Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Geisbock mit Gipsbein wichtiger als Gäste

Almarbeit als Knochenjob: Martina Fischer arbeitet seit zehn Sommern auf den Krottenthaler Almen

Martina Fischer schmust mit einem Kitz, das von seinem Vater aufgezogen wird. Der hat allerdings auch keine Berührungsängste.
+
Martina Fischer schmust mit einem Kitz, das von seinem Vater aufgezogen wird. Der hat allerdings auch keine Berührungsängste.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
    schließen

„Es sind viele und faszinierende Momente mit den Tieren und mit der Natur, die den täglichen und oft auch harten Arbeitseinsatz auf einer Alm so lohnenswert machen“ – so erklärt Martina Fischer vom Simssee gerne ihre Erlebnisse auf der Alm vom Sonnenauf- bis zum Sonnenuntergang.

Prutting/Krottenthaler Almen – Heuer ist Martina Fischer zum zehnten Male einen Sommer lang auf der Alm. Zwei Jahre war sie beim Marchl-Bauern im Lamstoa-Gebiet, drei Jahre versorgte sie das Almvieh auf der Rampold-Alm oberhalb von Brannenburg und im fünften Jahr ist sie nunmehr für den Bauern Georg Reisberger („Lechner-Hof“) auf den Krottenthaler Almen in der Region Tegernsee-Schliersee tätig.

Martina Fischer arbeitet seit zehn Sommern auf den Krottenthaler Almen

Martina Fischer 1.JPG
Alm Martina Fischer 3.JPG
Alm Martina Fischer 2.JPG
Alm Martina Fischer 4.JPG
Martina Fischer arbeitet seit zehn Sommern auf den Krottenthaler Almen

Almleute-Treffen bereichern Sommer

Das Krottenthaler Almgebiet nahe Bayerischzell besteht aus zwei Almen, das gesamte Gebiet ist etwa 140 Hektar groß. Die zweite Alm gehört dem „Hausenbauern“ Andreas Schönauer, die Nachbars-Sennerin ist die Vroni. Mit ihr und auch mit weiteren Alm-Nachbarn versteht sich Martina Fischer ausgezeichnet.

Lesen Sie auch: Anita Wimmer ist Sennerin auf der Feichteck-Alm: Auf dem Berg zu sich gefunden (Plus-Artikel OVB-Online)

Oft ist es notwendig, sich über den Aufenthalt von Tieren auszutauschen, weil sich diese nicht immer an das eigene Weidegebiet halten. Schön ist es, wenn von den Nachbarsalmen zu Bergmessen oder zum Almkirta eingeladen wird. „Diese Almleute-Treffen bereichern den Almsommer und fördern das gegenseitige Helfen und Verstehen“, so die Almerin.

50 Stück Vieh halten den ganzen Tag auf Trab

Martina Fischer hat 50 Stück Vieh zu betreuen, davon zwölf Kälber. Zwei Monate hatte sie auch zwei Milchkühe, diese sind jetzt aber trocken gestellt. Der bislang gewonnene und gemachte Käse kann nunmehr reifen und sie hat mehr Zeit zum Suchen. Denn gerade dann, wenn das Weidefutter allmählich knapper wird, ist das von vier Talbauern entsandte Almvieh weitläufiger unterwegs. „Es wird von Woche zu Woche anstrengender, die Tiere zu suchen, zu finden und zu zählen“ – damit weist Martina Fischer darauf hin, dass oft stundenlanges Unterwegssein bis in die späten Abendstunden notwendig ist, um eine echte Übersicht zu bekommen.

Neugieriger Vierbeiner: Was wohl am Meisten lockt – Kuchen, Notenblätter oder mögliche Streicheleinheit?

Geisbock mit Gipsbein wichtiger als Gäste

Leider hat es in diesem Sommer auch schon Unglücke und Unfälle gegeben, erzählt die Almerin: „Ein Kalb ist an einem Steilhang abgestürzt und war gleich tot. Und einen Geißbock, der sich nach einem Kampf mit einem Kalb einen Fuß brach, musste ich fünf Wochen in Gips stecken, aber er wurde wieder gesund“. Besondere Freude machen Martina Fischer zwei Kitz von Zwerg-Geißen, die nach dem Tod ihrer Mutter vom Geißbock betreut werden und der Almerin überall hin folgen. „Das ist eine der Freuden auf der Alm, die aufgrund ihrer Größe körperlich und mental sehr anspruchsvoll ist.

Um die notwendige Zeit für das Vieh und für Kontrolle und Reparatur der Zäune zu haben, ist es mir leider nicht möglich, vorbeikommende Wanderer zu bewirten. Diese haben nämlich oft ein falsches Bild von meiner Tätigkeit“, erklärt Martina Fischer und ergänzt dies mit ihren in den zehn Jahren gemachten Erfahrungen wie folgt: „Das Almleben wird oft idealisiert, Sehnsucht und Idylle finden sich in den oft falschen Eindrücken der Besucher, aber sie wissen meist nicht, was für eine lange und oft harte Tagesarbeitszeit dahinter steckt“.

Wolf ist heuer noch nicht aufgetaucht

Der Wolf, der im Vorjahr in den Krottentaler Almen einmal unterwegs war, ist heuer noch nicht aufgetaucht. „Gefährlich wird es schon, wenn das Almvieh einen Wolf wahrnimmt. Die Tiere geraten in Panik, durchbrechen auf ihrer Flucht Zäune, verletzen sich dabei schwer oder sterben dann bei einem Absturz. Diese Situationen werden leider immer schwieriger“.

Lesen Sie auch: Traunsteiner Almbauern und Schafhalter: Ist der Wolf eine Gefahr oder gar Chance für Tourismus?

Ihre Gedanken hat Martina Fischer lieber in der Natur, so genießt sie die vielen Stimmungen beim Wetterwechsel, auch den Gewittern kann sie Beschauliches abgewinnen und ganz besonders gerne ist sie bei der Viehzählung im Nassen unterwegs. „Ich genieße den Regen, das sogenannte schlechte Wetter und – wenn es keine Nebeldecken gibt – die schönen Aussichten. Ganz bewusst spüre ich Wind, Sturm, Kälte und Hitze und wenn ich nach einem Regenschauer und wieder blauem Himmel beim Betrachten eines Regenbogens ganz durchnässt zurückkomme, dann freue ich mich auf ein Schnapserl mit meiner Almnachbarin Vroni.“

Im Winter fällt Entscheidung für 2022

An der heurigen Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern im Hochgerngebiet konnte Martina Fischer aus Zeitgründen nicht teilnehmen, sie tränkte an diesem Tag unter anderem kleine Kälber. Was ihre Pläne für 2022 sind, auf diese Frage antwortete Martina Fischer: „Zuerst gilt es diesen Almsommer gut abzuschließen, dann will ich im Tal wieder nachdenken und wenn zum Jahreswechsel wie gewohnt der Bauer anklopft, dann will ich mich bis dahin wieder entschieden haben“.

Mehr zum Thema

Kommentare