Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember

Einfach unbezahlbar: Die Ehrenamtlichen im Landkreis Rosenheim

Feuerwehr, Wasserwacht, THW, Sanitäter und andere Rettungskräfte sind die sichtbarsten Ehrenamtliche. Andere wirken eher im Stillen. Eines ist ihnen alles gemeinsam: Sie sind gerne für andere im Einsatz. Und noch etwas: Ihnen allen gilt der internationale Tag des Ehrenamtes am 5.Dezember.
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Feuerwehr, Wasserwacht, THW, Sanitäter und andere Rettungskräfte sind die sichtbarsten Ehrenamtliche. Andere wirken eher im Stillen. Eines ist ihnen alles gemeinsam: Sie sind gerne für andere im Einsatz. Und noch etwas: Ihnen allen gilt der internationale Tag des Ehrenamtes am 5.Dezember.
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  • Barbara Forster
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  • Tina Blum
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  • Sylvia Hampel
    Sylvia Hampel

„Das Ehrenamt ist unbezahlbar“, hieß es vor ein paar Jahren landauf und landab. Bezahlt werden die vielen ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer nicht. Aber sie haben „ihren“ Tag: Der 5.Dezember ist internationaler Tag des Ehrenamtes.Die OVB-Heimatzeitungen stellen sechs Ehrenamtliche aus dem Landkreis vor.

Landkreis – Nach einer Erhebung des Bundesfamilienministeriums von 2014 (neuere Daten liegen nicht vor) engagieren sich in Bayern rund 47 Prozent der Bevölkerung ab dem 14. Lebensjahr ehrenamtlich. Bezogen auf die aktuelle Bevölkerungszahl sind das knapp 107 000 Ehrenamtliche im Landkreis Rosenheim.

Dank vom Landrat für Engagement in der Freizeit

„Das Ehrenamt hält unsere Gesellschaft zusammen. Wir alle dürfen sehr stolz darauf sein, dass es im Landkreis Rosenheim so stark ausgeprägt ist“, sagt Landrat Otto Lederer. Die Rettungs- und Hilfsdienste, die Bereiche Soziales, Kirche, Kultur, Sport und vieles mehr seien nur möglich, weil sich viele Menschen in ihrer Freizeit engagieren. „Für diesen persönlichen Einsatz möchte ich Ihnen allen danken. Gerade die Corona-Pandemie zeigt wieder, dass die Gesellschaft nur funktioniert, wenn wir uns gegenseitig helfen und unterstützen“, so Otto Lederer.

Unterstützung rund um die Uhr

Manchmal geht die Unterstützung rund um die Uhr, wie bei Angela Kern, die alleinerziehenden Flüchtlingsfrauen hilft. „Da kann es schon mal sein, dass mitten in der Nacht ein Anruf kommt, weil eines der Kinder Fieber hat.“ Die gelernte Krankenschwester hat auch dann einen Tipp und beruhigende Worte parat.

Feiern fällt Corona zum Opfer

Rund um die Uhr in Bereitschaft sind die vielen Feuerwehren im Landkreis. Und wenn sie dann ihre Institution – und ein bisschen auch ihre Truppe – feiern wollen, dann kommt ihnen 2020 Corona in die Quere. So wie den Vogtareuthern, die heuer 150. Jubiläum samt Blaulichttag gefeiert hätten. Verschoben – auf 2022.

„Wir haben doch auch etwas davon“

Bezahlt werden sie nicht, aber die meisten Ehrenamtlichen finden, dass sie selbst profitieren. Berta Frai, verwitwete Rentnerin, sieht das jedenfalls so: „Ich habe eine sinnvolle Aufgabe und kann helfen.“ Ob beim Einkaufen oder beim Umgang mit Behörden.

Kathrin Moser erzählt von ehemalige Pfadfindern, die längst alle Familie haben, ihre Freundschaft aus Kindertagen über Jahrzehnte aufrecht erhielten und sich zwei, drei Mal im Jahr in der großen Runde treffen, manchmal auch gemeinsam wegfahren.

Mittendrin im Leben

Und die Ehrenamtlichen sind mittendrin im Leben. Anton Waldmann, der Bürgerbusfahrer, sagt lachend: „Manchmal fühle ich mich, wie ein Beichtvater“. Vor allem weibliche Fahrgäste erzählten ihre Geschichten, weil sie sie bei Waldmann in guten Händen wähnen. Weitererzählt hat er noch nie etwas.

Berta Frai engagiert sich für Vogtareuther Senioren

„Mir ist das von meinen Eltern so vorgelebt worden“, erklärt Berta Frai ihr Engagement in der Gemeinde. Es sind vor allem die älteren Vogtareuther, um die sie sich kümmert – als Seniorenbeauftragte, stellvertretende Vorsitzende des VdK – „bei beidem glangen zehn Jahr‘ nimmer“ oder als Mitinitiatorin der Bürgerhilfe. „Ich habe zu älteren Menschen eine enge Verbindung, immer schon. Und in meinen Jahren als Postbotin habe ich viel gesehen, das in mit das Interesse wachrief, etwas für die Älteren zu tun.“

Berta Frai kauft nicht erst seit Corona für andere ein, sie tut das für ältere Vogtareuther schon seit Langem.

