndorf/Prutting/Vogtareuth/Stephanskirchen– Jeden Tag läuten in den Gemeinden um 12 Uhr die Glocken. Soweit ist das nichts Besonderes. Aber in Zeiten, in denen wegen des Coronavirus die Gottesdienste in den Kirchen ausfallen müssen, bekommen sie laut Ursula Stacheder, Gemeindereferentin des Pfarrverbandes Bad Endorf, neue Bedeutung.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

„Es sollen auch nicht nur gläubige Menschen, die sonst in die Kirche gehen, mitmachen, sondern alle anderen auch“, bekräftigt Stacheder. „Positive Gedanken kann jeder schicken“, ist sie überzeugt.

Nicht nur in Bad Endorf, sondern auch im Pfarrverband Prutting-Vogtareuth fordert man die Bürger zum gemeinsamen Beten zur Mittagszeit auf. „Damit wir im Geiste miteinander verbunden bleiben im Pfarrverband“, meint Gemeindereferentin Katharina Hauer. „Den Menschen fehlt der Gottesdienst, aber durch das gemeinsame Gebet bleiben sie in Kontakt, was auch immer geschieht.“

Ökumenische Gemeinschaftsaktion

Die Idee dahinter sei eine ökumenische Gemeinschaftsaktion. Die Glocken der evangelischen Kirchen im Pfarrverband Bad Endorf hätten bisher um 12 Uhr nicht geläutet, doch jetzt ertönen auch von ihnen Klänge. Ebenso in Stephanskirchen an der evangelischen Heilig-Geist-Kirche.

Lesen Sie auch: Corona-Ticker

Diese ist zudem täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet – zum stillen Gebet, zum Innehalten, Ruhe finden oder Kraftschöpfen. Und wer will, kann eine Kerze anzünden, was in evangelischen Kirchen sonst eher nicht üblich ist.

Großer Zusammenhalt in Kirchengemeinden

Der Zusammenhalt in den Kirchengemeinden ist überhaupt groß. Viele Pfarrgemeinden bieten Einkaufs- und andere Hilfsdienste an. „Bürger über 80 Jahre bekommen von uns eine Postkarte mit aufmunternden Worten. Auf ihr steht auch, dass sie sich bei uns jederzeit melden können.“ Viele ältere Menschen wären oft einsam. „Die Karte soll ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind“, so Stacheder.

Licht einer Kerze als mentale Verbindung

Der Pfarrverband Endorf lädt zudem alle Bürger dazu ein, jeden Abend um 20 Uhr eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen, um „aneinander zu denken und Segen für die Nacht zu erbitten“. „Das Licht einer Kerze ist so positiv – wenn das alle in der Nachbarschaft machen, entsteht eine mentale Verbindung.“

Kommentare