Flintsbacher Burschenverein und Bürger bauen Fieberambulanz vor Arztpraxis

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Ab an die Nähmaschinen:Maruis Reitberger, Irmi Baumann, ich Evi Faltner und Franz Königbauer (von links) sowie zahlreiche Ehrenamtliche aus Flintsbach und Brannenburg haben Gesichtsmasken genäht.
  • vonTina Blum
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Der Flintsbacher Burschenverein hat sein Partyzelt einer Arztpraxis zur Verfügung gestellt, damit die Ärzte dort Corona-Patienten behandeln können. Unterstützung beim Bau des Zelts gab es von zahlreichen Bürgern. Bei einer Aktion des Mehrgenerationenhauses nähten viele Ehrenamtliche Gesichtsmasken.

„Wir müssen helfen, wo zu helfen ist“, sagt Robert Nitsche, Vorsitzender des Flintsbacher Burschenvereins. Deswegen stand es für ihn und seine Burschen gar nicht zur Debatte, als Arzt und Vereinsmitglied Dr. Florian Bonke am Freitagmorgen anfragte, ob er und sein Bruder Dr. Felix Bonke das Partyzelt für ihre Praxis leihen dürfen. In dem Zelt wollen sie natürlich keine Corona-Partys feiern, sondern dort werden Patienten mit einem begründeten Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus behandelt.

Ausgestattet mit Mundschutzund viel Elan haben Bürger und der Burschenverein ein Fieberzelt für Corona-Patienten neben der Praxis von Florian und Felix Bonke in Flintsbach aufgebaut. Franz Astner

„Am Freitag um 9 Uhr morgens habe ich den Burschenverein gefragt, ob wir das Zelt haben können. Um 11.30 Uhr stand es fertig da“, berichtet Florian Bonke. Samt Strom und Heizung. Da Patienten mit Verdacht auf Corona nicht in die Praxis kommen können, haben es die Ärzte zunächst mit Hausbesuchen versucht. Doch das sei nicht stemmbar gewesen. Also musste eine Lösung her, denn: „Patienten mit Lungenentzündung und anderen schweren Symptomen, müssen wir sehen, um sie zu behandeln.“ Diese dürfen jedoch nicht in die Praxis, um Ansteckungen zu vermeiden.

Corona-Aufklärung über Social Media

Florian und Felix Bonke beobachten die Entwicklungen rund um das Coronavirus von Anfang an und tauschen sich auch mit anderen Kollegen im Landkreis aus. In den sozialen Medien stellen sie regelmäßig Videos online und klären über das Virus auf. Dabei beantworten sie Fragen rund um das Virus und informieren nicht nur ihre Patienten, sondern alle, die besorgt sind und damit nicht unbedingt zu ihrem Arzt gehen wollen. 

Bei Facebook und Instagram geben sie auch einen Einblick in das Zelt, das sie als Fieberambulanz vor ihrer Praxis aufgebaut haben und erklären, welche Behandlungsmöglichkeiten ihnen dort zur Verfügung stehen.

Da Florian Bonke selbst Mitglied des Burschenvereins ist, kam er auf die Idee mit dem Zelt. Und Robert Nitsche, Vereinsvorsitzender, fackelte nicht lange und trommelte zahlreiche Helfer zusammen. „Man muss halt zusammenhalten“, sagt Nitsche. Denn der ursprüngliche Grundsatz des Burschenvereins sei es, kranken und hilfsbedürftigen Männern Unterstützung zu bieten. „Und wir unterstützen alle kranken und hilfsbedürftigen Flintsbacher.“

„Die Hilfe aus der Bevölkerung war überwältigend“

Für Florian und Felix Bonke kam diese Hilfe sehr recht: „Wir sind handwerklich – außer chirurgisch – maximal unbegabt. Die Hilfe aus der Bevölkerung war überwältigend“, sagt Florian Bonke. Denn am Sonntag hatte Holger Steiner aus Flintsbach einen Aufruf über Whatsapp gestartet, um weitere Helfer zu akquirieren. „Innerhalb von kürzester Zeit war die Gruppe voll und ich musste eine zweite eröffnen“, sagt Steiner. 257 Menschen seien bin der ersten Gruppe, die zweite Gruppe zähle über 100 Mitglieder.