Mittlerweile ist sie selbst Rentnerin, ihr Mann lebt nicht mehr, „ich habe Zeit und helfe gerne. Und ich habe ja auch selber was davon, nämlich Kontakt zu Menschen.“ Das Helfen beschränkt sich aktuell aufs Einkaufen, „und dabei hatten wir so viel geplant, was wir machen wollten – aber es geht ja nichts. Ich treffe meine Senioren gerade meistens auf dem Friedhof.“

Was Berta Frai besonders gefällt: „Wenn ich Hilfe brauche, ob von der Gemeinde, einem Verein oder sonst jemandem, dann tut jeder mit. Das ist echtes Dorfleben! Hier in Vogtareuth greift alles ineinander und das ist schön“, sagt die gebürtige Vogtareutherin, begeistert.

Berta Frai hat sich für ihr ehrenamtliches Engagement eine Regel gegeben: „Nie aufdringlich sein, aber immer wieder Kontakt anbieten.“

Roswitha Estermann rückt die Landwirte ins rechte Licht

Wenn Roswitha Estermann eine Idee im Kopf hat, fackelt sie nicht lange mit der Umsetzung – sei es die Installation eines Landwirtschaftsweges am Samerberg oder ein Treffen zu einem Samerberger Brotzeitabend. Aber ohne die passende Unterstützung helfe die beste Idee nichts, weiß die 49-Jährige. Nur im Miteinander bewege man Großes.

An der Umsetzung des Landwirtschaftsweges am Samerberg war Roswitha Estermann maßgeblich beteiligt.

Seit rund zehn Jahren ist Roswitha Estermann im Ausschuss des Tourismusverbunds Samerberg tätig, seit zwei Jahren ist sie die Vorsitzende des Vereins. Der gelernten Reiseverkehrsfrau sei es ein Anliegen, das Image der Landwirte wieder ins rechte Licht zu rücken sowie mehr Bewusstsein für Regionalität zu schaffen. Ihr Ehrenamt führe sie mit „Herzblut“ aus: „Jeder sollte seinen Beitrag an die Gemeinde leisten“, findet sie.

Georg Huber, Bürgermeister von Samerberg, lobt das Engagement der 49-Jährigen. „Sie hat in den letzten Jahren mit einem großen ehrenamtlichen Einsatz einen Landwirtschaftsweg bei uns in der Gemeinde installiert, der regional und überregional viel beachtet wurde.“ Die zwei Rundwege mit 28 Tafeln gibt es nun seit etwa eineinhalb Jahren. Aber Roswitha Estermann ist überzeugt: „Alleine hätte ich das nicht geschafft.“

Heuer konnte die Vorsitzende wegen Corona nicht viel bewegen: „Alles fiel flach.“ Aber sie sei schon wieder fleißig am Ideensammeln. Denn sie gehe „mit offenen Augen“ durch die Gegend.

Sebastian Unker aus Brannenburg ist der Herr des Geldes

Brannenburg – Seit vielen Jahrzehnten dreht sich bei Sebastian Unker aus Brannenburg alles um Musik und Zahlen: Der 71-Jährige ist seit 1971 aktives Mitglied der Musikkapelle Brannenburg, und 1973 wurde er gleich zum Kassier bestellt: „Ich war damals beruflich beim Finanzamt tätig, da muss man natürlich als Kassier herhalten, logisch“, erklärt Unker lachend.

Sebastian Unker (70) hütet schon seit Jahrzehnten die Finanzkasse der Musikkapelle Brannenburg.

Es sei ein Ehrenamt, dass er all die Jahre gewissenhaft ausgeübt habe –  bis heute. „Durch den Ruhestand habe ich jetzt mehr Zeit als vorher. Außerdem ist das ein gutes Training fürs Hirn“, findet Unker. Und damit meint er nicht nur die Beschäftigung mit den Finanzen, sondern auch das Einüben von Musikstücken. Auch seine beiden Söhne seien mittlerweile bei der Musikkapelle Brannenburg aktiv. Doch nicht nur dort ist Unker unentbehrlich: Auch beim Bezirksmusikverband Inn-Chiemgau ist er seit 2001 als Kassier tätig. Dass er seine Ehrenämter über so viele Jahre ausgeübt habe, sei auch seiner Frau zu verdanken. Sie habe ihm immer den Rücken gestärkt und etliche Gänge zum Postamt für ihn erledigt. „Das war schon immer eine Lauferei“, erinnert er sich.

Dass es jetzt Online-Banking gebe, sei für ihn eine „riesige Erleichterung“. Diese Vereinfachung sei auch der Grund, weshalb er als Kassier weiter am Ball bleibe.

Angela Kern aus Aschau kümmert sich um Flüchtlingsfrauen

„Inzwischen nennen mich viele Mama“, sagt Angela Kern aus Aschau und lacht. Seit 2016 bietet sie beim Helferkreis Asyl die Sprechstunde für Frauen an. Dabei steht sie den jungen Frauen und Müttern beratend zur Seite und ist selbst so etwas wie eine Mutter für ihre Schützlinge geworden. Denn für sie ist Kern 24 Stunden per Telefon erreichbar.

