LESERFORUM

Elektrosensibilität: Angriff auf Gesundheit und Selbstbestimmung oder Einbildung?

Zum Bericht „Auf der Flucht vor Strom und Handy“, erschienen im Lokalteil:

Innerhalb von wenigen Tagen hat das OVB zwei Artikel zum Thema 5G-Ausbau und Elektrosensibilität veröffentlicht. Beide Artikel suggerieren der Leserschaft eine potenzielle Gefahr vor Mobilfunkstrahlung, die faktisch nicht existent ist. Es gibt außer dem Nocebo-Effekt (die Angst vor Strahlung, die psychisch krank machen kann) keinerlei wissenschaftlichen Nachweis, dass so geringe elektromagnetische Felder eine Auswirkung auf den Menschen haben.

Es wird immer wieder fälschlicherweise berichtet, dass es keine offiziellen Untersuchungen dazu gibt. In Deutschland hat vor Jahren ein Institut eine umfassende wissenschaftliche Studie zu diesem Thema erarbeitet. Es wurde eine größere Gruppe von Leuten eingeladen, die von sich behaupteten, sie wären elektrosensibel. Die Personen hielten sich in einem Raum auf, der zu unterschiedlichen Zeiten mit elektromagnetischen Feldern beaufschlagt wurde, von Mobilfunkfrequenzen bis zu Feldern elektrischer Leitungen. Die Felder wurden in größeren zeitlichen Abständen unregelmäßig aus- und eingeschaltet und die Testpersonen sollten bestimmen, wann sie etwas spüren und wann nicht. Der Feldversuch ging über mehrere Wochen. Das Ergebnis war eindeutig: Kein einziger Proband war in der Lage, die Existenz elektromagnetischer Wellen zu erfassen zu den Zeitpunkten, zu denen sie ausgesendet wurden.

Elektrosensibilität ist also eine reine Einbildung, die physisch krankmachen kann, wenn man intensiv genug daran glaubt. Ich finde es unverantwortlich, dass unsere Regionalzeitung Leser, die an ähnlichen Angststörungen leiden, in ihrem Glauben noch bestärkt. Wir leben im Zeitalter der Elek trizität und der drahtlosen Kommunikation. Niemand wird etwas ändern, auch wenn einige Esoteriker dagegen zu Felde ziehen oder glauben, sie wären ein Opfer dieser Technologie.

Herbert Sax

Großkarolinenfeld

Ich bin Herrn Zeh sehr dankbar – und dem OVB für die Veröffentlichung – dass er uns diesen ehrlichen und schonungslosen Einblick in sein hartes Leben als Elektrosensibler gewährt. Ich bin diesen besonders sensiblen Menschen dankbar, weil sie uns zeigen, was mit uns allen passieren kann, wir es aber (noch) nicht merken.

Würden wir beim Telefonieren mit dem Handy akute Kopfschmerzen bekommen, würden wir anders reagieren und anders darüber denken. Das Problem ist, dass die Beschwerden dieser Betroffenen fast immer sehr unspezifisch sind, wie Kopfweh, Konzentrations- und Schlafstörungen, Erschöpfung und Müdigkeit, Herzrhythmusstörungen, die eine Diagnostik so schwer machen. Dazu kommt, dass uns Ärzten dieses Krankheitsbild noch nicht sehr geläufig ist und es sehr frus trierend für den Patienten ist, wenn keine Erklärung für sein Leiden gefunden wird. Zusätzlich bestätigt sogar das Bundesamt für Strahlenschutz, dass „tumorfördernde Effekte bei einigen der untersuchten Leber- und Lungentumorarten bereits in der Gruppe mit dem niedrigsten SAR-Wert von 0,04 W/kg signifikant waren“ und Frau Paulini, Präsidentin des Amtes, nennt unter den „Personengruppen, die besonders schützenswert sind – Kinder, Säuglinge, Kranke, alte Menschen“( 2019, Nano).

Mit Sicherheit wird durch den massiven Ausbau des Mobilfunks die Zahl dieser empfindlichen Menschen drastisch zunehmen, für die es dann keine geeignete, die Strahlung abschirmende Wohnung oder ein entsprechendes Umfeld geben wird. Ich kann nur hoffen, dass Bürgermeister, Gemeinde- und Stadträte bei ihren Planungen und Entscheidungen im Rahmen des 5G-Ausbaus sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

Dr. Dieter Bauer

Brannenburg

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