Garten im Wandel der Zeiten

Vorsitzender Raimund Ratzka vom Obst- und Gartenbauverein Stephanskirchen begrüßte zahlreiche Mitglieder und Interessierte zur Jahreshauptversammlung im Gasthaus Antretter. Auch Ehrenvorsitzende Maria Sandbichler und Bürgermeister Rainer Auer waren gekommen.

Stephanskirchen - Kurz fiel der Rechenschafts- und Kassenbericht des Vorstandes aus, den Vorsitzender Ratzka und Kassiererin Edda Schubert gaben, gefolgt vom Rückblick auf das abgelaufene Vereinsjahr 2013, den Schriftführerin Karin Häusler im Zeitraffertempo absolvierte. Stichworte im Jahresrückblick waren der Pflanzenflohmarkt rund um die Kirche, der leider arg verregnet war, sowie die Besichtigungen einiger "Vorzeigegärten" in Bad Aussee zur Zeit der Narzissenblüte. Und auch das fast schon obligatorische Kräuterkranzbinden als Beitrag zum gemeindlichen Ferienprogramm fand entsprechende Erwähnung.

Die Pläne für das laufende Vereinsjahr stellte stellvertretende Vorsitzende Irmgard Baumann vor. Im Mai ist erneut ein Pflanzenflohmarkt auf dem Rathausplatz im Ortsteil Schloßberg vorgesehen und der Jahresausflug wird heuer zum Bodensee, zur Blumeninsel Mainau und zur Gemüseinsel Reichennau führen. Auf der Insel Reichenau können die ältesten Klöster, noch von Kaiser Karl dem Großen errichtet, besichtigt werden. Anmeldung zur Fahrt bei Irmgard Baumann. Und auch dieses Jahr ist der "Kleine Apfelmarkt" im Ortsteil Hofau beim ehemaligen "Café am Baum" vorgesehen, in der Hoffnung, dass diesmal Petrus mitspielt.

Mit der Behauptung "Das letzte Refugium unserer Tage ist der Garten" leitete Referent Thomas Janschek, studierter Gartenbauexperte aus Weihenstephan, seinen mit Spannung erwarteten, kulturhistorischen Vortrag "Geschichte und Gegenwart der Gartengestaltung" ein, um dann bei "Adam & Eva im Garten Eden" zu beginnen. Adam, so Referent Janschek, sei der Jäger gewesen, während Eva Früchte im Garten Eden gesammelt habe und deshalb "als erste Gartlerin" gesehen werden dürfe. Die Heilige Gertra(u)de, Äbtissin des Klosters Nivelles, gilt auch heute noch als Schutzpatronin der Gärtner. Um die Gartenkultur hat sich auch Kaiser Karl der Große verdient gemacht, denn er verfügte, dass in seinem Reich 72 Pflanzen, darunter auch Hopfen, angebaut werden durften.

Referent Janschek streifte in seinem humorvollen Vortrag die aufeinanderfolgenden, gartengeschichtlichen Phasen, die sich als Pendant in der jeweils herrschenden Gesellschaft widerspiegeln. So skizziert er zuerst den Kloster- und Mariengarten, der dann im Mittelalter dem Renaissancegarten und im Barock den Orangerien und den Lustgarten Platz machen musste. Hunger und Elend brachten mit sich, dass der Garten, besonders in Nachkriegszeiten, als "Versorgungsgrundlage" herhalten musste. Seinen Spaziergang durch die Gartenkultur schloss Gartenfachmann Janschek mit der hintergründigen Frage: "Wir Deutschen sehnen uns nach dem Garten, aber verstehen wir die Natur und die kostbare Oase, den der Garten als Raum für Ruhe einerseits und Kommunikation andererseits uns bietet?" Langen Beifall gab es denn auch sowohl für die humorvoll vorgetragene Kulturgeschichte des Gartens als auch für die heutige Bedeutung des Gartens, dem "letzten Refugium unserer Tage". je

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