Eröffnung für Weitwanderweg von Fischbach bis nach Thiersee im Sommer 2022 geplant

Die drei Bürgermeister unterhielten sich am Ursprungpass (alte Grenzstation) zwischen Bayrischzell und Landl über das Interreg-Projekt, (von links) Hannes Juffinger, Georg Kittenrainer, Johannes Lohwasser.
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Die drei Bürgermeister unterhielten sich am Ursprungpass (alte Grenzstation) zwischen Bayrischzell und Landl über das Interreg-Projekt, (von links) Hannes Juffinger, Georg Kittenrainer, Johannes Lohwasser.

Weil es laut Bayerischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer ab der Grenze im Ursprungstal bis nach Thiersee keinen „vernünftigen Wanderweg“ mehr gibt, soll von dort aus ein Weitwanderweg, der abseits der Landstraße durch den Wald führt, geplant werden.

Von Daniel Wegscheider

Bayrischzell – Dass das Wandern entlang einer Landstraße kein erholsames Vergnügen ist, zeigte sich kürzlich bei einem Pressegespräch zum Interreg-Projekt „Interaktiv Weitwandern auf kultur- und naturhistorischen Pfaden zwischen Bayern und Tirol“.

Am Ursprungspass, dort wo früher die Grenzkontrolleure die Schranke für Verkehrsteilnehmer öffneten und schlossen, trafen sich die drei Projektpartner der Gemeinde Bayrischzell, Fischbachau und Thiersee, um ihr gemeinsames Vorhaben vorzustellen. Während sich die drei Bürgermeister lässig am Grenzstein positionierten, donnerten unweit Autos und Lkw auf der Straße vorbei.

Weitwanderweg soll durch Wald führen

Genau das ist der springende Punkt, erklärte Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer. Ab der Grenze im Ursprungstal bis nach Thiersee gebe es keinen „vernünftigen Wanderweg mehr.“ Die Tiroler Straße ist für Autos, Wanderer haben dort nichts verloren – „zu laut, zu gefährlich“ und zudem per Straßenverordnung nicht erlaubt. Daher soll von dort der geplante Weitwanderweg abseits der Landstraße durch den Wald führen. Die Eröffnung für den kompletten Weitwanderweg ist für Sommer 2022 geplant.

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Der Startpunkt auf bayrischer Seite beginnt im Fischbachauer Ortsteil Wörnsmühl und endet nach rund 60 Kilometern am Thiersee. Darauf sollen rund 40 Attraktionen teils mit App-Anwendung (QR-Code) fürs Mobiltelefon aufgestellt werden; die insbesondere Themen wie Wasser, Forst und Jagd erlebbar gestalten.

„Wir wollen eine Brücke schlagen“, so Kittenrainer. Die Initiative dafür gab Fischbachs ehemaliger Bürgermeister Josef Lechner, der sich seiner Zeit für einen Erlebnispfad entlang der Leitzach, einsetzte, beginnend in seiner Gemeinde bis nach Bayrischzell. Der weitere Schritt über die Landesgrenze war ein logischer und auch des Geldes wegen nicht unerheblich. Eigentlich sollte eine Leader-Förderung den zuerst geplanten Weg finanzieren, „doch, das war schwierig“, sagte Kittenrainer. Einfacher sei der Weg über Interreg, das grenzüberschreitenden Kooperationen für regionale Entwicklungen fördert. Daraufhin wurde die Gemeinde Thiersee als Partner mit ins Boot geholt.

Von dem länderübergreifenden Projekt ließen sich auch betroffene Eigentümer auf österreichischer sowie bayrischer Seite überzeugen, über deren Grund der Weg teilweise entlangläuft. „Alle haben lösungsorientiert an der Sache mitgearbeitet“, betonte Kittenrainer: „Die Trasse steht; erste Bauabschnitte sind in Ausschreibung.“ Der größte Abschnitt verlaufe weitestgehend auf gewidmeten Wanderwegen und Bundesforsten. Das Tourismuskonzept der drei Kommunen führt nun ihre Wanderwege zusammen, um über die Grenze hinweg Natur sowie regionale Geschichte zu vermitteln.

Die Gesamtkosten von 458 000 Euro werden zu 75 Prozent gefördert. Anteilig verbleiben unterm Strich für Fischbachau 30 000 Euro, Bayrischzell 39 500 Euro und Thiersee 45 000 Euro.

Konkret verläuft die Strecke querfeldein bis zum höchsten Punkt am Berggasthaus Wastler (996 Meter) am Tiroler Riedenberg. „Es steht aber nicht eine Gipfelbesteigung im Vordergrund“, erklärte Projektleiter Ekkehard Wimmer vom Unternehmen Regiovation, „sondern das Erlebnis für die ganze Familie mit Rastplätzen“. Ein Grund, weshalb auch die einstige Busverbindung zwischen Schliersee und Kufstein wiederbelebt wurde, damit die Strecke in Etappen abgewandert werden könne.

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Während Fischbachau derzeit die Leitzach als Standort für einen Wassererlebnisspielplatz am Lehenpoint plant, thematisiert Bayrischzell die Land- und Forstwirtschaft, um etwa Baum- und Holzarten interaktiv zu entdecken.

Auch ein Radweg wäre vorgesehen

„Ich bin froh, dass positive Erbe meines Vorgängers antreten zu können“, lobte Fischbachaus Bürgermeister Johannes Lohwasser. Auch Thiersees Rathauschef Hannes Juffinger steht jetzt „voll und ganz“ hinter dem Weitwanderweg.

Anfangs gab es Zweifel und es benötigte etwas Überzeugung zum Kompromiss: Auf Nachfrage erklärte er, dass Thiersee eigentlich einen Radweg ab der Grenze auf dem jetzigen Wanderweg vorgesehen habe: Ein Wunsch, den viele Tiroler teilen. „Daraus ist leider nix geworden.“ Die Hoffnung, dass dieser einmal ausgebaut wird, bleibt: „Der Grundstein ist gelegt und es ist ein Fernziel“, sagte Juffinger.

Dafür steht Interreg:

Interreg, oder offiziell unter„europäische territoriale Zusammenarbeit“ bekannt, ist Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union. Damit werden seit über 20 Jahren grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Städten und Regionen unterstützt – zum Beispiel im Verkehr, beim Arbeitsmarkt und im Umweltschutz. Interreg wird in drei Schwerpunkten umgesetzt. Dazu gehören die grenzübergreifende, die transnationale sowie die interregionale Zusammenarbeit.

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