Fähre seit 1475 in Windshausen

Der Vorsitzende der Nußdorfer Schiffleut, Hans Dettendorfer, überreicht eine Kopie der beiden Urkunden aus dem Jahre 1475 sowie eine Landkarte von 1740 an Nußdorfs Zweite Bürgermeisterin Susanne Grandauer. Die zwei Urkunden von 1475 sowie eine alte Landkarte aus dem Jahr 1740 werden demnächst im Nußdorfer Schulhaus zu sehen sein. Foto Steffenhagen
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Der Vorsitzende der Nußdorfer Schiffleut, Hans Dettendorfer, überreicht eine Kopie der beiden Urkunden aus dem Jahre 1475 sowie eine Landkarte von 1740 an Nußdorfs Zweite Bürgermeisterin Susanne Grandauer. Die zwei Urkunden von 1475 sowie eine alte Landkarte aus dem Jahr 1740 werden demnächst im Nußdorfer Schulhaus zu sehen sein. Foto Steffenhagen

Bereits 1475 überquerte bei Windshausen eine Fähre den Inn. Diese frühen Aktivitäten der Schiffleut in Nußdorf beweist eine Urkunde, die zwei Historiker des Schiffleutvereins entdeckten.

Nußdorf - Bei der Recherche zur Geschichte der Innfähre in Windshausen führte die Vereinshistoriker der Weg ins Oberbayerische Staatshauptarchiv. Dort entdeckten sie zwei Urkunden aus dem Mittelalter.

Insgesamt 74 Bürger aus dem Ebbsertal taten auf den Dokumenten am Samstag, 7. Januar 1475 kund, dass an den Gestaden des Inn zwischen Kufstein und Wasserburg keine Anschütte sein soll. Das bedeutete, dass für die Händler an diesen Punkten erst einmal die Reise zu Ende war. Sie mussten ihre Ware "anschütten" und zum Verkauf anbieten. Außerdem soll es zwischen Kufstein und Rosenheim auch keine andere Überfuhr geben als ausschließlich die in Windshausen, heißt es in den gefundenen Dokumenten. Das sei seit alters her so gewesen, hielten die Bürger fest. Sie berichteten auch darüber, dass sie auch von ihren Eltern und ihren "Vorforderen" nie etwas anderes gehört hätten.

Diese Aussagen wurden vor einem Kufsteiner Gericht protokolliert und in einem Kundschaftsbrief festgehalten. Besiegelt wurde dieser Brief vom "strengen und edlen Ritter" Christof von Freyberg zu Aschau, der 1467 bis 1486 und 1489 bis 1496 Schlosshauptmann und Pfleger zu Kufstein war. Außerdem waren die beiden Kufsteiner Bürger Friedrich Reicherzhaimer und Wilhelm Dürrenpacher dabei, die auf Bitten von Freyberg die Urkunde ebenfalls besiegelten.

Handelsverkehr war

streng reglementiert

Allerdings geben beide Urkunden auch viele Fragen auf. Vermutlich gab es Uneinigkeit zwischen den beiden Bayerischen Landesherren Albrecht der IV. dem Weisen (Bayern-München) und Herzog Ludwig dem Reichen (Bayern-Landshut) über die Handelsplätze in der Region. So wurde bereits einige Jahre zuvor am 24. August 1459 von Herzog Ludwig angeordnet, dass keine Waren - weder Salz noch Holz - im ganzen Gericht verkauft werden dürfen, die man nicht zuvor auf dem Wochenmarkt in Kufstein feilgeboten hatte. Dadurch wurde der Handelsverkehr in diesem Innabschnitt streng reglementiert. Schlosshauptmann Christoph von Freyberg musste regelmäßig dem Herzog darüber Bericht erstatten.

Zwischen 1468 und 1475 verschärfte sich die Situation nochmals, als Ludwig dem Pfleger von Kufstein befahl, dafür zu sorgen, dass beim Verkauf von Vieh und anderen Handelswaren keine anderen als die herkömmlichen Straßen mit den herzoglichen Zollstätten benutzt werden dürfen. In dieses politische Umfeld passt der Kundschaftsbrief von 1475 gut hinein.

Fraglich ist auch, ob die Fähre in Windshausen tatsächlich von alters her die "einzige Fähre" am Inn zwischen Kufstein und Rosenheim war. Denn bereits 1270 wurde eine Überfahrt am Erler Zollhaus erwähnt, außerdem waren die Fähren in Nußdorf-Seilenau und in Neubeuern-Altenmarkt den Samern (damalige Transporteure insbesondere von Salz und Getreide) offenbar schon seit 1455 bekannt.

Als ungewöhnlich gilt der Umstand, dass am selben Tag zwei etwa gleichlautende Urkunden angefertigt wurden. Die gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Dokumenten liegen einerseits in der akribischen namentliche Nennung der Ebbser Bürger und andererseits in dem Hinweis, dass alle Güter, die von Samern aus der Region transportiert wurden, zunächst in Kufstein auf dem Wochenmarkt angeboten werden mussten - sonst nirgendwo mehr zwischen Kufstein und Wasserburg. Zumindest dieser Teil der Urkunde dürfte keinen langen Bestand gehabt haben, denn bereits 1478 erhielt Rosenheim das Anschüttrecht.

Ob das beschriebene Verfahren zur Erhebung des Zolls praktikabel war, ist ebenfalls zu hinterfragen. Bei der Fassung des Briefes bezog man bereits den Fall ein, dass nicht immer und von jedem die Überfuhr in Windshausen genutzt werden würde. Pfiffigen Samern, die Überfuhr und Zollstellen umgehen wollten, schob man bereits jetzt schon einen Riegel davor. Denn unabhängig vom Überfahrtsort mussten die Samer jedem Zöllner zu Windshausen ihren Zoll zahlen.

Dies führte vermutlich zur Klage des Zöllners Andreas Hamperger von der Urfahr bei Windhausen, der sich wegen der Umgehung des Zolls durch die Samer beschwerte.

Heute wissen wir, dass wenige Jahre später alles ganz anders kommen sollte. Dafür sorgte der Landshuter Erbfolgekrieg 1502 bis 1503. Die Tiroler Gebiete Kufstein, Rattenberg und Kitzbühl kamen 1504 zu Österreich. Es gab neue Grenzen. Nun verloren sich für lange Zeit die Spuren der Fähre von Windshausen im Dschungel der Geschichte.

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