Falsche Adresse wurde Verhängnis

Er wollte besonders schlau sein und führte genau damit seinen eigenen Untergang herbei: Ein Drogendealer aus dem südlichen Landkreis gab bei seinen Bestellungen geringfügig falsche Adressen an, wodurch die Päckchen nicht zugestellt werden konnten. So kam ihm die Polizei auf die Schliche und er musste sich mit seiner Partnerin und Lebensgefährtin vor dem Rosenheimer Schöffengericht verantworten.

Südliches Inntal – Der 35-jährige Braunschweiger wohnt mit seiner Lebensgefährtin seit sechs Jahren nahe der österreichischen Grenze. Während die 31-Jährige, eine gut verdienende Außendienstlerin, arbeitete, hütete der Mann das Haus und die neunjährige Tochter. Das Paar war Kokain- und Amphetaminabhängig.

Zur Beschaffung bei ihrem gewohnten Drogenhändler mussten sie jedes Mal nach Braunschweig fahren, was teuer und aufwendig war. Anfang 2015 entdeckte der 35-Jährige für sich das sogenannte „Darknet“. Dieser Teil des Internets ist nur eingeweihten Nutzern über spezielle Server zugänglich und wird hauptsächlich für illegale „Geschäftsbereiche“ genutzt, darunter auch Drogenhandel.

Mehrmals Drogenkäufe getätigt

Diese Möglichkeit beschloss der Angeklagte zu nutzen und sich so die Beschaffung über Braunschweig zu ersparen. Nachdem der erste Testkauf im Februar 2015 gleich klappte, beschloss er, weiter diese Möglichkeit zu nutzen. Wie oft er letztlich solche Käufe getätigt hatte, blieb im Dunkeln.

Auf die Schliche kam die Polizei dem Pärchen, als der Angeklagte besonders schlau sein wollte. Um die Sendungen nicht allzu auffallend werden zu lassen, so überlegte er, verwendete er leicht verfremdete Lieferadressen. Weil diese der echten Adresse so ähnlich waren, hatte er gedacht, der Postbote würde schon erkennen, wo die Sendung abzuliefern sei.

Dabei hatte er jedoch eins vergessen: Die Zusteller wechseln häufig. Daher konnte nicht jeder Postbote auf die Idee kommen, das Paket mit der leicht abweichenden Adresse könne für den 35-Jährigen gedacht sein. Vier Päckchen wurden darum zurückgeschickt und damit begann das Verhängnis: Da die Absenderadresse rein fiktiv war, konnten die Pakete nicht zurückgeschickt werden. Deshalb wurde die Sendung geöffnet, um dadurch den Absender oder Empfänger zu ermitteln. Als dann Drogen zum Vorschein kamen, ging die Polizei der Sache nach und im Juli 2015 klickten dann die Handschellen.

Die Tochter wurde zu den Großeltern gebracht und das Duo landete vor dem Amtsgericht unter dem Vorsitzenden Richter Christian Merkel. Dort wurde nicht lange geleugnet: Die beiden räumten die nachgewiesenen Drogenkäufe und den Handel mit den Drogen umfassend ein. Darüber hinaus hatten die Drogenfahnder im Haushalt der Angeklagten Amphetamine gefunden, in Socken und Unterwäsche versteckt.

Angeklagter schon mehrfach vorbestraft

Auch die Untersuchung der Kopfhaare beider Angeklagter ergab, dass sie gewohnheitsmäßig, wenn auch nicht übermäßig, Drogen konsumierten. Zwar war der Angeklagte bereits mehrfach vorbestraft, aber immer nur mit Geldstrafen, sodass die Staatsanwältin für Beide Haftstrafen beantragte, aber der Möglichkeit zustimmte, diese gegebenenfalls zur Bewährung auszusetzen.

Die Verteidiger, Rechtsanwalt Adam Ahmed und Rechtsanwalt Hans Sachse stimmten dem zu, wollten aber die Strafen niedriger angesetzt wissen.

Zweimal Bewährung verhängt

Der Vorsitzende Richter bestätigte, dass der Tatbeitrag der Angeklagten niedriger anzusetzen sei, weshalb für sie eine Haftstrafe von 16 Monaten hinreichend sei. Für den Mann hielt er 20 Monaten für angemessen. Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt, für die der Richter jedoch ein dichtes Netz von Bewährungsauflagen verhängte, was beide daran hindern soll, rückfällig oder erneut straffällig zu werden. au

FALSCHE ADRESSE WURDE VERHÄNGNIS

AUS DEM GERICHTSSAAL

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