Aus dem Gerichtssaal

Flintsbach: Enttäuschter Liebhaber rächt sich an seiner Ex mit Beschimpfungen im Internet

Beleidigung im Internet: Weil ein 52-Jähriger von einer gebürtigen Brasilianerin verlassen wurde, hat er sie auf Facebook-Seiten verunglimpft.
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Beleidigung im Internet: Weil ein 52-Jähriger von einer gebürtigen Brasilianerin verlassen wurde, hat er sie auf Facebook-Seiten verunglimpft.
  • vonTheo Auer
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Dass seine Beziehung zu einer gebürtigen Brasilianerin in die Brüche ging, konnte ein 52-jähriger Finanzmakler nur schwer akzeptieren. Nachdem er von seiner Ex nicht, wie gefordert, Geld und etwaige Geschenke zurückerhielt, wurde er ärgerlich – und begann sie im Internet zu verunglimpfen.

Flintsbach/Filderstadt – Im März 2019 suchte und fand eine gebürtige Brasilianerin im Internet eine neue Beziehung. Aus Filderstadt im Schwäbischen besuchte daraufhin der 52-jährige Finanzmakler die 47-Jährige im Inntal, man fand sich sympathisch und die Besuche wurden häufiger.

Nach einem gemeinsamen Urlaub im Juli 2019 kam die Frau jedoch zu der Erkenntnis, dass diese Beziehung nicht ihren Vorstellungen entsprach – und brach die Kontakte ab.

Verschmähter Mann fordert seine Geschenke zurück

Der so verschmähte Liebhaber wollte sich damit aber nicht abfinden. Zumindest die investierten Geschenke wie iPod und iPad wollte er zurückhaben. Darüber hinaus wollte er auch die 1000 Euro zurück, die er ihr – nach seiner Lesart – als Darlehen überlassen hatte.

Nachdem die gewesene Freundin diese Ansicht jedoch nicht teilte, wurde der Angeklagte ärgerlich und begann – nachdem die Frau Telefon und WhatsApp für ihn gesperrt hatte – sie auf deren Facebook-Seiten zu verunglimpfen. Beleidigungen und abwertende Äußerungen nahmen derart überhand, dass die Frau dies zur Anzeige brachte. Dessen Attacken belasteten sie umso mehr, da sie über Facebook vor allem Kontakt zu ihrer Familie in Brasilien hielt.

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Vor Gericht beklagte er, dass er von der Frau nur ausgenutzt worden sei. „Die hat mich regelrecht über den Tisch gezogen.“ Des Weiteren beklagte er, dass er nun dafür bestraft werden soll, weil er betrogen worden ist. Zwar bestritt er seine Einträge auf Facebook nicht, war aber nach wie vor der Meinung, dass hier der Falsche auf der Anklagebank säße.

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Die so Attackierte berichtete lebhaft, dass der Angeklagte sie an jedem Wochenende besucht habe und mehr Zeit von ihr erwartet hätte. „Er hat verlangt, dass ich deshalb einen Nebenjob aufgebe. Er hatte mir zum Ausgleich Geld angeboten, das er nun zurückforderte. Dazu hat er nach meiner Meinung kein Recht. Auch die Geräte waren ausdrückliche Geschenke, an denen er nach meiner Meinung kein Besitzrecht mehr hat. Unter den Beleidigungen bei Facebook habe ich sehr gelitten.“ Sie berichtete, dass diese Attacken erst geendet hätten, nachdem er von der Polizei einvernommen worden sei. Der Staatsanwalt berichtete, dass dem Angeklagten bereits eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße angeboten worden sei. Dieses Angebot habe der 52-Jährige aber zurückgewiesen, deshalb sei der Strafbefehl über 50 Tagessätze ergangen.

Angeklagter hält Bestrafung für nicht angemessen

Nachdem der Angeklagte die Taten nach wie vor als solche akzeptiert, sei nun eine Geldstrafe von 3500 Euro von Nöten. Der Angeklagte hielt nach wie vor eine Bestrafung nicht für angemessen, bedauerte aber etwaige Unannehmlichkeiten, die der Frau entstanden sein könnten.

Die Vorsitzende Richterin Julia Haager äußerte Verständnis für die Enttäuschungen aus einer missglückten Beziehung auf beiden Seiten. Jedoch berechtige dies in keinem Fall derlei Beleidigungen und Schmähungen im Internet. „Auch dies sind im Wiederholungsfalle juristisch Nachstellungen“. Aufgrund veränderter wirtschaftlicher Verhältnisse des Angeklagten beließ sie es bei einer Strafe von 1400 Euro.

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