Für den Gaumen, nicht gegen Corona: Bad Feilnbacher Obstler bleibt Obstler

Den Destillationsprozess zur Herstellung trinkbarer Obstbrände erläutert Simon Eder, der die Tradition der Obstbrandherstellung am Wachingerhof weiterführt. Strim

Desinfektionsmittel aus heimischem Obst? Bringt nichts, sagen die Bad Feilnbacher Brenner. Warum sie meinen, dass sie auch in Zeiten der Corona-Krise lieber beim Obstbrand bleiben sollten, erklärten sie den OVB-Heimatzeitungen.

Bad Feilnbach – In Zeiten, in denen Corona das Leben bestimmt, genießt der Schutz gegen Ansteckung Priorität. Dort, wo es vorgeschrieben ist, wird auch in Bad Feilnbach Mund- und Nasenschutz getragen. Und sonst? War eben dort, in Bad Feilnbach, das Thema „Desinfektion“ in aller Munde. Und zwar wortwörtlich.

Denn in die Gespräche wegen der Beschaffung von Desinfektionsmitteln für medizinische Einrichtungen wie Kliniken und Praxen, aber auch für Geschäfte und Verwaltungen, wurde vor einigen Tagen auch die Bad Feilnbacher Obstanbauregion einbezogen, vor allem die Erzeuger von hochprozentigen Obstbränden.

Obst gibt als Corona-Killer wenig her

Generell waren sich die Bad Feilnbacher Brenner einig: Sie erzeugen aus naturbelassenem heimischen Obst keine Desinfektionsmittel, beziehungsweise den dazu notwendigen hochprozentigen Alkohol, sondern ausschließlich reine und trinkfähige Obstbrandprodukte.

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Warum Bad Feilnbachs Brenner nichts anderes als ihre bekömmlichen Produkte in Form von Obstler, Kirschgeist, Zwetschgen- und Birnenbrand oder anderen Köstlichkeiten aus heimischen Obstsorten herstellen, erklären Edelbrand-Sommelier Christian Eder und Sohn Simon vom Wachingerhof in Bad Feilnbach. „Unsere Anlagen sind technisch nicht dafür ausgerüstet, große Mengen an Alkohol mit der vorgegebenen Reinheit für Desinfektionszwecke herzustellen“, so sagten es die beiden traditionsreichen Obstbrandhersteller. Sie sprechen damit auch für die Obstbrenner in der Region. Der im Prozess der Obstbranderzeugung anfallende, nicht trinkbare „Sprit“ sei viel zu wenig und lohne sich für heimischen Brenner nicht.

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Aus einem Brand mit circa 120 Litern Maische falle höchstens ein halber Liter Ethanol an, und dessen ätherische Öle taugten gerade einmal zum Einreiben. „Erheblich größer als bei Obst ist der Anteil an nicht trinkfähigem Alkohol bei stärkehaltigen Lebensmitteln wie Getreide oder Kartoffeln“, erklärt Simon Eder. Die Ausbeute an ungenießbarem Alkohol liege um das Zehnfache höher als bei der Obstbranddestillation.

Brennrechte sind limitiert

Auch seien die Brennereien mit bis zu 60 sogenannten „Böden“ zur Herstellung von 95-prozentigem Reinalkohol eigens dafür ausgelegt, größere Chargen zu erzeugen. Zur Herstellung von reinem und – das sei an dieser Stelle ausdrücklich betont – trinkbaren Obstbrand seien für die Obstbrenner dagegen nur drei „Böden“ ausreichend.

„Für die Herstellung von nicht trinkbarem Sprit oder auch zur Desinfektion geeignetem Alkohol gibt es keine Abgabe von Steuern und keine Kontingente“, informiert Eder. Trinkbare Obstbranderzeugnisse dagegen unterlägen einer sehr hohen Besteuerung. Zudem seien die Brennrechte für die traditionsreichen Brenner auf 300 Liter Obstbrand pro Jahr limitiert.

Christian Eder und sein Sohn Simon, der die Obstbrennerei auf dem Wachingerhof erhalten möchte, sind - wie alle im Gemeindebereich tätigen Obstbrenner - stolz auf ihre Produkte. Denn, so sehen sie es: Der vorsichtige und verantwortungsvolle Genuss von Obstbrand zu besonderen Gelegenheiten könne ja möglicherweise ein Beitrag zur Stärkung des seelischen U

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