Corona-Studie in Bad Feilnbach: „Viele wollen sich sogar bewerben“ – Das geht aber nicht

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Corona-gebeutelte Gemeinde: Anfang April mussten aus einem Senioren- und Pflegeheim zahlreiche Bewohner verlegt werden, nachdem das Coronavirus dort massiv um sich gegriffen hatte.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Bad Feilnbach – Als Hotspot auf dem Höhepunkt der Corona-Krise erlangte Bad Feilnbach weithin Bekanntheit. Jetzt kommt das Robert-Koch-Institut für eine große Studie. Und Bürgermeister Anton Wallner erklärt den OVB-Heimatzeitungen, warum er das für einen guten Plan hält.

Wie haben Sie auf die Nachricht reagiert, dass das Robert-Koch-Institut Bad Feilnbach für eine Schwerpunkt-Studie ausgewählt hat?

Anton Wallner: Mich hat’s gefreut. Wir wünschen uns Klarheit darüber, wie weit die Pandemie die Gemeinde getroffen hat und wie viele Menschen wirklich Antikörper ausgebildet haben. Es hoffen auch viele Menschen, dass sie durch einen Test Gewissheit bekommen. Ich denke, dass man mit dieser Studie in einer nicht ganz kleinen Gemeinde wie Bad Feilnbach mit 8500 Einwohnern auch ganz gute Erkenntnisse gewinnen kann.

Bad Feilnbach ist ein Urlaubsort. Hotspot zu sein ist nicht unbedingt Tourismus-Werbung.

Wallner: Ich denke, dass die Schlagzeile „Hotspot“ durch ist. Wir hatten hohe Fallzahlen, aber das ist Vergangenheit. In den vergangenen vier Woche hatten wir nur noch einen bestätigten neuen Fall. Unsere Betroffenen sind weitgehend gesund, jetzt gilt es, nach vorne zu schauen. Ich denke außerdem, dass es auch beruhigt, wenn man das Robert-Koch-Institut in der Gemeinde hat und Aufklärung betreibt, was tatsächlich passiert ist. Ganz Deutschland atmet auf, dass die Fallzahlen deutlich rückläufig sind. Wir stehen zu unserer Verantwortung und helfen dem Robert-Koch-Institut. Vielleicht kann man Rückschlüsse ziehen, die uns helfen, künftige Pandemien besser zu überstehen.

Warum war Bad Feilnbach so stark betroffen?

Wallner: Ich habe nicht wirklich eine Erklärung. Vermutungen und Spekulationen bringen nichts, gerade deswegen ist die Studie ja so wichtig. Wir bekommen drei Wochen nach dem Ende der Studie die Ergebnisse, und dann wissen wir vielleicht, warum Bad Feilnbach so stark getroffen wurde. Das beschäftigt uns schon sehr.

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Wie reagiert die Bevölkerung auf die bevorstehende Studie?

Wallner: Bis jetzt sehr positiv. Die Ärzteschaft begrüßt das ebenfalls außerordentlich. Die Ärzte wollen auch mit Patienten reden und dafür werben, dass sie an der Studie teilnehmen. Auch von Seiten der Kommune wollen wir mit Aufklärung dafür sorgen, dass die Bereitschaft zum Mitmachen groß ist. Es haben eigentlich alle begrüßt, die Menschen sind ja auch neugierig. Viele wollen sich sogar bewerben – was leider nicht möglich ist. 

Wir wollen die Studie jedenfalls auch von der Kommune aus so gut wie möglich unterstützen, Das Landratsamt ist mit uns dabei, ein Video mit Bürgerinnen und Bürgern fertigzustellen, die mit ihrem Gesicht als Werbeträger für die Studie auftreten. Das ist ganz pfiffig

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Wie war Ihre eigene Erfahrung mit Corona?

Wallner: Die Pandemie ist mit voller Wucht auf die Gemeinde getroffen. Man hatte kaum die Pressekonferenz von Markus Söder verdaut, auf der er verkündete, dass Kindereinrichtungen und Schulen geschlossen werden, da war ich schon persönlich betroffen. Ich durfte gleich in Quarantäne gehen. Dann hat es die Fallzahlen nach oben getrieben. Die Bevölkerung haben wir zwar darauf vorbereitet, dass sie sich schützen soll. Aber am Anfang hat sie das eher zögerlich umgesetzt. Jetzt bin ich sehr zufrieden. Ob’s um den Abstand geht oder den Mundschutz, man merkt, dass sich das Zögern in aktives Verhalten umgewandelt hat. 

Und: Wir haben eine Riesen Hilfsbereitschaft erlebt. Als wir feststellten, dass Ärzte zu wenig Schutzausrüstung haben, genügte ein Aufruf in den sozialen Medien, und wir bekamen Unterstützung – sogar aus ganz Deutschland. Und nehmen Sie als Beispiel unseren Einkaufsservice. Oder den Wertstoffhof, der einen tollen Service anbot und täglich offen hatte, weil die Leute so viel ausgeräumt haben. Da gab es viele positive Erlebnisse. Ich bin sehr zufrieden, weil wir es mit viel Disziplin geschafft haben, die Fallzahl auf Null gehen zu lassen. Dafür ein großes Kompliment!

Bad Feilnbacher werben für die Studie

Bad Feilnbach wurde vom Robert Koch Institut als eine von vier besonders stark vom Corona-Virus betroffenen Gemeinden in Deutschland für diese Studie ausgewählt. Insgesamt rund 2.000 Personen sollen in Bad Feilnbach untersucht werden. Es werden eine Blutabnahme, ein Rachenabstrich sowie eine kurze Befragung durchgeführt. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, werden die Teilnehmer über das Einwohnermeldeamt per Zufallsverfahren ausgewählt. Die Teilnahme ist freiwillig. Eine Bewerbung für die Studie oder Weitergabe der Einladung ist nicht möglich.

Die Studie des Robert Koch Institutes startet am 23. Juni.

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