Die freiwilligen Helfer sorgten schließlich dafür, dass das Zelt einen Boden bekam. Auch Biertischgarnituren für die Innenausstattung des Zelts wurden gespendet. Damit die Fieberambulanz, das Zelt vor der Praxis der Ärzte, problemlos aufgestellt werden kann, gab es auch Unterstützung von Seiten der Gemeinde. „Ich bin sehr froh, dass wir zwei so junge und innovative Ärzte in Flintsbach haben. Deswegen sollten sie sich keine Gedanken wegen irgendwelcher Genehmigungen machen“, sagt Stefan Lederwascher, amtierender Bürgermeister von Flintsbach. Damit die Ärzte ihre Patienten in Ruhe behandeln können, hat Lederwascher dafür gesorgt, dass in der Straße vor ihrer Praxis ab jetzt Tempo 30 herrscht.

Mehr ambulante Behandlungsräume für Corona-Patienten notwendig

Die ersten Patienten haben Florian und Felix Bonke schon am Freitag behandeln können. Über das gesamte Wochenende betreuten sie in ihrem Fieberzelt die Kranken. „Wir können nur Patienten behandeln, die zuvor schon eine Video- oder Telefonsprechstunde hatten und eine Überweisung von ihrem Hausarzt erhalten haben“, erklärt Florian Bonke. Es könne also nicht jeder unangemeldet vorbeikommen. Wichtig sei nun, dass auch andere Ärzte im Landkreis diesem Konzept folgen. Denn auch die Kapazitäten der Flintsbacher seien nicht darauf ausgerichtet, um Patienten aus dem gesamten Landkreis zu behandeln. Doch noch bieten zu wenige Arztpraxen eine Ambulanz für ihre Patienten, die möglicherweise an dem Coronavirus erkrankt sind.

Große Nähinitiative vom Mehrgenerationenhaus

Gemeinsam angepackt haben auch zahlreiche Frauen aus Flintsbach und Brannenburg beim Nähen von Gesichtsmasken. Sie sind damit dem Aufruf desChristlichen Sozialwerks gefolgt. „So viele Freiwillige haben sofort an die Nähmaschinen gesetzt“, sagt Eva Faltner, stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins. „Die selbst genähten Masken sind zwar kein Infektionsschutz, aber sie reduzieren den Tröpfchen Austausch“, erklärt Eva Faltner. Bei einer Infektion helfen nur sogenannte FFP 2- und FFP 3-Masken.

Diese wiederum haben zahlreiche Firmen und Unternehmen aus Brannenburg, Flintsbach und dem ganzen Landkreis gespendet. Auch Florian und Felix Bonke freuen sich über die Unterstützung: „Wir erhalten täglich Spenden und Geschenke. Die Sicherheitskleidung teilen wir dann unter uns und anderen Kollegen auf und helfen einander aus“, sagt Florian Bonke.

Ausgangsbeschränkungen: Kontakt zu Senioren halten

Das Christliche Sozialwerk und die vielen ehrenamtlichen Helfer versuchen, zu helfen, wo es nur geht. „Dadurch dass unsere Tagespflege weggefallen ist, telefonieren unsere Mitarbeiter regelmäßig mit den Senioren und deren Angehörigen“, berichtet sie. Gerade Familienmitglieder, die plötzlich zu Pflegenden werden, benötigten jetzt Unterstützung.

Aber auch Senioren, die noch vor Kurzem zum Mittagessen oder zum Sport ins Mehrgenerationenhaus nach Flintsbach kamen, dürfe man nun nicht im Stich lassen. Regelmäßige Telefonate, bei denen sich die Mitarbeiter erkundigen, wie es ihnen alleine zu Hause ergeht, stehen an der Tagesordnung. Zudem habe man schon vor zwei Wochen einen Einkaufs- und Lieferservice eingerichtet.

Beim Einkaufen wollen auch die Flintsbacher Burschen künftig mithelfen. „Wir stehen in engem Austausch mit dem Haus der Generationen und bringen uns ein, wo wir gebraucht werden“, sagt Robert Nitsche.

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