Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Film ab unterm Kreuz: Warum die  Erlöserkirche Kiefersfelden zum Kino wird

In Eigenleistung umgebaut: Die evangelische Kirche in Kiefersfelden. hoffmann

So geht moderne Kirche: In Kiefersfelden haben Pfarrer Günter Nun und sein Team aus engagierten Helfern in den letzten Jahren der evangelischen Erlöserkirche ein neues „Innen-Format“ gegeben. Das pfiffige Konzept beinhaltet auch ein Kirchenkino – „zum Kraft tanken“, wie Nun sagt.

Kiefersfelden – Vor dem Hintergrund deutlicher Kürzungen der Kirchenmittel von der Landeskirche Bayern im Jahr 2014 entstanden damals Überlegungen, „was können wir uns noch leisten“, so Pfarrer Nun recht pragmatisch. Erwogen wurde seinen Worten nach auch, das Gotteshaus in Kiefersfelden ganz zu schließen und alle kirchlichen Aktivitäten im benachbarten Oberaudorf zusammenzufassen, zumal sich mit diesem radikalen Schnitt allein schon mal die Personalkosten nahezu halbiert hätten. Und letztlich war auch ein Verkauf der kompletten kirchlichen Anlage in der Kiefer im Gespräch.

Lesen Sie auch

„Quadratur des Kreises“ gelungen

Die Kirchengemeinde Oberaudorf/Kiefersfelden hat derzeit rund 1600 Mitglieder, davon 800 in Kiefersfelden/Mühlbach und eine komplette Verlagerung ins benachbarte Oberaudorf hätte sicher zu einigen Irritationen der Kirchenmitglieder geführt, mit nicht vorhersehbaren Folgen. Nach längeren Diskussionen, auch im Kirchenvorstand, und vor dem Hintergrund der möglichen Komplettschließung „gewann die Idee, die Kirche für die Gläubigen wieder interessanter zu machen, die Oberhand“, erinnert sich der Pfarrer, „wobei zunächst die finanziellen Probleme außer Acht blieben“.

Starkes Duo: Pfarrer Günter Nun (links) und Kirchenpfleger Gerhard Dummeldinger.

„Warme, einladende und offene Kirche“

Auch die positive Stimmung in der Bevölkerung und der Gemeinde mit Bürgermeister Hajo Gruber „war für uns der Indikator, es jetzt anzugehen“. Erste Überlegungen zum Umbau der Erlöserkirche traf dann der Kirchenvorstand im Januar 2015. Dabei wurde der Beschluss gefasst, es sollte eine „warme, einladende und offene Kirche“ werden.

+ + +

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+ + +

Von Anfang an mit im Boot war Kirchenpfleger Gerhard Dummeldinger, der mit Ideen und fachlichem Wissen immer wieder neue Gedanken und Aspekte in den Umbau der Erlöserkirche einbrachte. So fiel dem durchaus progressiven Konzept als erstes der Stein-Fliesenboden zum Opfer. Kalt und unwirtlich kam er daher und wird nun von einem lebendigen, anheimelnden Holzboden mit Einlegearbeiten und Mittenstern überdeckt, auf dem die von ihrem steinernen Fundament gelösten Sitzbänke stehen.

Das Kirchenschiff mit neuem Boden, Einlegearbeiten, beweglichen Bänken und der Infrarot-Deckenheizung.

Ein pfiffiges Konzept, wie sich herausstellte, denn jetzt sind verschiedene, dem jeweiligen Anlass angepasste Sitzordnungen möglich, wie beispielsweise bei Feiern oder Veranstaltungen. Und gerade in dieser Jahreszeit war die Erwärmung der Kirche ein weiteres wichtiges Indiz, denn frieren sollten die Besucher auf keinen Fall. Installiert wurde an der Decke des Kirchenschiffs daher eine hochmoderne Infrarot-Heizung und seither kommt nicht nur Gottes Segen von oben, sondern auch die Wärme, die den großen Raum wohltuend ausfüllt.

Ins rechte Licht rückt jetzt auch die neue Beleuchtungskonzeption den Innenraum; ein ausladender Rundleuchter und die Deckenstrahler mit individueller Beleuchtungsmöglichkeit sind bei besonderen Anlässen wie Konzerten oder Ausstellungen gefragt und kommen auch beim Gottesdienst gut an.

Gotteshaus als Kino

Ganz modern ist die Musikanlage, die über „Bluetooth“ gesteuert wird und für jeden nutzbar ist in einer Kirche, die sieben Tage die Woche und jeweils 24 Stunden geöffnet ist. Neu ist auch die Möglichkeit, das Gotteshaus in ein Kino zu verwandeln. Mit versenkbarer Riesenleinwand, hochwertigem Beamer und moderner Soundanlage sind die technischen Voraussetzungen geschaffen. Die ersten Filmabende kamen schon mal sehr gut an, wie auch die „Willkommensecke“, die bei einer Tasse frisch aufgebrühtem Kaffee oder Tee für Gespräche oder einfach nur zum Innehalten genutzt werden kann.

Damit war aber noch nicht Schluss, denn auch der Gemeinderaum wurde renoviert und die veraltete Küche komplett ausgetauscht. „Bei den vielfältigen Arbeiten wurde“, wie Pfarrer Nun festhält, „auf eine hochwertige Qualität der Materialien geachtet“. Wichtig auch, dass nahezu alle Umbau- und Erneuerungsarbeiten in Eigenregie ausgeführt werden konnten, von einem sehr motivierten und fachkundigen Team, was zu immensen Einsparungen führte.

Infrarot-Strahler mit Bluetooth-Steuerung

„Unsere Umbauten und Ideen haben überregionales Interesse auch in puncto Ökologie erregt und sie werden schon zum Teil als Vorzeigeprojekte weiterempfohlen“, kann der Pfarrer nicht ganz ohne Stolz berichten. Ökologisch absolut ein Novum ist die Beheizung der Kirche. Bei Buchung der Räumlichkeiten oder zur Messe werden über eine entsprechende Software die Deckenstrahler eine Stunde vor Beginn ein- und nach Ende der Veranstaltung sofort wieder ausgeschaltet.

Aber der Umbau geht noch weiter, Pfarrer Nun und „Kirchenarchitekt“ Gerhard Dummeldinger mit seinem Team wollen den ökologischen Gedanken weiterentwickeln und planen jetzt eine Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach und die Installation einer E-Tankstelle getreu dem Motto des äußerst innovativen Geistlichen „Der Mensch tankt die Energie innen, sein Auto draußen“.

Einzigartiger Meditationsweg

Mit all diesen durchaus sinnvollen und energiesparenden Maßnahmen will Günter Nun die Kirche „auch in der künstlerischen Darstellung attraktiver machen, als Raum der Besinnung und Mediation“. Rund 40 000 Euro sind bisher in den Aus- und Umbau der Erlöserkirche geflossen, aus Zuschüssen, Kirchengeldern und freiwilligen Spenden. „Das ist aber wahrscheinlich nur ein Drittel dessen, was wir hätten schultern müssen, wenn wir uns das Fachwissen und die Fachkräfte von außen hätten holen müssen“.

Für Pfarrer Nun sind all diese Maßnahmen „ein Erfolgsrezept, denn das Kirchengemeindeleben hat sich deutlich gesteigert. Die Gottesdienste haben an Zuwachs gewonnen und die Nutzung der Kirche hat erheblich zugenommen.“

Kommentare