30. Todestag

Erinnerung an die „Mamu“: Samerberger Künstlerin Elisabeth Kronseder hat Kindern eine Heimat gegeben

Elisabeth Kronseder erhielt neben der Samerberger Ehrenbürgerschaft auch das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sie starb vor 30 Jahren.
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Elisabeth Kronseder erhielt neben der Samerberger Ehrenbürgerschaft auch das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sie starb vor 30 Jahren.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Am Samstag, 29. November, ist es genau 30 Jahre, her als die Künstlerin Elisabeth Kronseder im Alter von 100 Jahren starb. Besonders die Samerberger erinnern sich an die Bildhauerin und Malerin, war sie doch Ehrenbürgerin der Gemeinde und Inhaberin des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Samerberg – Die seltene Ehrung der Ehrenbürgerschaft wurde Elisabeth Kronseder anlässlich ihres 95. Geburtstages zuerkannt. Samerbergs Bürgermeister Georg Huber erinnert sich anlässlich einer Gedächtnisausstellung in Oberschöffau 2015, dabei sagte er unter anderem: „Elisabeth Kronseder war zu ihrer Zeit nicht die einzige Künstlerin in unserer Gegend.

Die mit ihr fast gleichaltrigen Maler Constantin Gerhardinger, Oskar Martin-Amorbach, Paul Segieth und der etwas ältere Karl Hermann Müller-Samerberg hatten sich hier ebenfalls niedergelassen. Sie wussten alle voneinander, pflegten aber weiter keinen persönlichen Kontakt – im Gegensatz zu den heutigen Künstlern, die sich 2000 zum „Samerberger Künstlerkreis“ zusammenschlossen oder zur Gruppe „Phönixen“, die zuweilen Ausstellungen in Oberschöffau veranstaltet.

Kronseder im gesamten Landkreis bekannt

Das Besondere an Elisabeth Kronseder war, dass sie sich neben ihrer künstlerischen Arbeit auch auf sozialem Gebiet engagierte. Zusammen mit ihrem Mann Dr. Otto Kronseder hatte sie den Peterhof in Friesing erworben und mit der Zeit das dazu gehörende Zuhäusl zu einem bequemen Wohnhaus ausgebaut. Es gab also Platz, viel Platz. So wurden ab 1941 Kinder aufgenommen, deren Eltern ausgebombt waren, und sie wurden hier meist zum ersten Mal in ihrem Leben auch mit den Geheimnissen der Bildhauerei und Malerei bekannt gemacht. 25 Jahre hat sie dann mit einem Stab von Mitarbeitern den Peterhof als Kinderheim geleitet“. Ganz persönliche Erinnerungen an Elisabeth Kronseder, die freundschaftlich „Mamu“ genannt wurde, hat auch Helga Bauer von Hartbichl am Samerberg.

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In ihrer Keramik-Werkstatt war Elisabeth Kronseder öfter zu Gast, es entwickelte sich eine lange Freundschaft, dazu erinnert sich Helga Bauer: „Als ich im April 1987 in der Kundenhalle der Sparkasse Rosenheim einen Vortrag über Asche- und Lehmglasuren hielt, da hörte sich die Mamu den Vortrag im Alter von 97 Jahren mit großem Interesse an“.

Wie Helga Bauer weiter berichtet, durfte sie einmal in der früheren Wagenremise im Peterhof in Friesing Modell stehen, dabei war es kalt und interessant gleichermaßen. Bekanntheit und Zustimmung hat die Künstlerin Kronseder über den Samerberg hinaus im gesamten Landkreis Rosenheim erlangt.

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Dazu gehören die aus ihrer Hand stammenden Brunnenfiguren im Inntal und Chiemgau, die kupfergetriebene Haube auf einem alten Taufstein in der Törwanger Kirche, der lebensgroße Christopherus aus Marmor an der Samerberger Weggabelung Hundham/Schilding sowie ein Bernauer Bilderkreuz aus Eiche.

Ein weiteres geschnitztes Kreuz mit zehn biblischen Bildtafeln hat die Künstlerin im Alter von über 90 Jahren geschaffen, das große Werk mit Maßen von 235 mal 165 Zentimeter ist seit 1986 im Besitz des Landkreises Rosenheim und hat im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes seinen Platz gefunden.

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Ein weiterer Zeitzeuge ist Franz Osterhammer aus Frasdorf, er kam jahrelang als Postbote nach Friesing, er war oft mit seiner Frau Hildegard bei ihr privat zu Gast,

Franz Osterhammer erinnert sich: „Beeindruckt hat mich immer der Christophorus bei Schilding/Hundham, vor allem die Entstehung. Nach der Flurbereinigung (1959-1964) haben die Bauern freiwillig noch dieses Stück Land hergegeben für den Standort dieser Skulptur. Das wissen wir nur aus den Erzählungen der Elisabeth Kronseder. Wer den Auftrag für die Bildhauerarbeit gegeben hat, weiß ich aber nicht mehr“. Frau Kronseder war ihrerseits gerne im Haus der Familie Osterhammer zu Gast, dazu: „Elisabeth Kronseder mochte die bodenständige Volksmusik sehr gern.

Passionsweise war ihr Lieblingsstück

Wenn sie in unserem Haus in Frasdorf zu Besuch war, wurde immer musiziert. Ein bestimmtes Musikstückl – eine Passionsweise - hat sie besonders gerne gehört und es wurde wiederholt gespielt.

Es waren immer schöne Abende. Auch hat sie uns viel von ihren Erlebnissen erzählt, beim letzten Foto bei uns daheim war sie 97 Jahre alt“. Wichtig aber ist, dass die Erinnerung und Wertschätzung an die vormalige Ehrenbürgerin der Gemeinde Samerberg auch 30 Jahre nach ihrem Tod nicht in Vergessenheit gerät.

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