Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Unverständnis, Fassungslosigkeit und Wut“

Zoff um Nutzung des Kloster Reisach: „Tatort“-Team darf rein, Vereine nicht

„Wunder gibt es immer wieder“:
+
„Wunder gibt es immer wieder“:
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Nichts gegen den „Tatort“. Aber warum dürfen die Münchner Kommissare, was wir nicht dürfen? Das denkt sich Günther Schmid, wenn‘s um Kloster Reisach geht. Es soll sich nun was tun, heißt es von den Behörden, möglicherweise dürfen die Vereine das Kloster bald nutzen. Doch scheint Skepsis angebracht.

Oberaudorf – Sie sind ehrenvoll im Dienst ergraute Fernsehkommissare, geradezu Urgesteine, die beiden Ermittler Ivo Batic und Franz Leitmayr alias Miroslav Nemec und Udo Wachveitl. An ihnen liegt es nicht, wenn Günther Schmid seit den „Tatort“-Dreharbeiten in Kloster Reisach auf 180 ist. Es liegt an den zweierlei Maßstäben: „Warum dürfen die das und wir nicht?“ Das fragt sich Günther Schmid, seit er von den Dreharbeiten erfahren hat.

„Wir“, das sind die Gruppen und Vereine „von der Frauengemeinschaft bis zum Männerchor“, die sich in der Dorfgemeinschaft Niederaudorf zusammengetan haben. Deren Sprecher ist Günther Schmid. die drüfen nicht mehr rein ins Kloster. Weil es nicht freigegeben ist. Das Staatliche Bauamt Rosenheim hat das verfügt. Wegen baulicher Mängel.

Zorn auf den Freistaat

„Die“, das sind die Filmleute aus München. Und deren Auftauchen in Kloster Reisach hat Günther Schmid daran erinnert, dass seit Längerem nichts vorangeht, nicht für die Gebäude des geräumten Klosters, nicht für die Vereine im Ort, die – anders als das „Tatort“-Team – nichts in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters der Unbeschuhten Karmeliten machen dürfen.

„Unverständnis, Fassungslosigkeit und Wut“ äußert Schmid in einer Reaktion auf die OVB-Berichterstattung über die „Tatort“-Dreharbeiten. Zorn auf den Freistaat, nicht das Filmteam äußert er auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Ebenfalls interessant: Der letzte Karmelit geht: Abschied von Pater Matthäus vom Kloster Reisach in Kiefersfelden

Die Begründung des Bauamts für die Sperre –weil durch „bauliche Mängel die Verkehrssicherheit und der Brandschutz in den entsprechenden Teilbereichen“ nicht gewährleistet werden können – lässt Schmid nicht gelten. Müssen für Vereine strengere Sicherheitsvorschriften gelten als für eine Film-Crew? Über den Tatort-Dreh habe man nicht zu entscheiden gehabt, heißt es aus dem Bauamt: „Mit den Produktionsfirmen gibt es entsprechende vertragliche Vereinbarungen mit dem Freistaat Bayern.“

Wer hat wo das Sagen im Kloster?

Wer nun künftig über die Rolle und Nutzung des Gebäudes zu entscheiden hat, ist schwierig zu klären. Die Verantwortung liegt zunächst beim Ministerium für Kultus und Unterricht – mit Betonung auf das Wort „Kultus“. Dort erfolgt nach Auskunft eines Sprechers „die Abwicklung des kirchlichen Nutzungsrechts“, und zwar unter Mitwirkung „weiterer Behörden“.

Die Entscheidung über die Freigabe für diverse Nutzung hat das Ministerium an das Staatliche Bauamt delegiert, das aber eben genau im Tatort-Fall nicht mitredete. Wer? Das war bis Redaktionsschluss nicht herauszufinden, auch die Staatskanzlei schwieg.

Es können viele Stellen mitsprechen

Mitsprache können neben der Diözese einige weitere Mitspieler reklamieren, von verschiedenen Ministerien, in deren Fachbereich eine künftige Nutzung liegen könnte, bis hin zu den heimgekehrten Karmeliten. Eine nicht gerade einfache Gemengelage. Und die Diskussion über die Zukunft des historischen Gebäudes wird dadurch verkompliziert, dass die Sanierungs- und Unterhaltungskosten erwartbar hoch sein werden.

Wer sich zuerst über eine zukünftige Nutzung äußert, bringt sich womöglich in Zugzwang. Schnell wird da nichts vorangehen, so viel scheint klar. Was die weitere Nutzung von Grundstücken betrifft, werde die Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) „eine Staatsbedarfsprüfung“ durchführen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Bei einer zukünftigen Nutzung seien Fragen des Denkmalschutzes wie auch des Respekts vor dem Kirchengebäude zu beachten.

Am Ende muss das Bauamt entscheiden

Was die Anfragen für Vereine betrifft, ist nach Auskunft des Kultusministeriums dann aber doch wieder Rosenheim zuständig: „Die Gestattung der Nutzung vor Ort obliegt dem Staatlichen Bauamt.“ Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt versteht den Ärger Schmids „voll und ganz“, verweist auf auch das überragende Engagement der Dorfgemeinschaft für Kloster und Brüder hin. Er äußert sich aber optimistisch, dass mit dem Bauamt eine Vereinbarung gefunden werden könnte. Das bestätigt das Bauamt: Es gebe einen Vertragsentwurf.

Später wäre es denkbar, dass zum Beispiel ein Institut für Mobilitätsforschung ins Kloster einzieht – dann hätte man in Gestalt von Wissenschafts- oder Verkehrsministerium noch zahlungskräftige Partner im Boot.

Lesen Sie auch: Verkehrsforschung am Ort der Einkehr? Kühne Pläne für Kloster Reisach

Günther Schmid und so viele andere im Inntal warten derweil, dass den Ankündigungen endlich Taten folgen, wie Schmid sagt. Seit Jahrzehnten ist er dem Kloster verbunden, erst als Messdiener, jetzt noch immer als Sänger im Kirchenchor. An das Motto des Tatort-Titels – „Wunder gibt es immer wieder“ – mag er derzeit nicht recht glauben. Und so ist er seit einiger Zeit über die Politik gründlich verstimmt. „Es ist Wut in mir, wenn ich an Kloster Reisach denke“, sagt er.

Mehr zum Thema

Kommentare