Flintsbach: Hildegard Stuhlreiter pflegt seit über 30 Jahren den Kirchenfriedhof St. Martin

Im Herbst bietet der Kirchenfriedhof St. Martin in Flintsbach mit seinem herabfallenden Laub und den Kreuzen aus Schmiedeeisen einen besonderen Blickfang. Weiß
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Im Herbst bietet der Kirchenfriedhof St. Martin in Flintsbach mit seinem herabfallenden Laub und den Kreuzen aus Schmiedeeisen einen besonderen Blickfang. Weiß
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Gerissen hätte sie sich um das Ehrenamt nicht gerade. Aber jetzt liebt es Hildegard Stuhlreiter, sich um den alten Kirchenfriedhof St. Martin in Flintsbach zu kümmern. Das tut sie nun seit über 30 Jahren. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen schildert die 59-Jährige, wie es dazu gekommen ist.

Flintsbach – Für Hildegard Stuhlreiter ist der alte Kirchenfriedhof St. Martin in Flintsbach ein Kraftort. Die Stille, das Ambiente, das Geheimnisvolle – „ich kann dort richtig Abspannen“, sagt die 59-Jährige. Seit über dreißig Jahren hegt und pflegt sie die Begräbnisstätte. Mäht den Rasen, schneidet die Friedhofswege frei – und all das macht sie mit Liebe und Hingabe.

Über Ehemann zum Ehrenamt gekommen

Dabei ist Hildegard Stuhlreiter zu diesem Ehrenamt wie die Jungfrau zum Kind gekommen: Seit 1979 pflegen die Kameraden der Gebirgsschützenkompanie (GSK) Flintsbach den Alten Friedhof. Federführend war dafür der bereits verstorbene Fähnrich Hubert Stuhlreiter –  Hildegards Ehemann – zuständig. „Aber die älteren Herren sind immer noch älter geworden“, so die 59-Jährige. Es mangelte an Helfern. Eines Tages habe ihr Mann sie dann angefleht, ihn bei der Friedhofspflege zu helfen. Das tat sie – und tut es noch. Heute unterstützt sie dabei ihr Sohn Tobias (Zweiter Fähnrich).

Sie waren ein eingespieltes Team: Hildegard Stuhlreiter (links) und Max Dirl, verstorbener Ehrenhauptmann der Gebirgsschützenkompanie Flintsbach(rechts).

Eine Frau, die Wort hält

Nachdem Hildegards Mann gestorben ist, war ihr auch Max Dirl, Ehrenhauptmann der GSK, eine große Hilfe bei der Friedhofspflege. Er habe stets den Osthang zum Friedhof hin gemäht, erläutert die Brannenburgerin. Aber auch Dirl ist im September letzten Jahres verstorben. Hildegard musste ihm versprechen, dass sie die Pflege fortführt. Und sie hielt Wort. Ein oder zweimal im Monat mäht sie den Rasen und dimmt das Gras zwischen den Kreuzen und den Gräbern.

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Der Alte Friedhof in Flintsbach sei von einer „ganz eigenen Mystik“ umgeben, sagt Johann Weiß. Der Chronist und Gebirgsschütze hat sich lange Zeit mit dieser Begräbnisstätte beschäftigt. Sie sei eine der ältesten Friedhöfe im Inntal, und Flintsbach die „Urpfarrei des Inntals“. Das Grafengeschlecht der Falkensteiner hatte sich bis etwa 1300 in Flintsbach niedergelassen, schildert Weiß. Deshalb gab es dort eine Kirche mit Friedhof. „Früher war ja nicht automatisch bei jeder Kirche ein Friedhof dabei.“ Geschichtlich gehe der Alte Friedhof bis ins frühe Mittelalter zurück. Um 1820/1825 wurde die Begräbnisstätte allerdings zu klein – trotz Aufschichtung alter Gebeine in einem Gebeinhaus. 1825 wurde an der Staatsstraße Rosenheim-Kufstein dann ein neuer Friedhof angelegt. „Somit ist die alte Begräbnisstätte dann langsam eingegangen“, sagt Weiß.

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Erst Pfarrer Josef Rosenegger, der begeisterter Kunsthistoriker war, hauchte dem brachliegenden Friedhof neues Leben ein. Von befreundeten Pfarrern etwa beschaffte Rosenegger aus Südbayern und Tirol Kreuze aus Schmiedeeisen. Sie reichten von der Gotik bis zur Neuzeit. Viele Vereine sowie große Familien haben sich ein solches Kreuz besorgen lassen – so auch die Gebirgsschützen Flintsbach.

Wiedereinweihung fand 1979 statt

1979 fand dann die Wiedereinweihung am Kirchweihsonntag statt – finanziert durch Spenden von Ortsvereinen, Hausbesitzern und Familien aus Flintsbach. Von da an übernahm die GSK auch die Pflege des Rasenfriedhofes, schildert Weiß. Bei der Neuanlage des Alten Friedhofes betonierte die Kompanie zum Beispiel zu großen Teilen die Grundfesten für die Kreuze.

Seit Jahren kümmert sich die Gebirgsschützenkompanie Flintsbach um ihr Kreuz (vorne im Bild), das ihnen damals von Pfarrer Josef Rosenegger gegeben wurde.

Jetzt aber führt Hildegard Stuhlreiter das Regiment. Die Kameraden der Kompanie sind froh, dass sie auf die 59-Jährige zählen können. Für Allerheiligen habe sie den Alten Friedhof extra „blitzeblank“ sauber gemacht, sagt sie.

So läuft heuer die Gräber-Segnung in Flintsbach ab:

Am Sonntag, 1. November, (Allerheiligen), findet die Gräber-Segnung zu einem nicht genannten Zeitpunkt am großen Pfarrfriedhof in Flintsbach statt, sagt Pfarrer Helmut Kraus. Besucher können über den Tag verteilt die Gräber ihrer Verstorbenen aufsuchen und sie mit zur Verfügung gestelltem Weihwasser segnen. Auch Gebetstexte werden ausgelegt. Eine Segnung am Alten Friedhof findet am Montag, 2. November (Alleseelen), statt.

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