Störrisch, dumm, eigensinnig? Eselflüsterin aus Riedering räumt mit Vorurteilen auf

Unterwegs mit den Eseln Peterle und Lucia: Susanne Daxlberger aus Riedering bietet regelmäßig Wanderungen mit ihren Eseln an. Schöne
  • vonAlexandra Schöne
    schließen

Seit ihrer Kindheit ist Susanne Daxlberger in Esel vernarrt. Zehn Stück leben bei ihr auf dem Hof, mit denen sie regelmäßig Eselwanderungen anbietet. Den OVB-Heimatzeitungen gewährt sie einen Einblick in ihren Stall und räumt mit hartnäckigen Klischees über Esel auf.

Riedering – Auf dem Hof von Susanne Daxlberger (48) in Riedering leben nicht nur 22 Milchkühe, einige Zwerghühner und zwei Hunde. Die „Hauptattraktion“ sind wohl ihre zehn Esel. Leopold und Peterle, Lucia und Paula, Lilly und Luigi sind nur einige davon. „Genau genommen sind es neun Esel und ein Mini-Muli“, sagt Susanne Daxlberger. Ein Mini-Muli? „Halb Pferd, halb Esel“, erklärt sie, „wird manchmal auch ‚Ponsel‘ genannt.“

Vor zwölf Jahren hat alles angefangen

Vor 12 Jahren bekam Esel-Fan Susanne Daxlberger ihren ersten Esel von ihrem Mann geschenkt. „Da war die Freude riesengroß“, erinnert sie sich. Da man einen Esel aber nie alleine, sondern immer mindestens zu zweit oder in einer Gruppe mit einer geraden Anzahl von Tieren halten sollte, kamen nach und nach immer mehr dazu.

Sie habe sich die Esel jedoch nicht extra angeschafft, um mit ihnen Wanderungen anzubieten, sagt Susanne Daxlberger. Die meisten Tiere seien zu ihr gekommen, da niemand sonst sie mehr wollte. „Viele waren in schlechtem Zustand, als sie auf den Hof kamen“, sagt die ehemalige Realschullehrerin. Die musste sie erst einmal wieder aufpäppeln, da sie zum Beispiel Milben hatten oder die Hufe beschädigt waren.

2015 kam sie dann zusammen mit einem Freund auf die Idee, Wanderungen mit den Eseln anzubieten – auch, um den Unterhalt der Tiere zu finanzieren. „So ein Esel kostet mich im Monat 80 bis 100 Euro“, sagt Susanne Daxlberger. „Da kommt bei zehn Stück schon einiges zusammen.“

Zudem arbeitet sie gerne mit Menschen und Tieren zusammen – besonders mit ihren Lieblingen. „Mit einem Esel zu arbeiten, ist ein wunderbares Selbstbewusstseinstraining“, sagt Susanne Daxlberger. Man brauche eine gerade Haltung und eine gute Körpersprache, damit der Esel auch mit einem mitgeht.

Die Esel Peterle (rechts) und Lucia.

Bei dieser Gelegenheit räumt die 48-Jährige erst einmal mit altbekannten Klischees über Esel auf: Sie seien störrisch, dumm und eigensinnig. Doch das stimmt Daxlberger zufolge keineswegs. „Esel sind sehr intelligent, mehr noch als Pferde“, sagt sie. Wenn man mit einem Esel arbeitet, müsse man zum einen ein Freund der Tiere sein und zum anderen ganz genau wissen, was man will. Ist jemand unentschlossen oder unkonzentriert, kann sich nicht durchsetzen, merke das Tier dies sofort und übernehme selbst das Kommando. „Man muss auf den Esel eingehen. Außerdem sollte jeder Zeit und Geduld mitbringen und sich darauf einstellen, dass bei der Arbeit mit den Eseln manchmal auch Kompromisse gefunden werden müssen“, sagt Susanne Daxlberger.

Das könnte Sie auch interessieren: Kolbermoor: Feuerwehr befreit Esel aus Reifen – nun musste das Tier eingeschläfert werden

Die Spaziergänge, die sie mit ihren Eseln anbietet, dauern eine Stunde. Man wandert überall in der Gegend, an den Simssee, nach Söllhuben oder zum Tinninger See. Da die Esel über längere Zeiträume nur 20 bis 25 Prozent ihres eigenen Körpergewichts tragen können, führen die Teilnehmer die Tiere mit der Hand.

Für Kinder ist auch einiges geboten. Sie können entweder „Schmusestunden“ mit den Eseln auf dem Hof verbringen oder auf ihnen ausreiten. Das ist möglich, falls ihr Gewicht in dem Rahmen liegt, den ein Esel tragen kann.

Zwei Drittel der Gäste sind laut Susanne Daxlberger Erwachsene. Viele kämen mit ihren Kindern „zur Tarnung“, erzählt sie. „Dabei sind es meistens die Eltern, die sich für die Esel interessieren“, verrät sie lachend.

Ansonsten kämen die Mitglieder von Junggesellenabschieden oder Firmen und auch mal der ein oder andere Manager. Denn: Mit Eseln könne man gut trainieren, wie man im Berufsleben Mitarbeiter richtig führt. Zu diesem Thema hat Susanne Daxlberger auch eine Anekdote parat. „Einmal war ein Chef da, der wissen wollte, welcher seiner Angestellten sich als Führungskraft eignet“, erzählt sie. „Das hat sich am Umgang mit den Tieren gleich gezeigt.“

Keine Machtkämpfe innerhalb der Gruppe

In der Corona-Krise konnte Susanne Daxlberger zwei Monate lang keine Wanderungen anbieten. Jetzt darf sie wieder mit allem starten – mit der Ausnahme von Kindergeburtstagen.

An den Eseln schätze sie vor allem die Ruhe, die sie ausstrahlen, und das Miteinander. „Esel sind sehr soziale Tiere, es gibt keine Hierarchie untereinander in der Gruppe. Anders als bei Pferden“, sagt die 48-Jährige. Sie habe eine starke Bindung zu jedem der Lasttiere. „Esel sind kleine Zauberer, die die Herzen der Menschen öffnen.“

„Esel und mehr“:

Mehr Infomationen zu den Eseln von Susanne Daxlberger und den Wanderungen gibt es unter www.eselundmehr.de oder unter 0160/ 5173832.

Kommentare