ESCHENTRIEBSTERBEN IN DER REGION

Eschensterben erfordert Arbeiten am Inndamm sowie im Gemeindebereich Neubeuern

In Neubeuern entlang der Westseite des Inndamms weisen viele Eschen Pilzbefall an der Wurzel auf.
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In Neubeuern entlang der Westseite des Inndamms weisen viele Eschen Pilzbefall an der Wurzel auf.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Hunderte von Bäume werden seit dem 1. Februar entlang des Inndamms gefällt. Der Grund: Biberschäden und Eschentriebsterben. Der Landkreis Rosenheim sah sich gezwungen, zu handeln. Deshalb wurde mit dem Holzeinschlag die Waldbesitzervereinigung Rosenheim damit beauftragt. Auch in Neubeuern sind viele Eschen bedroht

Neubeuern/Inntal – Hunderte von Bäumen werden seit dem 1. Februar entlang des Inndammes gefällt. Schwerpunkt der Baumfällarbeiten: der Inndamm-West im Bereich von Attel bis Altenbeuern und von Niederaudorf bis Kiefersfelden. Am Inndamm-Ost liegt der Schwerpunkt von Vogtareuth bis zur Landesgrenze Tirol.

Der Inndamm-Radweg kann laut Landratsamt in dieser Zeit weiter genutzt werden. Allerdings müssten sich Radfahrer und Fußgänger auf kurzzeitige Sperrungen einstellen. Das teilt das Landratsamt Rosenheim mit. Aufgrund des Eschentriebsterbens und von Biberschäden ist der Landkreis Rosenheim gezwungen, im Rahmen seiner Unterhalts- und Verkehrssicherungspflichten für die Inndamm-Radwege Fällungen zu veranlassen. Dafür beauftragte der Landkreis nun die Waldbesitzervereinigung (WBV) Rosenheim.

Angsttriebe als Krankheitszeichen

Seit gestern, Freitag, ist Michael Heffner, Geschäftsführer der WBV, mit seinem Team am Inndamm auf der Westseite in Neubeuern zugegen. Gefällt werden Eschen und von Bibern angenagte Bäume. „Die Eschen werden aus ihrem Bestand rausgeschnitten.“ Insgesamt seien es – von Attel bis Kiefersfelden – etwa 150 bis 200 Bäume, die gefällt werden müssten. Und laut Heffner ist das Eschentriebsterben nicht nur im Landkreis ein Thema, „sondern überall“. Dabei werden die Bäume zunächst von dem Pilz „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ befallen.

„Dieser Pilz verstopft die Wasserleitbahnen. Dadurch ist die Esche geschwächt.“ Und dann greift als Sekundärschädling der Hallimasch an. Dieser Pilz würde die Eschenwurzlen so massiv zersetzen, dass die Bäume nicht mehr standsicher sind. „Dann sind die Wurzeln weg.“

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Und das Hinterlistige an der Krankheit: Sie breite sich nicht nur schnell aus – man sehe sie den Bäumen auch nicht an. „Der Baum sieht noch grün aus.“ Nur ganz oben an der Krone, an den sogenannten Angsttrieben, sei die Krankheit der Bäume zu erkennen, so Heffner.

Wie man die Bäume dagegen schützen kann? „Da gibt es gar nix“, bedauert der Geschäftsführer. „Über 90 Prozent der Eschen werden befallen und dann sterben sie fast alle ab.“

Für die Arbeiten haben Heffner und sein Team ein befristetes Zeitfenster: „Bis Ende Februar müssen wir durch sein, denn ab März beginnt die Brutzeit der Vögel.“ Für Heffner kein Problem. „Da kommen wir gut hin.“ Sobald die Arbeiten in Neubeuern erledigt seien, gehe es weiter Richtung Nußdorf, Niederaudorf und Kiefersfelden. Dies sei dann die letzte Station des Inndammwegs.

Auch in Neubeuern sei das Eschentriebsterben ein großes Thema, sagt Bürgermeister Christoph Schneider. In seiner jüngsten Sitzung habe sich der Gemeinderat mit den befallenen Eschen auf Gemeindegrundstücken beschäftigt.

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Insbesondere im Bereich des Bauhofs in Richtung Schlossberg sollen Fällungen veranlasst werden. Die 2,6 Hektar großen Waldbestände seien ausgesprochen reich an alten Eschen. Teils grenzen diese Wälder an Wohnbebauung und Freizeitflächen an und seien mit vielen öffentlichen Wegen und Pfaden versehen.

Harald Przybilla, Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, (AELF) sowie Forstbeauftragter Erhard Paul Heiß haben sich bei einem Ortstermin ein Bild von der Situation gemacht. Denn der Gemeinde obliege entlang der öffentlichen Straßen und Wege die Verkehrssicherungspflicht, erklärt Schneider. Gerade Alteschen mit stark befallenen Kronen und erhöhtem Totholzanteil müssten verstärkt kontrolliert werden.

Bei einem fortschreitenden Krankheitsverlauf habe sich gezeigt, dass einzelne Bäume bereits ohne Vorwarnung umgefallen seien. Auch erhöhe sich wegen des zunehmenden Kronentotholzes das Sicherheitsrisiko bei der Holzernte.

Laut Berufsgenossenschaft sollten für solche Maßnahmen Erntemaschinen (Harvester) zum Einsatz kommen. Am Bauhof sei dies wegen der Hanglage aber nicht möglich, sagt Schneider.

Biotopbäume sollen erhalten bleiben

Deshalb hat sich der Gemeinderat nach Empfehlung von Przybilla und Heiß darauf geeinigt, Eschen mit erkennbar starkem Befall einzuschlagen und das anfallende Stammholz durch die WBV Rosenheim zu vermarkten. Die Mitarbeiter des Bauhofs sollen bei der Aufarbeitung hinzugezogen werden.

Bei der mit Seilwinden unterstützten Fällung sind erfahrene Unternehmen tätig. Biotopbäume sowie Totholz sollen außerdem erhalten bleiben. Schneider verlässt sich auf Heiß und Przybilla: „Die leisten gute Arbeit und haben auch bei anderen Gefährdungen, wie durch den Eichenprozessionsspinner, immer früh gehandelt.“

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