Angela Kern berät geflüchtete junge Frauen und Mütter, die außer ihr sonst keinen Ansprechpartner haben.

Zwölf Familien, darunter auch einige alleinerziehende Mütter, leben derzeit in der Gemeinde. Als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, gründete sich der Helferkreis. Auch Angela Kern wollte helfen, die bereits als Lektorin in der Kirche und Vorsitzende des katholischen Frauenbundes in Aschau ehrenamtlich tätig ist. „Ich selbst habe drei Kinder und dachte, wenn sie so weit weg von zu Hause wären, dann wäre ich auch froh, wenn ihnen jemand helfend unter die Arme greifen würde“, berichtet sie.

Als ehemalige Kinderkrankenschwester berät sie die jungen Frauen bei medizinischen Fragen, unterstützt bei der Erziehung und hilft bei organisatorischen Dingen. Vor allem aufgrund der vielen Bürokratie und Formulare sei Angela Kern schon an ihre Grenzen gekommen: „Aber wenn man die Freude und Dankbarkeit der Menschen spürt, dann weiß man, wieso man das tut.“

Kathrin Moser ist Stammesvorsitzende der Großkarolineflder Pfadfinder

„Meine beste Freundin hat mich mitgenommen und ich bin hängengeblieben“, lacht Kathrin Moser, Stammesvorsitzender der St. Christopherus-Pfadfinder. Seit 2007 oder 2008, so ganz genau weiß sie es gar nicht mehr, ist sie bei den Pfadfindern – „ich habe mich durch alle Altersstufen hochgearbeitet“ – und seit vier Jahren nun Stammesvorsitzende.

Kathrin Moser (stehend, fünfte von rechts im grünen T-Shirt) und die Großkarolinenfelder Pfadfinder im Mai 2019 bei einer dreitägigen Hilfsaktion.

Bei den Pfadfindern geblieben ist Kathrin Moser, weil sich über die Jahre Freundschaften entwickelt haben, die sie nicht missen mag. Hinzu kamen Erlebnisse wie internationale Pfadfinderlager in Island und Frankreich. „Dann wurde vor vier Jahren ein neuer Stammesvorstand gesucht und ich habe mir gedacht ‚Bisher haben‘s andere für mich gemacht, jetzt bin ich dran‘“, erzählt die 22-Jährige. Und es mache ihr Spaß. Pro Woche gingen zwar etwa fünf Stunden für die zunehmende Bürokratie und für Planung drauf, aber dem Pfadfindernachwuchs Werte wie einen guten Umgang mit der Natur, ein gutes Miteinander mit anderen Menschen, zu vermitteln, das sei schon und das sei ihr auch wichtig, sagt Kathrin Moser.

Das kam, coronabedingt heuer etwas zu kurz. „Es war nicht ganz leicht, unseren Nachwuchs bei der Stange zu halten, aber wir hätten ein schlechtes Gewissen gehabt, uns mit 15 Kindern und Jugendlichen zusammenzusetzen, auch wenn wir‘s gedurft hätten – weil Jugendarbeit Bildungsarbeit ist.“ Also gab‘s Gruppenstunden online – Pfadfinder 2.0 sozusagen.

Anton Waldman fährt den Chiemseer Bürgerbus

Schon bei der ersten Fahrt des Bürgerbusses Chiemsee am 7. März 2003 saß Anton Waldmann aus Traunstein am Steuer. Seither ist der 67-Jährige über 300 Einsätze für den Bürgerbus gefahren – alle ehrenamtlich. Denn Waldmann und seine 26 Kollegen arbeiten freiwillig und unentgeltlich.

Anton Waldmann (Achter von links) und seine Kollegen fahren ehrenamtlich den Bürgerbus Chiemsee.

Von Amerang über Bad Endorf bis nach Prien sorgen die Ehrenamtlichen der Linie 9480 dafür, dass Menschen, die selbst nicht (mehr) mobil sind, von A nach B kommen. „Ich konnte früh in Rente gehen und möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt Waldmann. Vor allem auf dem Land sei der Bedarf nach dem Bürgerbus sehr groß, da das ÖPNV-Angebot nicht ausreiche. Die Dankbarkeit der Fahrgäste sei der Beweis dafür. „Eine Dame hat immer eine Schokolade zum Fahrtgeld mitgegeben“, erinnert er sich.

Über das Eggstätter Gemeindeblatt, wo der Allgäuer nach seiner Pensionierung hinzog und lebte, sei er auf das Projekt Bürgerbus Chiemsee aufmerksam geworden. Weil er gerne fahre, habe er sich beworben. „Wenn wir kein Ehrenamt hätten, wären viele Projekte, so wie auch der Bürgerbus, gar nicht möglich“, meint er. Bei der letzten Fahrt 2020 am 30. November und der ersten Fahrt 2021 am 4. Januar hat Anton Waldmann Dienst.

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