Erl und Nußdorf blicken in Projekt auf gemeinsame Vergangenheit als Schiffsleute auf dem Inn

Die alte Erler Zollhausbrücke. Seit 1895 verband sie die beiden Ufer, zwei Staaten, zwei Bundesländer und zwei Gemeinden.Steffenhagen
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Die alte Erler Zollhausbrücke. Seit 1895 verband sie die beiden Ufer, zwei Staaten, zwei Bundesländer und zwei Gemeinden.Steffenhagen
  • vonVolkhard Steffenhagen
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Von Grenzen, aber auch von Freundschaft, von gemeinsamer Vergangenheit, aber auch von künftiger Zusammenarbeit war die Rede, als in Erl an der Zollhausbrücke eine Tafel zum Thema Innschifffahrt im Rahmen einer kleinen Feier ihrer Bestimmung übergeben wurde. Ein Projekt mit Tiroler und bayerischer Beteiligung.

Erl/Nussdorf – Auch wenn Grenzen zwischen Österreich und Deutschland, zwischen Tirol und Bayern gezogen wurden, so hat der Inn immer schon eher eine verbindende als eine trennende Funktion gehabt. „Ein Projekt mit zwei Dirigenten, die aber zusammen eine Melodie spielen“, sagte der Erler Bürgermeister Georg Aicher-Hechenberger in seiner Ansprache. Dieses Projekt zeige, dass Bayern und Tirol eine gemeinsame Vergangenheit haben

Gemeinsame Lösungen für aktuelle Probleme

. Er nahm gleich Bezug auf das im Inntal alle Menschen berührende Thema des Brennernordzulaufs: „Wo wir uns eher schwertun, sind die zukünftigen Verkehrslösungen. Aber lasst uns auch hier gemeinsam weitergehen, dass wir für unseren Lebensbereich rechts und links des Inns vernünftige Lösungen finden.“

Die zahlreichen Beteiligten aus Bayern und Tirol fanden sich zu einer Feierstunde vor der Schiffleute-Tafel zusammen, um ihr gemeinsames Werk offiziell der Öffentlichkeit zu übergeben. Unter ihnen waren unter anderem Johann Dettendorfer, Vorsitzender des Nußdorfer Schiffleutvereins (Dritter von links), der Erler Bürgermeister Georg Aicher-Hechenberger (Fünfter von links) und der Erler Ortschronist Erwin Thrainer (Achter von links).

Glas aus Venedig, Gips aus Nußdorf

Die Innschifffahrt war ein bedeutender Wirtschaftszweig, sowohl für die Tiroler als auch für die bayerische Seite, so der Bürgermeister. Die Blüte der Innschifffahrt begann zu einer Zeit, als im Mittelalters der Handel zwischen Norditalien, Bayern und Österreich an Bedeutung gewann und über den bloßen lokalen Warenaustausch hinaus ging. Wein, Obst aus Oberitalien und Glas aus Venedig kamen über den Brenner nach Tirol und waren in den nördlichen Ländern sehr begehrt. Wiederum waren Gips aus Nußdorf, Mühlsteine aus Neubeuern sowie andere Handelsgüter aus Nordeuropa jenseits der Alpen gefragt. Diese Güter mussten nun in größerem Umfang transportiert werden.

Der Inn als einziger Transportweg

Ein Verkehrsnetz, wie wir es heute kennen, gab es nicht. Zwar hatten die Römer bereits einen Weg zwischen Rosenheim und Ebbs angelegt, auf dem allerdings ein großvolumiger Güterverkehr nicht möglich war. So blieb als einziger Transportweg nur der Inn übrig, damals noch ein reißender Gebirgsfluss.

Schiffszüge bergauf

Seinerzeit wurden in den Dörfern am Inn spezielle Schiffe, die Plätten, gebaut, auf denen rund 100 Tonnen Güter transportiert werden konnten. Ein Zug bestand gleich aus mehreren Plätten. Für die „Bergfahrt“ war daher ein gewaltiges Aufgebot an Zugpferden und eine erfahrene sowie gut eingespielte Mannschaft notwendig. Die fanden die Schiffsmeister ebenfalls in den am Inn gelegenen Dörfern und Städten.

Unberechenbar und gefährlich

Der Fluss war unberechenbar und gefährlich, sein ungebändigter Verlauf änderte sich ständig. Ein harter Job für die Schiffleut, von denen viele ihr Leben auf dem Inn lassen mussten. So erinnert die Tafel an der Zollhausbrücke auch an das Schiffsunglück von 1827 auf Höhe des ehemaligen Zollhauses.

„Erl hat sehr viel von der Innschifffahrt partizipiert. Zum Beispiel ist nachzuweisen, dass es hier viele Nagelschmieden und Schopperwerkstätten (Schiffsbauer) gegeben hat“, sagt Erls Chronist Erwin Thrainer anlässlich der Feierstunde. Er erinnerte an die bereits damals gegründete Schiffleutbruderschaft, die durchaus als Vorgänger der Sozialversicherung bezeichnet werden könne.

Eine Brücke verbindet

Den Platz, an der die Tafel errichtet wurde, habe man bewusst an der Zollhausbrücke gewählt. Ganz in der Nähe gab es früher zunächst einen Fährbetrieb. Im Jahr 1895 wurde schließlich eine Brücke gebaut, die die beiden Ufer, zwei Staaten, zwei Bundesländer und zwei Gemeinden miteinander verband.

Unterstützung von der anderen Flussseite

Als die Idee für diese Tafel in Erl aufkam, wurde gleich der Nußdorfer Schiffleutverein in das Projekt einbezogen, da der rund 500 Mitglieder zählende Nußdorfer Verein mit solchen Vorhaben bereits Erfahrung gesammelt hatte. „Als ich vor einem Jahr von der Idee erfuhr, war ich gleich ganz begeistert“, sagte Johann Dettendorfer, Vorsitzender des Nußdorfer Schiffleutvereins. Gemeinsam schmiedeten die Initiatoren einen Plan, bezogen frühzeitig die Gemeinde Erl ein und suchten nach Sponsoren. Schließlich konnte das Projekt mit zahlreichen Helfern aus Tirol und Bayern gemeinsam erstellt werden. „Das ist eine Nachbarschaft und eine Freundschaft!“, lobte Dettendorfer das Projekt und alle Beteiligten.

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